Geschichte der SPD in den Blick gerückt

Von: Helga Giesen
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Auf den 40 Seiten seiner Chronik hat Hans Lennartz (li.) die Zeit bis 1975 in Dokumenten und Fotos aufgearbeitet. Das erste Exemplar nahm der Vorsitzende der Roetgener SPD, Helmut Mulorz. Foto: H.Giesen

Roetgen. Nachdem bei der SPD in diesem Jahr bundesweit zwei Jubiläen gefeiert wurden – im Mai das 150-jährige Bestehen der sozialdemokratischen Partei sowie den 100. Geburtstag von Willi Brandt in diesen Tagen – wollten auch die Roetgener Genossinnen und Genossen auf Ortsebene Geschichte in den Blick rücken.

Seit September erinnere vor dem Rathaus eine Gedenktafel an den Gewerkschafter Mathias Wilms, blickte Vorsitzender Helmut Mulorz kürzlich auf der Mitgliederversammlung zurück. Damit erinnere der Ortsverein an einen der ersten Roetgener Sozialdemokraten, der 1945 in Aachen zu den Mitbegründern des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes gehörte.

Eigenes Archivmaterial

Einen großen Teil der Geschichte der Roetgener SPD hat Hans Lennartz in einer Chronik aufgearbeitet, die an diesem Abend vorgestellt wurde. Der 81-Jährige, der 1942 mit seiner Familie aus Aachen nach Roetgen kam, hat die Jahre 1955 bis 1975 als aktives Mitglied, u. a. als langjähriger Ratsvertreter und als Ortsvereins-Vorsitzender, miterlebt und konnte sich daher für seine Recherchen auf sein eigenes, reichhaltiges Archivmaterial aus dieser Zeit stützen.

Hans Lennartz’ Vater Jean, SPD-Mitglied seit 1918, gehörte Anfang der 50er Jahre, nachdem er sich nach dem Krieg zunächst dem Aufbau seines Unternehmens gewidmet hatte, zu den Mitbegründern der SPD in Roetgen. „Wenn er in der Kneipe ein Bier trank, setzte sich niemand an seinen Tisch“, beschreibt Sohn Hans die damalige Stellung der Sozialdemokratie in der Nordeifel.

Bei den Gemeinderatswahlen am 15. September 1946 erhielten zwar zwei SPD-Vertreter ein Mandat, aber einen offiziellen Ortsverein mit Jean Lennartz als Vorsitzenden gibt es erst seit 1955. Schon für die Kommunalwahlen 1956 konnten alle Roetgener Wahlkreise mit einem SPD-Kandidaten besetzt werden und Jean Lennartz zog über die Reserveliste in den Gemeinderat ein.

Hans Lennartz konnte 1964 erstmals ein Direktmandat für die SPD erringen, insgesamt gehörten dem Rat in dieser Legislaturperiode fünf Abgeordnete seiner Partei an. Trotz dieser ersten Erfolge war es noch ein weiter Weg, bis 1999 mit Manfred Eis der erste sozialdemokratische Bürgermeister in einer Nordeifelkommune gewählt wurde.

Dass sich die Zeiten geändert haben, konnte Hans Lennartz auch bei seinen Recherchen für die Chronik feststellen. Er kontaktierte dazu viele Zeitzeugen und fand nicht nur in den eigenen Reihen, sondern auch bei Mitgliedern anderer Parteien freundschaftliche Unterstützung.

Auf den 40 Seiten seiner Chronik hat Hans Lennartz die Zeit bis 1975 in vielen Dokumenten und Fotos aufgearbeitet und dabei auch einen Kontext zur Kreis-, Landes- und Bundespolitik hergestellt. Sein Wunsch ist es nun, dass die Geschichte der Roetgener Sozialdemokratie auch für die folgenden Jahre fortgeschrieben wird. Sein jüngerer Bruder Erich, der von 1972 bis 2004 dem Roetgener Gemeinderat angehörte und diese Arbeit hätte weiterführen können, ist leider früh verstorben.

Beim Ortsverein und seinem Vorsitzenden Helmut Mulorz bedankte sich Hans Lennartz für die ideelle und finanzielle Unterstützung. „Wir sind es, die zu danken haben“, würdigte Mulorz die akribische Arbeit von Hans Lennartz bei der Entgegennahme des ersten Exemplars der Chronik.

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