Simmerath/Nordeifel - Geburtenrate an St. Brigida klettert wieder

Geburtenrate an St. Brigida klettert wieder

Von: Heiner Schepp
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Dafina Fazliji auf dem Schoß ihrer Schwester Edonisa: Das kleine Mädchen kam am 2. Januar an St. Brigida zur Welt, ihre Eltern Faruk und Eliza aus Lammersdorf lobten wie schon bei Edonisa die Qualität der Betreuung auf der Geburtshilfestation in Simmerath. Foto: Schepp/Artemed
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Sie haben gut Lachen, denn die Geburtenrate am Krankenhaus Simmerath steigt wieder (von links): Die Beleghebammen Andrea Victor, Sabine Wirtz, Kathrin Weinert, Vera Forster und Eva Krings. Es fehlt Justine Gruber. Foto: Schepp/Artemed

Simmerath/Nordeifel. Die Talsohle scheint durchschritten: Mit 256 Neugeborenen hat die Geburtshilfliche Station an der Eifelklinik St. Brigida im vergangenen Jahr den höchsten Wert seit fünf Jahren erreicht. „Unser unbedingtes Bekenntnis zur Geburtshilfe, die Verlegung, Modernisierung und Erneuerung des Kreißsaals und unser Beleghebammensystem tragen Früchte“, zeigt sich Dr. med. Dieter Sohr, Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe in der Eifelklinik, mit der Entwicklung im Simmerather Krankenhaus zufrieden.

Ob der erfreuliche Anstieg auch dem Umstand zu verdanken ist, dass die Familien im Einzugsgebiet der Eifelklinik wieder mehr Kinder bekommen, muss noch unbeantwortet bleiben, denn die Geburtenzahlen 2014 für einzelne Kommunen liegen dem Landesamt für Datenstatistik noch nicht vor.

Fakt ist aber, dass der gute Ruf der Geburtshilfe im Simmerather Krankenhaus und das Beleghebammen-System ihren Anteil zum Anstieg um 31 Geburten oder zwölf Prozent beigesteuert haben. „Die 1:1-Betreuung von der Vorsorge über die Geburt bis zur Nachsorge ist für viele Mütter und ihre Partner schon ein gewichtiges Argument, das Kind auch bei uns zur Welt zu bringen“, weiß Kathrin Weinert, die als jüngstes Mitglied des fünfköpfigen Hebammenteams an St. Brigida seit Juni schon 44 Geburten begleitete.

In Stolberg und Düren haben Krankenhäuser mit Geburtshilfe das Beleghebammen-System infolge der Versicherungssituation für Hebammen abschaffen müssen, was St. Brigida offenbar zugute kommt: „Wir haben wieder verstärkt Zulauf von Gebärenden aus dem Dürener Raum, aus Schmidt, Vossenack und anderen Orten der Gemeinde Hürtgenwald“, hat Dr. Sohr festgestellt.

Für welches Krankenhaus sich werdende Mütter bei der Entbindung entscheiden, ist für den Chefarzt starken Schwankungen und Stimmungen unterworfen. So brachten 1993 noch 577 Frauen ihr Kind im damaligen St. Brigida-Krankenhaus zur Welt, obwohl die drei Nordeifelgemeinden seinerzeit nur 412 neue Erdenbürger bilanzierten.

Statistisch waren dies 165 Mütter aus Nicht-Nordeifelgemeinden im Schleidener, Dürener und Aachener Raum, die sich damals für Simmerath entschieden. Diese Zahl der Gebärenden „von außerhalb“ sank in den Folgejahren immer weiter ab und erreichte 2010, im Jahr des Trägerwechsels im Simmerather Krankenhaus, eine neue Negativmarke: Mit nur 210 Geburten, der geringsten Zahl in der jüngeren Geschichte von St. Brigida, sank die Zahl der Entbindungen auch statistisch unter die Zahl der Neugeborenen in Monschau, Roetgen und Simmerath (225).

Dass in den 90er-Jahren die Geburtenzahlen noch um 500 bis 600 im Nordeifel-Krankenhaus lagen, hat für Dr. Sohr nicht nur mit einer veränderten Familien- und Lebensplanung zu tun: „Damals, kurz nach dem Mauerfall, hatten wir auch hier bei uns viele junge Frauen aus Ostdeutschland und Flüchtlinge aus Jugoslawien und Afrika. Und damals kamen noch deutlich mehr Gebärende aus dem Dürener und Roetgener Raum nach Simmerath“, weiß der Gynäkologe.

„Und in diesem Bereich steckt sicherlich auch noch Steigerungspotenzial für uns“, ist Hebamme Vera Forster überzeugt, die selbst in Roetgen wohnt. Nachteilig sei dabei aber, dass es in Roetgen keinen Gynäkologen gebe, Roetgener Frauen häufig Gynäkologiepraxen in Aachen besuchten und diese dann auch Aachener Häuser für die Geburt empfehlen würden.

Wenn auch die magische Zahl von 600, die für die Geburtshilfeabteilung laut Dr. Sohr „eine schwarze Null“ bedeuten würde, oder selbst 500 und 400 Entbindungen derzeit in weiter Ferne sind, so ist den Akteuren der Station eins doch die Freude und Erleichterung über den Anstieg anzumerken. „Das ist einfach toll und sichert nicht nur unsere Existenz, sondern auch die der Abteilung und damit die ortsnahe Versorgung werdender Mütter“, sagt Kathrin Weinert, Nachfolgerin von Sabine Wirtz (ehemals Stollenwerk), die im vergangenen Jahr die Geburtenstatistik persönlich um den Faktor eins anhob.

Und die steigende Zahl sei auch ein Signal an den Träger Artemed, dass man mit dem Bekenntnis zur Geburtshilfe richtig liege: „Der Wert einer Abteilung ist nicht nur am Ertrag auszumachen“, sieht der Chefarzt in einer gut funktionierenden Entbindungsstation vor allem einen Imagegewinn für das Haus.

Dass man den Träger hinter sich weiß, macht Dr. Sohr auch an Investitionen fest, die Artemed für die Geburtshilfe tätigt. So wurde 2014 ein neuer High-Tech-Ultraschall angeschafft und wird der Kreißsaal eins noch in diesem Monat zur „Gebär-Landschaft“, was besonders die Hebammen freut: „Das ist ein so genanntes Multifunktions-Kreißbett, mit dem die Mütter viele verschiedene Möglichkeiten des Gebärens haben“, erläutern Kathrin Weinert und Vera Forster, die im Dreierteam mit Andrea Victor 146 der 256 Geburten in 2014 begleiteten.

Eva Krings war mit 53 Geburten ebenfalls fleißig, Sabine Wirtz verhalf vor ihrem Mutterschutz noch 32 Kindern auf die Welt, und Justine Grube, die auch Beleghebamme am Krankenhaus in Marmagen ist, steuerte 30 Geburten zur Simmerather Statistik bei. Dabei ist für den Chefarzt nicht nur die kräftig gestiegene Gesamtzahl erfreulich: „Die Kaiserschnittrate ist um acht Prozent gesunken“, hat Dr. Dieter Sohr, der sich die Abteilungsleitung mit Dr. Andreas Cousin teilt, auch da eine Trendwende ausgemacht.

Dafina macht den Anfang

Wenn nicht alle Vorzeichen trügen, dann werden der kleinen Dafina Fazliji, die am 2. Januar um 11.50 Uhr als erstes Baby 2015 in Simmerath zur Welt kam, noch viele neue Erdenbürger folgen. „Die Nachfrage bei uns ist schon groß“, freuen sich die Hebammen. Und am Montagabend trafen sich in der Imgenbroicher Praxis von Hebamme Andrea Victor stolze 20 (werdende) Elternpaare zum Kennenlernabend.

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