Gemeinde und Wirtschaft streben Energieprojekt mit Bürgerbeteiligung an

Von: Stephan Johnen
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Strom vom eigenen Dach: Die Gr
Strom vom eigenen Dach: Die Grundschule in Straß hat die Gemeinde Hürtgenwald schon mit Photovoltaik-Modulen ausgestattet. Nun will die Gemeinde die übrigen geeigneten Dächer von Schulen und öffentlichen Gebäuden für Bürgersolaranlagen freigeben. Foto: Johnen

Kleinhau. Klimaschutz ist keine Sache für Einzelkämpfer. Um die auf Bundesebene gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen, sind auch die Kommunen gefordert. Die Kohlendioxid-Einsparung ist ein Aspekt, doch etwas Gewinn dürfen erneuerbare Energien auch abwerfen.

Einen ersten Schritt in diese Richtung hat die Gemeinde Hürtgenwald unternommen: Seit Anfang des Jahres ist eine Biogasanlage mit zwei Blockheizkraftwerken in Betrieb. Die Gemeinde ist über ihre eigene Entwicklungs- und Dienstleistungsgesellschaft (GED) mit 25,1 Prozent an der Betreibergesellschaft „Bioenergie Kleinhau” beteiligt. Die Kraftwerke versorgen Rathaus und Schulzentrum mit Wärme.

Seit März ist Stefan Grießhaber, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, auch Geschäftsführer der Bioenergie GmbH. Er rechnet mit 40 000 Euro Einsparpotenzial pro Jahr für den Gemeindehaushalt - nur bei den Heizkosten. Soweit der erste Schritt. Weitere sollen folgen.

Beispiel Windkraft. Das Wort der Stunde heißt Wertschöpfung: Bislang profitiert die Gemeinde vor allem von den Gewerbesteuern, die Betreiber von Windrädern entrichten. „Einen Großteil der Wertschöpfungskette machen aber Planung, das Einholen von Genehmigungen und die schlüsselfertige Bereitstellung aus”, erklärt Grießhaber.

„Das sollten wir in der Gemeinde tun.” Aus diesem Grund will die Gemeinde mit dem privatwirtschaftlichen Partner REA, einer Gesellschaft, die schon viele Windenergie-Projekte in der Region realisiert hat, die „Projekt GmbH Hürtgenwald” gründen.

Die Aufgaben der neuen Gesellschaft sind die Planung und Entwicklung von Windenergie-Projekten, der Kauf von Flächen, die Bauleitung, Vermarktung, Gutachtenerstellung und Beratung anderer Kommunen. Über die Entwicklungsgesellschaft wird die Gemeinde mit 50 Prozent an der neuen Gesellschaft beteiligt sein. Mit einem Partner aus der Wirtschaft könne dieses Zukunftsthema angepackt werden, sind die Verantwortlichen in Rat und Rathaus überzeugt.

Der Gemeinderat hat jüngst die Verwaltung beauftragt, den Flächennutzungsplan zu ändern, um zwei Konzentrationsflächen für die Errichtung von Windkraftanlagen auszuweisen. Die entsprechenden Gutachten wurden bereits in Auftrag gegeben, zwei Gebiete stehen dabei im Vordergrund: Flächen im Bereich des Rennwegs und in Brandenberg auf dem Knipp, die überwiegend im Besitz des Landesbetriebs Wald und Holz sind, teilweise aber der Gemeinde gehören.

„Die Gespräche über eine Zusammenarbeit laufen”, sagt Grießhaber. Mindestens zehn Windräder könnten dort errichtet werden, das Investitionsvolumen belaufe sich auf 40 bis 50 Millionen Euro. „Wir können mit der Projekt GmbH auch das Management der Anlagen übernehmen”, sagt Grießhaber. Als Betreiberin komme aber eine weitere, neue Gesellschaft ins Spiel: die Windenergie Hürtgenwald GmbH & Co. KG.

Was kompliziert klingt, soll einfach sein: Als Kommanditisten und damit Investoren und Mitbesitzer der Windräder sollen neben der Gemeindeentwicklungsgesellschaft und der REA auch Bürger, Vereine und andere Betreibergruppen angesprochen werden.

„Mit 500 Euro Kapital ist der Einstieg allerdings kaum möglich”, räumt Stefan Grießhaber ein. Um aber allen Bürgern eine Geldanlage bei Projekten der erneuerbaren Energien zu ermöglichen, ist zusätzlich noch eine Genossenschaft in Planung: Unter dem Titel „Bürgersolaranlagen Hürtgenwald” sollen alle geeigneten gemeindeeigenen Dachflächen (Rathaus, Schulen, Turnhalle Gey und Feuerwehrhaus Vossenack) mit Photovoltaik-Anlagen bestückt werden.

Die Planung und Bereitstellung könnte die Projekt GmbH Hürtgenwald übernehmen. Etwa 3,6 Millionen Kilowattstunden Strom ließen sich so erzeugen. Die Geschäftsführung der Genossenschaft übernehmen gleichberechtigt die GED und die REA. Das letzt Wort zu allen ambitionierten Plänen spricht die Kommunalaufsicht. Stefan Grießhaber ist allerdings voller Zuversicht.

Auch bei der Biogasanlage Kleinhau tut sich noch etwas. Neben Mais und Gülle sollen künftig Feldfrüchte wie Grünroggen, Hirse und Raps eingesetzt werden. In den Sommerferien beginnen zudem die Bauarbeiten im Schulzentrum.

160.000 Euro investiert die Gemeinde in eine Erneuerung der Heizungsanlagen. Wer sparen will, muss investieren: Stefan Grießhaber ist überzeugt, dass diese Rechnung schon mittelfristig im Sinne der Bürger und des Klimaschutzes aufgeht.
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