Gedenkbuch: Anonyme Grabstätte erhielt ein Gesicht

Von: fm
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Kalterherberg. Am Volkstrauertag, der am kommenden Sonntag, 15. November, begangen wird, wird vor allem auch der Opfer aus den beiden Weltkriegen gedacht. Das feierliche Gedenken an die Kriegstoten geht auf eine Initiative des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge nach dem ersten Weltkrieg zurück.

Mit zunehmendem Abstand zu den beiden Weltkriegen im vergangenen Jahrhundert soll dieser Tag in der heutigen Zeit, wo immer noch Krieg und Gewalt an vielen Stellen auf der Welt herrschen, auch eine Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und Frieden sein.

Die Geschehnisse im ersten Weltkrieg liegen inzwischen ungefähr 100 Jahre zurück.

48 junge Männer fielen

In diesem Krieg (1914 - 1918) fielen 48 junge Männer aus Kalterherberg. In den wenigen Monaten des ersten Kriegsjahres starben schon sieben junge Männer. Der fünfte Kriegstote war Nikolaus Brandenburg. Er starb in Frankreich. Von seinem provisorischen Soldatengrab ist bis in die heutige Zeit hinein ein Bild erhalten geblieben.

Hubert Schmitz und Josef Schneider aus Kalterherberg haben noch im Krieg das Grab ihres gefallenen Kameraden besucht. Hubert Schmitz war in der Lämmchesgasse und Josef Schneider in der Elsenborner Straße zu Hause. Von diesem Besuch existiert auch eine Fotoaufnahme.

Ob die beiden Soldaten nun auf dem Weg zur Front oder auf der Reise in den Heimaturlaub das Grab ihres gefallenen Kameraden besuchten, konnte nicht geklärt werden.

Wo sich das provisorische Grab einst befand, ist auf der Rückseite des Fotos nicht vermerkt. Folgt man den persönlichen Angaben, die auf der Rückseite des Bildes zu Nikolaus Brandenburg gemacht werden, lässt sich gut nachvollziehen, wo er in Frankreich heute seine letzte Ruhestätte gefunden hat.

Nach dem ersten Weltkrieg haben französische Behörden die provisorischen Grabfelder in der Umgebung von Sedan aufgelöst und zu einer großen Gedenkstätte in Noyers-Pont-Maugis zusammengefasst. Nach dem zweiten Weltkrieg hat der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge die Gedenkstätte in seine Betreuung übernommen. Noyers-Pont-Maugis liegt etwa sechs Kilometer südlich von Sedan.

Viele namenlos bestattet

In der Gedenkstätte ruhen heute insgesamt 26.843 deutsche Gefallene, 14.055 aus dem ersten Weltkrieg und 12.788 aus dem zweiten Weltkrieg. Viele davon sind namenlos bestattet.

Lässt man die geringen Abweichungen zu den persönlichen Daten auf dem provisorischen Soldatenkreuz nicht gelten und folgt stattdessen den Angaben auf der Rückseite des Fotos, finden sich im Gedenkbuch von Noyers-Pont-Maugis folgende Einträge: „Nikolaus Brandenburg, geb. 21.09.1884, gest. 11.11.1914, Dienstgrad Landmann“. Diese Angaben entsprechen den Notizen auf der Rückseite des Fotos.

Nikolaus Brandenburg hat demnach im Block B, Grab 2514, seine letzte Ruhestätte gefunden. Er zählt damit nicht zu den vielen anonymen Toten. Sein Soldatengrab hat in Noyers-Pont-Maugis auf Dauer ein persönliches Gesicht bekommen.

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