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Geschenk zur Erstkommunion von der Front

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
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Ein besonders Erinnerungsstück ist dieses 100 Jahre alte Andenken an die erste heilige Kommunion, das während des 1. Weltkrieges entstand. Joe Scheckenbach aus Mützenich hütet die in Russland entstandene Arbeit auf Birkenholz, die sein Großvater nach Hause schickte, wie eine Ikone. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Der oft so bezeichnete „schönste Tag im Leben“, das Fest der Erstkommunion, steht in diesen Tagen auch wieder für zahlreiche Kinder in der Nordeifel an. Früher wie heute bilden die Geschenke für das Kommunionkind einen tragenden Aspekt des Festes.

Einst waren Fährräder, Gebetbücher mit Goldschnitt und Gesellschaftsspiele beliebte Geschenke, später waren es Fernseher und noch etwas später Kommunikationsendgeräte und dicke Gutscheine.

Vor 100 Jahren aber spielte die Geschenkeflut anlässlich der 1. hl. Kommunion noch keine Rolle, abgesehen davon, dass die meisten Menschen vom Wohlstand noch weit entfernt waren. Einen Beweis dafür, was Schenken in alter Zeit bedeutete, liefert Joe Scheckenbach aus Mützenich. Der 75-jährige gebürtige Mannheimer war vor vielen Jahren in der Region als Eulenschnitzer bei zahlreichen Veranstaltungen im Einsatz. Mit seiner Motorsäge zauberte er in Windeseile naturgetreue Skulpturen. Den Erlös spendete er für soziale Zwecke.

Wie eine Ikone bewahrt

Das Geschenk anlässlich einer Erstkommunion aus dem Jahr 1917 innerhalb der Familie von Joe Scheckenbach hat auch mit Holz zu tun, aber der Anlass ist schmerzlich und voller Schwermut. Wie einen Schatz hütet der 76-Jährige die rund 20 Zentimeter lange Scheibe aus Birkenholz, auf der genau vor 100 Jahren sein Großvater Karl Peters einen Gruß an seine Tochter anlässlich der Erstkommunion zukommen ließ. Der Großvater war zu diesem Zeitpunkt fernab der Heimat Mannheim während des 1. Weltkrieges als Soldat in Russland im Einsatz. Das Fest der Erstkommunion feierte Hanni Peters, die Tante von Joe Scheckenbach.

Der gemalte Gruß auf russischer Birke an die Tochter war damals das mit Abstand schönste Geschenk überhaupt für die kleine Hanni, hatte die Familie doch damit die Gewissheit, dass der Vater noch lebt. Er starb im Jahre 1935. Deshalb hat die Familie diese außergewöhnliche Feldpostsendung auch „wie eine Ikone“ bewahrt, auch nachdem der Vater unversehrt aus dem Krieg nach Hause zurückkehrte.

„Andenken an die erste heilige Comunion von deinem Vater – Welt-Krieg 1917 Russland“ ist auf der liebevoll gestalteten Holzarbeit in kunstvoller Schreibschrift zu lesen. Über dem Schriftzug weht die schwarz-weiß-rote Fahne des Kaiserreiches mit integriertem Eisernen Kreuz; daneben befindet sich ein Kreuz mit Anker als christliches Symbol der Hoffnung. Abgerundet wird der Gruß mit der Darstellung einer typisch russischen Hütte nebst Ziehbrunnen. Vieles spricht dafür, dass der Vater die Holzarbeit nicht selbst gestaltete sondern sie von einem künstlerisch begabten Kriegskameraden angefertigt wurde.

Das besondere Kommuniongeschenk wurde über alle Generationen hinweg in der Familie weitergegeben, und als Joe Scheckenbachs Tochter im Jahr 1981 selbst das Fest der ersten heiligen Kommunion feierte, gelangte das Erinnerungsstück in die Eifel.

Über Generationen weitergegeben

Zwar bezeichnet es Joe Scheckenbach als „Fehler“, dass er die hübsch bemalte Holzarbeit vor vielen Jahren einmal lackiert hat, um sie zu schützen, aber das ändert nichts am Erinnerungswert und an der Bedeutung, denn ein schöneres Geschenk für die Tochter als ein Lebenszeichen des Vaters von der Kriegsfront konnte es bei der Erstkommunion 1917 einfach nicht geben.

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