Monschau - GdG Monschau: Solidarfonds statt Kirchenschließungen

GdG Monschau: Solidarfonds statt Kirchenschließungen

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
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Die Katholische Pfarrkirche St. Josef in Imgenbroich wird in Zukunft nicht mehr aus der Kasse des Bistums bezuschusst, wenn dort Instandhaltungsmaßnahmen anstehen. Foto: Schepp
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Stattdessen sollen bauliche Veränderungen und Sanierungen, auch an der Alten Pfarrkirche in Monschau, künftig ein Solidarfonds der sieben GdG-Pfarreien finanziert werden. Foto: Schepp
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Im Rahmen des KIM-Prozesses in der GdG Simmerath wurde auch die Dedenborner Kirche aus der Bezuschussungsliste gestrichen. Foto: P.St.

Monschau. Die Pfarrkirche St. Josef Imgenbroich und die Alte Pfarrkirche in Monschau werden bei notwendigen Baumaßnahmen in Zukunft nicht mehr durch das Bistum Aachen bezuschusst. Ein Solidarfonds aller sieben Kirchengemeinden in der GdG Monschau soll jedoch dafür Sorge tragen, dass diese beiden Kirchen in Zukunft nicht geschlossen werden müssen und auch dort weiterhin notwendige Baumaßnahmen gesichert sind.

Dies ist in Kürze das Ergebnis des im Dezember abgeschlossenen KIM-Prozesses in der Gemeinschaft der Gemeinden Monschau. KIM – Diese drei Buchstaben stehen für das „Kirchliche Immobilienmanagement“ und damit für das bislang größte Programm zur Kosteneinsparung in den 71 Pfarreiverbänden (GdG) im Bistum Aachen.

In einem Entscheidungsprozess wurden seit Januar 2011 von allen kirchlich genutzten Gebäuden (Sakralbauten, Jugendeinrichtungen, Gemeindezentren, Büro- und Amtsräume) diejenigen benannt, für die zukünftig bei Baumaßnahmen noch eine Bezuschussung durch das Bistum Aachen erfolgen soll. Als eine der letzten von 71 GdG wurde im Dezember dieser Prozess auch in der GdG Monschau abgeschlossen. Pastoralreferent Georg Nilles informierte dazu die Gläubigen im Januar-Pfarrbrief.

Von Mai bis Oktober 2016 habe sich demnach „die Projektgruppe KIM in fünf von ursprünglich sechs geplanten Sitzungen intensiv damit auseinandergesetzt, wie die Kirchengemeinden die Kürzung der Bistumszuschüsse bei Baumaßnahmen um 33 Prozent auffangen können“.

Die Projektgruppe KIM bestand dabei aus je einem Vertreter der Kirchenvorstände und des GdG-Rates, den Mitarbeitern der zuständigen Fachabteilungen des Bistums sowie Pastoralreferent Georg Nilles. „Insofern ist das Ergebnis der Beratungen eine Entscheidung der örtlichen Verantwortlichen, die – im Rahmen der bischöflichen Vorgaben – in Eigenverantwortung der einzelnen Kirchengemeinden gefällt wurde“, so Nilles.

Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, wurden bereits bis Sommer 2014 zunächst alle Immobilien der Kirchengemeinden in der GdG Monschau durch die Fachleute der St.-Joseph-Stiftung aus Bamberg erfasst, begangen, analysiert und bewertet. Dabei wurden auch die zu erwartenden Kosten für die Instandsetzung bzw. –haltung innerhalb der nächsten Jahre sowie die Sach- und Ertragswerte der Gebäude ermittelt. Eine Bestandsaufnahme aller Gebäude und der Aktivitäten, die dort stattfinden, wurde ebenfalls seitens der Pfarreiräte und des GdG-Rates vorgenommen.

Unter Vorlage dieser Daten begannen die gemeinsamen Überlegungen der Projektgruppe zum erforderlichen Anteil von 33 Prozent des Gesamtvolumens an umbauten und nicht wirtschaftlich genutzten Räumen, der aus der bistümlichen Förderung bei der Finanzierung von Instandhaltungsmaßnahmen gekürzt wird.

„Bereits beim ersten Treffen wurde deutlich, dass eine Schließung, Umnutzung, Verkauf oder gar Abriss der Kirchen nicht in Frage kam“, unterstreicht Georg Nilles und ergänzt: „Doch auch mit der Herausnahme aller Pfarrhäuser, Pfarrheime und Kapellen aus der Bezuschussung war die Einsparvorgabe von 33 Prozent noch lange nicht erreicht. So zeigte sich im Verlaufe der Treffen schon bald, dass dies nur dann gelingen kann, wenn besonders große Gebäude – also vor allem die Kirchen – mit auf den Prüfstand kommen.“

Nach intensiven Diskussionen und Bedenken verschiedenster Szenarien sei der Projektgruppe schmerzlich bewusst geworden, dass künftig wohl auch zwei Kirchen aus der Bezuschussung heraus genommen werden müssen. Man habe sich dann auf die Imgenbroicher Kirche St. Josef und die Alte Pfarrkirche in Monschau geeinigt, so der Pastoralreferent.

Damit diese Kirchen in Zukunft nicht geschlossen werden müssen und auch weiterhin notwendige Baumaßnahmen gesichert sind, wurde dann aber ein Solidarfonds beschlossen, in den jede der sieben Kirchengemeinden der GdG einen jährlichen Betrag entsprechend ihrer Katholikenzahl einzahlt. „Jede der Kirchengemeinden ist gut in der Lage, diesen Betrag aufzubringen.

Zusätzlich zahlt jede Kirchengemeinde zum Aufbau eines entsprechenden finanziellen Grundstocks in den nächsten drei Jahren die Sonderzuweisungen des Bistums ein, die diese aufgrund der aktuell erhöhten Kirchensteuereinnahmen in diesem Zeitraum erhalten. Damit ist der Fortbestand aller Kirchen in der GdG durch die Solidargemeinschaft aller Gemeinden gesichert“, erläutert Georg Nilles im Januar-Pfarrbrief.

Aufgrund der pastoralen Bedeutung für die gesamte GdG Monschau wurde das Pfarrheim in Imgenbroich sowie der Amtsbereich (Zentrales Pfarrbüro, Büros der pastoralen Mitarbeiter) wieder in die Bezuschussungsliste aufgenommen. Somit ist die Einsparvorgabe von 33 Prozent erreicht.

Dem Bistum vorgelegt

Die von der Projektgruppe erarbeiteten Vorlagen zum Gebäudekonzept und zur Solidarfinanzierung wurden nach der Anhörung der Pfarreiräte von den einzelnen Kirchenvorständen beschlossen. Am 13. Dezember wurde der GdG–Rat über dieses Ergebnis informiert, die Protokolle gingen dem Bischöflichen Generalvikariat zur kirchenaufsichtlichen Prüfung und Genehmigung zu.

Trotz der beschlossenen Einschränkungen dankte Georg Nilles herzlich „den Mitgliedern der KIM–Projektgruppe, den Kirchenvorständen, den Pfarreiräten und dem GdG-Rat für die gute, intensive und konstruktive Zusammenarbeit in diesem schwierigen Entscheidungsprozess“. Die gemeinsame Arbeit habe einmal mehr verdeutlicht, „dass die Menschen in der Gemeinschaft der Gemeinden Monschau gemeinsam solidarisch an konstruktiven und tragfähigen Lösungen mitarbeiten“.

Solidarfonds und Förderverein

Auch in der GdG Simmerath, wo der KIM-Prozess im Spätsommer 2016 zum Abschluss kam, war es oberstes Ziel, alle Kirchen und Kapellen zu erhalten. Da es auch dort nicht ausreichte, die Pfarrhäuser und Pfarrheime aus der Bezuschussung herauszunehmen, wurden die Kapellen Erkensruhr, Woffelsbach, Paustenbach und Huppenbroich und schließlich die beiden Pfarrkirchen Dedenborn und Rurberg aus der Bezuschussung durch das Bistum ausgeschlossen. Letzteres bewertete Pfarrer Michael Stoffels im Juli-Pfarrbrief als „besonders schmerzlich“.

Auch in der GdG Simmerath wurde daher ein Solidarfonds beschlossen: Damit die beiden Pfarrkirchen nicht geschlossen werden müssen und Baumaßnahmen auch weiterhin möglich sind, verpflichtete sich jede der elf Kirchengemeinden, einen jährlichen Betrag in diesen Fonds einzuzahlen, angepasst an die Gemeindemitgliederzahl. Zusätzlich zahlt der Kirchengemeindeverband einen Sockelbetrag auf das Solidarkonto, das die Finanzierung von notwendigen Baumaßnahmen sichern soll.

In den Pfarreien Roetgen und Rott, die zur GdG Kornelimünster gehören, kam der KIM-Prozess bereits Anfang 2014 zum Abschluss. Hier stand für Roetgen am Ende lediglich die Marienkapelle auf der Ausschlussliste, für deren Erhalt aber wenig später ein Förderverein gegründet wurde, der seither die Unterhaltungskosten trägt.

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