Lammersdorf - Gegen Frank Zappa ist Lady Gaga chancenlos

Gegen Frank Zappa ist Lady Gaga chancenlos

Von: Peter Stollenwerk
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Lammersdorf. Kneipen kommen und gehen, ebenso ihre Wirte und erst recht die Gäste. Das ist ein Teil des Kreislaufs in der Gastronomie, nicht aber bei Joe´s Garage in Lammersdorf. Das Lokal in der Bahnhofstraße feiert am Wochenende sein 30-jähriges Bestehen.

Hier, „bei Franz”, hat die Beständigkeit noch ihren festen Platz, und dies dokumentiert sich nicht nur in der schwarzweiß-karierten Decke, die das Lokal durchzieht. „Die Decke habe ich bisher dreimal gestrichen”, sagt Franz Conrad, der 55-jährige Kneipenbesitzer und meint, dass das eine Menge Arbeit sei. Aber nicht nur die Rauhfaser-Decke hat einen hohen Wiedererkennungswert. In den drei Jahrzehnten des Bestehens der Kneipe hat sich hier kaum etwas verändert. Die rustikalen Tische brauchen kein Mindest-Haltbarkeitsdatum, Barhocker und Theke haben alles ausgehalten, die Steinfliesen am Boden sind unempfindlich.

Und dann hängt da noch das legendäre Schwarzweiß-Poster von Frank Zappa. Wer sich mit der Musik der 70er und und frühen 80er Jahre auskennt, dem braucht man das Motiv, das den Exzentriker der Rockmusik darstellt, nicht näher zu beschreiben.

Unter dem Poster nimmt Franz Conrad besonders gerne Platz, denn Frank Zappa und seine Musik sind ein Stück seines Lebens und seines Lebensgefühls. Als er 1980 die Kneipe eröffnete, nannte er das Lokal „Joe´s Garage”, genau so lautete der Titel einer Platte von Frank Zappa. Dessen Musik lief „bei Franz” rauf und runter, und auch noch heute, 30 Jahre später, verbindet Franz Conrad mit dem amerikanischen Rockmusiker immer noch ein Art Seelenverwandtschaft. Da hat eine Lady Gaga keine Chance; die schafft es nicht einmal bis ins CD-Fach. Das würde auch irgendwie nicht zur Kneipe passen - auch rein äußerlich nicht.

Die Fassade des Hauses in der Bahnhofstraße aus dem Jahre 1888 wurde zu Beginn der 70er Jahre, wie damals in der Eifel üblich, mit einem braunen Backstein-Teerpappen-Imitat verkleidet. Das hat bis heute gehalten. Karrenrad und Ochsenjoch dienen als kontrastreicher Fassadenschmuck; sie können zwar dem gegenüberliegenden Bauernmuseum keine Konkurrenz machen, aber die Accessoires des Eifeler Landlebens machen das Haus, die frühere Bahnhofskneipe, unverwechselbar.

Franz Conrad stammt aus Aachen und ist gelernter Schriftsetzer. Ende 70er Jahre fiel plötzlich überall der Bleisatz weg - und damit auch die Arbeitsplätze. Über seinen Bruder vernahm der damals 25-Jährige, dass in einem Lokal in Lammersdorf ein Nachfolger gesucht wird. „Lammersdorf kannte ich nur vom Vorbeifahren, wenn wir mit dem Moped zum Rursee fuhren,” erzählt Franz Conrad, der sich aber dann entschloss, „es für drei Jahre mal zu versuchen.”

Schon nach kurzer Zeit entwickelte sich Joe´s Garage zu einem beliebten Treffpunkt für Jugendliche. Die Musik entsprach dem Zeitgeist, und die beiden Pool-Billard-Tische waren damals in der Eifel eine echte Besonderheit. „Ich war erstaunt, wie gut das Lokal angenommen wurde,” erinnert sich der Wirt, und so gingen die Jahre ins Land.

1989 kaufte er das Haus, das zuvor im Besitz der Stolberger Ketschenburg-Brauerei war. Generationen von Gästen („die liebsten Gäste sind mir diejenigen, die sich unterhalten, Billard spielen und sich einfach wohl fühlen”) gingen hier inzwischen ein und aus, und einige sind bis zum heutigen Tag treu geblieben. Heiligabend ist für Franz Conrad, auch wegen des Umsatzes, einer besten Tage überhaupt. „Dann ist immer der große Treffpunkt, und es werden die Geschichten von früher erzählt.”

Die Musik spielte in „Joe´s Garage” schon immer eine wichtige Rolle: Blues, Reggae und Heavy Metal haben hier ebenso ihren festen Platz wie Live-Konzerte. Zu Beginn der 80er Jahre rockte die Roetgener Formation „Zero, Zero” ab, aus Anlass des 30-jährigen wird am Samstag, 24. Juli, ab 21 Uhr der Eifeler Gitarren-Virtuose Toni Hudspeth in die Saiten greifen sich quer durch die Highlights der Rockmusik spielen - natürlich mit der unverwechselbaren eigenen Note.

Ihren festen Platz im Lokal hat auch Ehefrau Conny, mit der Franz Conrad seit 1983 verheiratetet ist. Die gelernte Hotel-Fachfrau ist bei Bedarf immer zur Stelle. Weniger mit dem Kneipenleben verbunden ist dagegen Tochter Verena (26), die in Bonn lebt.

Also wird Franz Conrad außer montags, wenn Ruhetag ist, das Lokal wohl bis zur Rente weiterführen, aber ein festgesetztes Rentenalter gibt es ja bekanntlich bei Wirten nicht. So blickt er auch ruhig und entspannt in die Zukunft: „Ich mache um 19 Uhr auf und schließe wenn der letzte Gast geht.”
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