Gegenwind kommt nur vom NABU

Von: Andreas Gabbert
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Im Höfener Wald sollen zehn bis zwölf Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von 200 Metern entstehen: Ob sich die Bürger daran beteiligen können, hängt auch von der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ab. Foto: Archiv/H. Schepp

Monschau/Höfen. Während in anderen Kommunen über die Aufstellung von Windrädern heftig diskutiert wird, sind sich die Politiker in der Stadt Monschau einig über die Ausweisung einer Windkraftkonzentrationszone im Höfener Wald, wo zehn bis zwölf Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von 200 Metern geplant sind.

Das wurde auch jetzt wieder deutlich, als der Planungsausschuss der Stadt Monschau über die Stellungnahmen von Behörden und Trägern öffentlicher Belange mit Blick auf den geplanten Windpark zu beraten hatte.

Das Nationalparkforstamt Eifel hatte in seiner Stellungnahme 300 Meter Abstand der Konzentrationszone zum Nationalpark gefordert. Obwohl die artenschutzrechtliche Prüfung diesen Abstand nicht als erforderlich sieht, will die Stadt Monschau auf die Forderung eingehen und damit auch auf zwei Windkraftanlagen verzichten. Im Gegenzug hofft die Stadtverwaltung, sich mit dem Nationalparkforstamt über ein Ersatznahrungshabitat für den Schwarzstorch einigen zu können.

Der NABU hatte in seiner Stellungnahme kritisiert, dass das im Jahr 2012 einzige Brutpaar des Schwarzstorches einen Teil seines Nahrungshabitats im Planungsgebiet bzw. in unmittelbarer Nähe habe. Wegen der Seltenheit dieser Art seien die im Gutachten angeführten Beispiele zur Unbedenklichkeit des Bauvorhabens nicht vergleichbar mit den hier vorhandenen Gegebenheiten. „Schon allein wegen des Schwarzstorches ist das Bauvorhaben abzulehnen“, schreibt der NABU in seiner Stellungnahme.

Das sieht die Verwaltung der Stadt Monschau anders. Allein die Seltenheit einer Art reiche nicht aus, um artenschutzrechtliche Verbote zu prognostizieren, antwortet sie. Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft sei der Schwarzstorch weder schlaggefährdet, noch würden durch die geplanten Windkraftanlagen unüberwindbare „Barriereeffekte“ zum Teil-Nahrungshabitat im Fuhrtsbachtal auftreten. Ein Ersatznahrungshabitat soll aber in Abstimmung mit der unteren Landschaftsbehörde der Städteregion Aachen und dem Landesamt für Natur, Umwelt und Vebraucherschutz (LANUV) ausgewiesen werden – wenn es nach der Stadt Monschau geht, dann am liebsten im Nationalpark.

Kritisiert hatte der NABU außerdem, dass das Plangebiet im unmittelbaren Randbereich des Nationalparks liege, an dessen östlichem Rand bereits ein Windpark bestehe. „Eine weitere Barriere würde den südlichen Nationalpark deutlich einengen. Das widerspricht dem Sinn eines Nationalparks. Ein Nationalpark ist kein Zoo, der von einem Zaun umgeben ist“, schreibt der NABU.

Außerdem ließen sich die Zugstraßen der Kraniche nicht genau definieren. Je nach Wind- und Wetterverhältnissen ändere sich die Zugroute. Des Weiteren seien verschiedene artenschutzrelevante Fledermausarten nachgewiesen worden. Noch gebe es keine verwertbaren Untersuchungen über Totschlaghäufigkeit von Fledermäusen an Windkraftanlagen.

Eine Abschaltautomatik mit Hilfe von Gondelmonitoring (dabei wird ein Gerät angebracht, dass die Geräusche von Fledermäusen aufzeichnet und so notwendige Abschaltzeiten ermittelt) sei bei Weitem noch nicht ausgereift. Durch die Planung sei außerdem der Rotmilan wegen seines Segelfluges besonders gefährdet.

Diese Einwände will die Stadt Monschau nicht gelten lassen. Es gebe keine wissenschaftlich fundierten Hinweise, dass der Kranich eine schlagopfergefährdete Art sei, noch dass durch eventuelle Umwege erhebliche „individuelle bzw. populationsrelevante Beeinträchtigungen“ entstünden. Trotz der zunehmenden Zahl von Windkraftanlagen, auch in den Zugrouten des Kranichs, betrage die Schlagopferzahl für Deutschland fünf, für Europa neun getötete Tiere.

Die Population des westeuropäischen Zugweges betrage rund 210.000 Tiere. Gefährdungen seien bei Nebel zwar nicht auszuschließen, dies werde aber durch Abschaltzeiten berücksichtigt, heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung. Zum Rotmilan schreibt sie, die zunächst vorgesehene Konzentrationszone sei aufgrund der Daten der Raumnutzungsanalyse für den Rotmilan geändert worden.

Sie befinde sich nun außerhalb der häufig genutzten Transferrouten. Auch für Fledermäuse sieht die Verwaltung keine Gefahr. Das Gondelmonitoring stelle eine „anerkannte und anwendbare Methode zur Vermeidung und Reduzierung von Schlagopfern an Windenergieanlagen dar“. So könnten eine Kollisionen von Fledermäusen effektiv vermieden, bzw. auf einen von der Naturschutzbehörde festgelegten Wert minimiert werden.

Die Politiker folgten im Planungsausschuss einstimmig den Ausführungen der Stadtverwaltung. Georg Kaulen (CDU) sagte, im Grunde handele es sich nicht um einen neuen Windpark, sondern um eine Erweiterung in der Fluchtlinie der bereits bestehenden Anlagen auf dem Gebiet des Kreises Euskirchen bei Schöneseiffen. „Von einer neuen Verspargelung der Landschaft kann nicht die Rede sein. Wir hoffen, dass es bald los geht“, sagte Kaulen.

Auch Gregor Mathar (SPD) sprach von einer „sinnvollen Erweiterung“. Flora und Fauna würde Rechnung getragen, so dass dem Windpark nichts im Wege stehe. „Wir machen einen großen Schritt weiter in Richtung Bürgerwindpark“, erklärte Mathar.

Werner Krickel (Grüne) zeigte sich zuversichtlich, nach umfangreicher Abwägung das Ok von allen Trägern öffentlicher Belange zu erhalten. Er stellte heraus, dass der Windpark im Gegensatz zu anderen Kommunen in der Öffentlichkeit nicht kontrovers diskutiert werde. Mit Blick auf eine Beteiligung der Bürger an dem geplanten Windpark verwies er auf bundespolitische Entscheidungen, die abzuwarten seien.

Das bestätigte auch Bürgermeisterin Margareta Ritter. Ob sich die Bürger letztlich an dem Windpark beteiligen könnten, hinge davon ab, wie sich die von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel geplante Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes auswirke.

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