Nordeifel - Geheimnisvolle Pflanze: Tausendgüldenkraut gefunden

Geheimnisvolle Pflanze: Tausendgüldenkraut gefunden

Von: Günter Krings
Letzte Aktualisierung:
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Auf einer Eifelvereinswanderung mit Senioren im Bereich des Holderbaches bei Rohren wurde von Teilnehmern eine ganz seltene Blütenpflanze gefunden, nämlich das Tausendgüldenkraut. Foto: G. Krings

Nordeifel. Auf einer Eifelvereinswanderung mit Senioren im Bereich des Holderbaches bei Rohren wurde von Teilnehmern eine ganz seltene Blütenpflanze gefunden, nämlich das Tausendgüldenkraut. Diese Krautpflanze gehört zu der Gruppe der Enziangewächse und wurde bisher in unserer Region erst ein einziges Mal gefunden.

Auf der Wanderung wurde diese Pflanze auf einem kaum befahrenen Waldweg entdeckt. Sie besitzt zahlreiche rosa Blüten in einem doldenartigen Blütenstand. Der vierkantige Stängel steht aufrecht, die Stängelblätter sind gegenständig und die Grundblätter bilden eine Rosette.

Es gab einst eine Zeit, wo die große Mehrheit des Volkes weder lesen, schreiben noch rechnen konnte. Alles, was die heilige Zahl „neun“ überschritt, wurde vom Volk nicht mehr gezählt. Alles, was über Neun hinausging, wurde mit „unendlich“ oder mit einer Fantasiezahl belegt. Bei Pflanzen wird die Zahl Zehn nicht benutzt, aber auch die Zahl Hundert nur ganz selten. Dagegen ist die Zahl Tausend beliebt, und das nicht nur bei Pflanzen.

Tausend bedeutet also hier nicht die genaue Anzahl, sondern soll ausdrücken, dass ein Gegenstand häufig, viel oder ungezählt vorhanden ist. Ein „Tausendsassa“ ist ein vielseitig begabter, aber auch häufig leichtsinniger Mensch. Ein Tausendfüßler ist also kein Gliedertier mit tausend Füßen, sondern ein Wesen, dessen Füße man nicht zählen kann, weil es eben mehr als neun sind. Und so gibt es auch bei Pflanzen häufiger die Zahl Tausend für die Tatsache, dass die Pflanze unendlich viele Samenkörner hat: Tausendgüldenkraut, Tausendschönchen, Tausendblatt, Tausendkorn.

Übersetzungsfehler

Der Wortteil „gülden“ beruht auf einem Übersetzungsfehler. Der schwedische Forscher Linné gab der Pflanze den wissenschaftlichen Namen Centaurium nach der griechischen Sagengestalt Kentaur. Bei der Übersetzung dieses lateinischen Namens fasste man fälschlich das Wort als eine Verbindung von Centum (Hundert) und aureus (golden) auf. Der heutige Name beruht also auf einem Irrtum. Das Hundertgüldenkraut, das im 15. Jahrhundert bekannt war, musste sich schließlich eine Multiplikation mit zehn gefallen lassen und wurde zum Tausendgüldenkraut.

Diese Pflanze war über Jahrhunderte ein vielseitig verwendetes Heilkraut. Als Heilmittel war es hoch gerühmt und als Mittel gegen Krankheiten tausend Gulden Wert. Wenn man es antraf, durfte man es nie ungepflückt lassen, weil es sonst Unglück brachte.

Heute wird es noch bei Entzündungen, Appetitlosigkeit und Darmproblemen verordnet. Das Tausendgüldenkraut diente aber auch zu allerlei Zauberei in der vorwissenschaftlichen Zeit. Ein Beispiel: Wenn man seine Wurzel zu einer bestimmten Zeit mit einem Pfennig ausgräbt und unter das Altartuch legt und ohne Wissen des Pfarrers drei Messen darüber lesen lässt, hilft es gegen viele Krankheiten und Vergiftungen, löst Verzauberungen und Verhexungen und macht das Gewehr des Jägers schusssicher.

Vor allem macht ein Kranz aus diesem Kraut den Träger hellsichtig. Er kann Hexen bei ihrem Treiben beobachten, er kann sehen, wie sie durch die Luft fliegen oder wie sie ihre Vorbereitungen zum Schadenszauber treffen. Die Zeiten, wo man an solchen Hokuspokus glaubte, sind gottlob vorbei, aber andererseits glauben viele Menschen heute auch an seltsame Dinge, die uns von Medien und Internet vorgegaukelt werden.

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