Gegenwind aus Roetgen für Pläne der Stadt Aachen

Von: ag
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Der Windpark Waldalgesheim im Bau: Diese Anlage ziehen Befürworter und Gegner zur Untermauerung ihrer Argumente heran.

Roetgen. Es war ein Schreckensszenario, was die Bürgerinitiative „Rettet den Münsterwald“ auf ihrer Infoveranstaltung zum geplanten Windpark der Stadt Aachen an die Wand malte. Es wurde klar, wie groß das Misstrauen gegenüber der Stadt Aachen inzwischen ist. Rainer Ständer hatte eine Menge Folien, Bilder und Karten mitgebracht, um die zu erwartenden Nachteile für die Roetgener Bürger deutlich zu machen.

Fotomontagen von Gutachtern der Stadt Aachen stellte Ständer eigene gegenüber. Anhand von Karten zeigte Ständer die Abstände zu umliegenden Baugebieten und an welchen Stellen im Gemeindegebiet mit Lärmbelästigung durch die Windräder zu rechnen ist. Bis auf rund eintausend Meter würden die Windkrafträder beispielsweise an Häuser im Petergensfeld heranrücken.

Autobahnähnliche Straßen

Für das Aufstellen und zur Unterhaltung der Windräder seien außerdem autobahnähnliche Straßen mit einer Tragkraft von bis zu 164 Tonnen durch den Münsterwald nötig, die auch später erhalten bleiben müssten. Um die Ausmaße zu verdeutlichen, hatte Ständer Bilder aus dem Windpark Waldalgesheim bei Bingen, den die Stadt Aachen als Musterbeispiel vorgestellt hatte, mitgebracht.

Ständer kritisierte, dass das von den Aachener Ratsmitgliedern zu prüfende Paket (rund 1200 Seiten) so umfangreich sei, dass niemand auf dieser Grundlage eine Entscheidung fällen könne. Hinzu komme, dass alle Prüfstellen dem Dezernat von Gisela Nacken, Dezernentin für Planung und Umwelt bei der Stadt Aachen, unterständen und auch der Aufsichtsrat der Stawag sei unter anderen von handelnden Politikern besetzt. „Das hat einen Beigeschmack“, sagte Ständer. Formal juristisch sei die Sache aber wohl nicht zu beanstanden.

Zudem gebe der derzeit noch gültige Landesentwicklungsplan einen Windpark an dieser Stelle nicht her. Demnach sei das Aufstellen von Windrädern im Wald nicht oder nur sehr eingeschränkt zulässig. Deshalb sei ein Zielabweichungsverfahren nötig. Das sei vielen Ratsvertretern in Aachen aber wohl nicht bekannt.

Wildkatze und Schwarzstorch

Herbert Klinkenberg aus Sief befasste sich in seinem Vortrag mit dem Artenschutz. Demnach würden durch den Bau des Windparks sechs geschützte Tierarten nachhaltig gefährdet. Dabei handele es sich in erster Linie um die Wildkatze, Kraniche, Fledermäuse, Uhu, Schwarzstorch und Rotmilan.

Die Existenz der Wildkatze im Münsterwald sei durch den Zufallsfund eines toten Exemplars an der Himmelsleiter belegt. Die Auswirkungen der Lärmimmission des Windparks auf den „Ohrenjäger“ seien nicht untersucht worden, bemängelte Klinkenberg. Es bestehe die Gefahr, das scheue Tier auf Dauer zu vergrämen.

Flugverhalten in der Nacht

Im Fall der Kraniche seien mehrere Gutachten erstellt worden, die von höchst unterschiedlichen Zahlen ausgehen. Mal sei von weniger als zehn Tieren die Rede, mal von mehreren Tausend, die den Münsterwald auf ihrer Flugroute haben. Gutachten aus anderen Gebieten seien aber nicht auf den Standort Münsterwald übertragbar, da die Vögel anders als im Flachland auf einen Anstieg, ein Hindernis treffen würden und am höchsten Punkt dann auch noch auf die Windräder. Außerdem sei auch das Flugverhalten in der Nacht völlig außen vor gelassen worden.

Im Münsterwald seien neun Fledermausarten nachgewiesen worden, erklärte Klinkenberg. Es sei erwiesen, dass Windanlagen im Wald mehr Fledermäuse das Leben kosten würden als Anlagen auf freiem Feld. Es bestehe daher die Gefahr, die Population vor Ort auszuschalten. Neben dem Uhu sei auch der Schwarzstorch in dem Gebiet gesichtet worden. Das Tier habe seinen Horst wahrscheinlich bei Monschau, es sei aber davon auszugehen, dass der Münsterwald zu seinem Nahrungshabitat zähle.

In den von der Stadt Aachen in Auftrag gegebenen Gutachten sei kein Vorkommen des Rotmilans festgestellt worden. Im Umkreis von vier Kilometern habe man innerhalb weniger Tage aber mehrere Exemplare des Vogels gezählt. Dieser könne den Anlagen nicht ausweichen und sei der am häufigsten getötete Greifvogel.

„Hier ist gezielt darauf hingearbeitet worden, Dinge nicht zu sehen“, sagte Klinkenberg.

Die Argumente der Bürgerinitiative im Überblick

1. Das Landschaftsbild der Voreifel wird in unzumutbarer Weise verschandelt.

2. Roetgen gilt als „Tor zur Eifel“. Diesem Anspruch wird durch den Windpark ein nicht wieder gut zu machender Image-Schaden zugefügt.

3. Der Südteil des Münsterwaldes stellt die Nordzunge des Hohen Venns dar. Die Windkraftanlagen müssten also in ein Hochmoor gestellt werden. Die Gründung der Anlagen mit großen Mengen Beton ist damit sehr problematisch. Es werden mehr als 7x1 Hektar Wald irreversibel vernichtet.

4. Der Münsterwald ist ein Naherholungsgebiet der hiesigen Bürger. 5. Der Münsterwald liegt im Landschaftsschutzgebiet.

6. Der Münsterwald liegt im deutsch-belgischen Naturpark Eifel-Hohes Venn. In der Präambel dieses Naturparks ist vermerkt, wozu er dient: a) Erhaltung der natürlichen Landschaft, ihrer Werte und Eigenarten, sowie Pflege und Gestaltung dieser Landschaft. b) Die natürliche Schönheit dieser Landschaft soll bewahrt werden.

7. Durch den Windpark so nah an der Roetgener Ortsgrenze kommt es zu einer erheblichen Sicht- und Lärmbelästigung und zu einer Senkung der Grundstückspreise.

8. Die Anlagen sollen sehr nah an der Ravel-Route installiert werden, die mit über 11 Millionen Euro aus Brüssel finanziert wurde. Das wird mit Sicherheit Protest aus Brüssel auslösen.

9. Windkraftanlagen nahe an viel befahrenen Wegen und Straßen (Himmelsleiter/B 258) sind wegen der Gefährdungs-Situation nicht hinnehmbar (Bericht der Allianz-Versicherung aus dem Jahr 2011: ca. 1000 Unfälle und Störungen an WKA in Deutschland pro Jahr).

10. 2400 Bürger aus Roetgen und Rott haben gegen die Errichtung des Windparks gestimmt, in Aachen-Süd 1600, was Aachen nicht interessiert.

11. Die Bürger in Belgien (Petergensfeld und Raeren) sind nicht gefragt worden, obwohl sie sehr nah an den geplanten Anlagen wohnen.

12. Wir schließen uns den Worten des bekannten Bergsteigers Reinhold Messner an, der gesagt hat: „Alternative Energiegewinnung ist unsinnig, wenn sie genau das zerstört, was man durch sie bewahren wollte: die Natur.“

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