Monschau - Geständnis: 9000 Euro Geldstrafe, Vorstrafe bleibt aus

Geständnis: 9000 Euro Geldstrafe, Vorstrafe bleibt aus

Von: P. St.
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Monschau. Zumindest aus strafrechtlicher Sicht kann der Rollesbroicher Ortsvorsteher und Simmerather SPD-Ratsherr Marc Topp seit Donnerstag ein verhängnisvolles Kapitel aus seinem Leben abschließen. Das Amtsgericht Monschau verurteilte den 36-Jährigen wegen Nachstellung und Beleidigung in 26 Fällen zu 90 Tagessätzen zu je 100 Euro.

Das Urteil hat keine Eintragung ins Strafregister zur Folge. Die Straftaten selbst waren beim Prozess unter Vorsitz von Richter Peter Lüttgen nicht mehr Gegenstand der Verhandlung, hatte der Angeklagte doch bereits beim ersten Prozess ein umfassendes Geständnis abgelegt. Es ging jetzt nur noch um das Strafmaß. Die Verteidigung akzeptierte das Urteil und erklärte noch im Gerichtssaal den Verzicht auf Rechtsmittel.

Beim ersten Prozess hatten sich Staatsanwalt und Verteidigung nicht auf ein Strafmaß einigen können, weshalb das Gericht ein Gutachten in Auftrag gegeben hatte, das klären sollte, ob Topp während des Tatzeitraumes zwischen November 2012 und März 2013 als vermindert schuldfähig zu gelten habe. Daher kam es am Donnerstag zu einer weiteren öffentlichen Verhandlung. Im dem Gutachten einer Fachärztin für Psychiatrie hieß es, dass eine verminderte Schuldfähigkeit zumindest nicht ausgeschlossen werden könne.

Mit den 90 Tagessätzen und der Übernahme der Verfahrenskosten bleibt der Angeklagte unter dem Strafmaß, das eine Vorstrafe nach sich ziehen würde. Auf ein solches Urteil ohne Vorstrafe als Folge hatte auch die Verteidigung abgezielt, die sogar die Prognose wagte: „So etwas wird nie wieder passieren.“

Obwohl nicht mehr Thema der Verhandlung, wurde das Geschehen ohne eine weitere Vernehmung der Zeugen und ohne die erneute Verlesung der „unschönen Anklageschrift“, so die Staatsanwältin, noch einmal kurz aufgerollt.

Der 36-Jährige erzählte wie er beruflich die Karriereleiter bei der Stadtverwaltung Aachen emporgestiegen war und schließlich freigestellter Gesamtpersonalratsvorsitzender bei der Stadt Aachen wurde, eine Position, die ihm Vertrauen und Anerkennung bei den Mitarbeitern einbrachte und die er auch heute noch ausübt.

Dann aber, berichtete der Angeklagte, habe er im Laufe des Jahres 2012 „plötzlich gemerkt, dass mit mir etwas nicht stimmt.“ Er erzählte von emotionalen Ausbrüchen, von immer größer werdendem Druck und körperlichen Symptomen wie Gewichtsverlust, suchtartigem Nikotinkonsum und Schlafstörungen.

Diese Veränderung habe dann auch dazu geführt, dass er „Krach“ mit einem guten Freund bekommen habe. Dieser Freund, aber vor allem dessen neue Freundin, wurden anschließend die Zielscheibe massiver Herabwürdigungen. Kurzmitteilungen auf dem Mobiltelefon der jungen Frau oder hinter die Windschutzscheibe geklemmte Zettel mit üblen Beleidigungen setzten sich über Monate fort, ehe die immer mehr eskalierende Situation schließlich in einem Klinikaufenthalt des 36-Jährigen endete.

Im Gutachten wurden die offensichtliche Persönlichkeitsstörung als „absolut typisches Merkmal“ einer depressiven Episode festgestellt. Der 36-Jährige habe bei seinem depressiven Tunnelblick nur noch über ein „eingeschränktes Wahrnehmungs- und Hemmungsvermögen“ verfügt.

Der Angeklagte bestätigte, dass er im Tatzeitraum eine regelrechte Fassade aufgebaut habe und öffentliche Auftritte in seiner Funktion als Kommunalpolitiker oder im Vereinsleben wie auch berufliche Pflichten vernachlässigt habe.

Vor Gericht wiederholte der Angeklagte, dem es nach eigenem Bekunden wieder „gut geht“, seine „aufrichtige Entschuldigung“ an das Opfer. „Das war absolut falsch; ich bin im Nachhinein über mich selbst erschrocken.“

Die Staatsanwältin wertete das umfassende Geständnis als strafmildernd, und sprach vom „Blackout“ eines bis dahin unbescholtenen Mannes. Dennoch müsse man bei der Abwägung bedenken, dass das Opfer noch in erheblichem Maße unter der Verarbeitung der Attacken zu leiden habe.

Auf die Aspekte des Opfers wies in besonderem Maße auch die Nebenklägerin hin, die Zweifel hegte, dass der Angeklagte seine Taten während der Ausführung nicht reflektiert habe. Das Opfer, bis heute befindet es sich in therapeutischer Behandlung, habe über Monate in Angst gelebt, weil ein damals Unbekannter gezielt in ihre Intimsphäre eingegriffen habe. Daher lag die Forderung der Nebenklage auch bei 120 Tagessätzen.

In der Urteilsbegründung meinte Richter Lüttgen, dass der Angeklagte ein glaubhaftes Geständnis abgelegt habe, erwarte aber auch, dass dieser in Öffentlichkeit kommuniziere, „wer Täter und wer Opfer ist.“

Wie die Opfer zu entschädigen sind ist nun Sache des noch ausstehenden Zivilprozesses.

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