Simmerath - Gewerbegebiet Simmerath: Erweiterung rückt trotz Feuerfalter näher

Gewerbegebiet Simmerath: Erweiterung rückt trotz Feuerfalter näher

Von: Andreas Gabbert
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Inzwischen sind von der ursprünglichen vorgesehenen 14 Hektar großen Erweiterungsfläche nur noch vier Hektar übrig geblieben. Zunächst kommt jetzt nur der Bereich rechts des Wirtschaftsweges in Richtung Kesternich für die Erweiterung in Betracht. Foto: Archiv/ H. Schepp

Simmerath. Der streng geschützte Blauschillernde Feuerfalter stand der geplanten Erweiterung des Gewerbegebietes Simmerath in Richtung Kesternich lange Zeit im Weg. Den Gemeinderat beschäftigt das Thema nun schon seit rund 17 Jahren. Nachdem das Plangebiet deutlich verkleinert wurde, scheint der Weg jetzt aber frei zu sein.

In der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses der Gemeinde wurde nun die aktuelle Planung vorgestellt und der Entwurf für den Bebauungsplan verabschiedet.

Als Erweiterungsfläche war zunächst das Gebiet vom Betonwerk Simmerath rechts und links entlang des Wirtschaftsweges bis zur Einmündung in die Kesternicher Höhenstraße/Witzerkuhl vorgesehen. Dieses ursprünglich circa 14 Hektar große Gebiet reichte bis in die Nähe des Quell- und Naturschutzgebietes des Fischbaches heran, und es wurden von Seiten der Behörden Bedenken bezüglich des dort vorkommenden und streng geschützten Blauschillernden Feuerfalters sowie den Auswirkungen des Projektes auf den Erhalt des kontinuierlichen Wasserhaushaltes geäußert.

Kreisverkehr und Radweg geplant

Neuen Schwung bekam das Vorhaben dann im Dezember 2015, als den Ratsmitgliedern ein aktuelles hydrogeologisches Gutachten und eine neue gutachterliche Stellungnahme zum Vorkommen des Falters vorgestellt wurden. Der Diplom-Biologe Ulrich Haese führte in seinem ökologischen Gutachten aus, dass sich die Erweiterung von Gewerbeflächen nicht grundsätzlich negativ auf die Lebensbedingungen des seltenen Schmetterlings auswirken müsse.

„Die jetzt geplante Bebauung und die Kompensationsmöglichkeiten bieten sogar die Chance, die Lebensbedingungen für den Blauschillernden Feuerfalter zu verbessern“, hatte Haese festgestellt. Aufgrund der gutachterlichen Stellungnahmen hatte der Planungsausschuss im Dezember 2016 beschlossen, die Erweiterung des Gewerbegebietes zu reduzieren und den Bebauungsplan aufzustellen. Jetzt wurde der Entwurf des Bebauungsplans vom Planungsbüro PE Becker vorgestellt.

Inzwischen sind von der ursprünglichen vorgesehenen 14 Hektar großen Erweiterungsfläche nur noch vier Hektar übrig geblieben. Zunächst kommt jetzt nur der Bereich rechts des Wirtschaftsweges in Richtung Kesternich für die Erweiterung in Betracht. Teile des linken Bereichs werden eventuell noch zu einem späteren Zeitpunkt erschlossen. Die Anbindung des Gebietes an das Straßennetz soll über die Straße „In den Bremen“ an die L 166 (Bundesstraße) erfolgen. Um die Ortsdurchfahrt Kesternich zu entlasten, soll mittelfristig auch eine Anbindung an den Knotenpunkt der K 9 mit der Bundesstraße 266 südwestlich von Strauch erfolgen.

Dazu hat es bereits Vorgespräche mit der Städteregion, der Bezirksregierung und dem Landesbetrieb Straßenbau gegeben. Geplant ist eine Trasse mit einer Länge von circa 960 Metern, die überwiegend auf dem bereits vorhandenen Wirtschaftsweg entstehen und auch über einen Radweg verfügen soll, sowie der Neubau eines Kreisverkehrs mit einem Außendurchmesser von circa 50 Metern. Vorgesehen ist auch eine rückwärtige Zufahrt in das bereits vorhandene Gewerbegebiet, das bislang ausschließlich über die L 166 angefahren werden kann.

Um eine Belastung der angrenzenden Wohngebiete zu vermeiden, sollen die Nutzungsmöglichkeiten für die Erweiterung des Gewerbegebietes eingeschränkt werden. Ausgeschlossen werden sollen zum Beispiel großflächige Einzelhandels- oder Speditionsbetriebe, öffentliche Tankstellen, Diskotheken, Spielhallen, Gewerbebetriebe für die Tierhaltung, bestimmte Formen der Wohnnutzung, Geschäfts-, Büro- und Verwaltungsgebäude sowie der „zentrenrelevante“ Einzelhandel.

„Win-Win-Situation“

Manfred Sawallich (SPD) sprach von einer Win-Win-Situation. Die Gemeinde erhalte ausreichend Gewerbefläche, und gleichzeitig könne das Ökosystem des Fischbaches erhalten und möglicherweise sogar verbessert werden. Mit Blick auf den Bau der neuen Straße fragte er, wer die Kosten für die Grünpflege und für den Bau des Kreisverkehrs übernehmen werde. Bauamtsleiter Jürgen Förster antwortete, dass noch zu klären sei, wer Träger der Straße werde und für die Kosten aufkommen müsse.

„Was lange währt, wird endlich gut“, sagte Jens Wunderlich (CDU). Nachdem ihn das Thema schon während seiner ganzen Ratsarbeit begleitet habe, sei nun endlich eine Lösung in Sicht. Er äußerte außerdem die Hoffnung, „dass noch etwas dazu kommt“.

Klaus Stockschlaeder (Grüne) plädierte dafür, dass die Baum- und Strauchgruppen an den Rändern des Erweiterungsgebietes erhalten bleiben sollen. Außerdem forderte er eine Beleuchtung mit LED-Lampen, da diese energiesparend und insektenschonend seien. Mit dem vorgesehenen Bau einer neuen Straße tat er sich schwer. „Als Steckenborner müsste ich eigentlich über eine schnelle Anbindung nach Simmerath jubeln“, sagte Stochschlaeder. Die Straße bringe aber den Verkehr in „eine relativ ruhige Landschaft“.

Deshalb sei ihm ein Wendehammer an der Höhenstraße sympathischer. Manfred Sawallich hingegen bezeichnete die für die Straße vorgelegte Planung „als komplett schlüssig“, da der Schwerlastverkehr dann nicht mehr durch Simmerath und Kesternich geleitet werde. Förster erklärte, es gehe auch um eine Entlastung der Anwohner der Witzerather Straße. Ein Wendehammer sei wenig sinnvoll, weil der Schwerlastverkehr dann wieder auf den gewohnten Strecken unterwegs sei.

Walter Heinrichs (UWG) konnte der Planung zustimmen. Die Straße müsse aber als Ganzes gesehen werden und dürfe nicht durch drei verschiedene Bebauungspläne geregelt werden. Der neue Kreisverkehr werde breit angelegt, auf der anderen Seite im Bereich In den Bremen in der Nähe des Betonwerks habe man es dann aber mit einem Nadelöhr zu tun, kritisierte er. Außerdem wollte er wissen, welche Maßnahmen getroffen werden, damit Lkw nicht in die Höhenstraße einfahren. Förster erklärte, dies geschehe durch Verkehrsschilder und Poller.

Breite Zustimmung

Frank Ewert (CDU) sagte, die Verkehrssituation an der Kreuzung in der Nähe des Betonwerkes sei jetzt schon nicht „so prickelnd“ und regte an, auch dort einen Kreisverkehr zu errichten und „das Problem gleich mit anzupacken“. Förster entgegnete, diese Frage sei schon in einem anderen Bebauungsplan geregelt und gelöst. Über das Thema könne aber noch mal diskutiert werden.

Benjamin Steinborn (FDP) bezweifelte, dass die vorgesehene Straßenbreite durchgängig realisierbar sei. Außerdem fragte er nach den Eigentumsverhältnissen. Förster erklärte, die betreffenden Grundstücke seien zwar zum großen Teil im Besitz der Gemeinde aber noch nicht zu 100 Prozent.

Die Ausschussmitglieder stimmten dem Entwurf des Bebauungsplans für die Erweiterung des Gewerbegebietes einstimmig zu. Dem Entwurf des Bebauungsplans für die Anbindung des Gewerbegebietes an die B 266 verweigerte Stockschlaeder seine Zustimmung. Die anderen Ausschussmitglieder stimmten zu.

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