Furioses „Finale Grande” für alle Sinne

Von: Heiner Schepp
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In der schillernden Zirkuswelt ist kein Platz für Schwäche und persönliche Schicksale, es zählt nur Leistung, wie „Don Carlos”, der Chef des gleichnamigen Varieté-Zirkus´ (Tommy Kaulard/2. v. li.) verlangt. Foto: Heiner Schepp

Vossenack. Vieles ist außergewöhnlich beim exART-Musiktheater in Vossenack, doch diese Geste ist stets von ganz besonderer Symbolkraft: Nach gut zweieinhalb Stunden Energieleistung auf der Bühne bildeten die über 70 überwiegend jungen Darsteller ein Spalier für ihr Publikum und hatten noch genügend Energie, um ihre Gäste, aber auch sich selbst zu feiern. Und dazu hatten sie auch diesmal allen Grund.

Mit dem Musical „Finale Grande” setzte das einst als Schul-AG ins Leben gerufene Musiktheater einen weiteren Glanzpunkt in seinem mehr als 17-jährigen Schaffen. Fünf praktisch ausverkaufte Vorstellungen mit mehr als 1500 Besuchern in der FGV-Aula, stehende Ovationen und eine restlos begeisterte Kreis-Kulturbeauftragte Käthe Rolfink („Mir fehlen die Worte”), die am Samstagabend in Vertretung des erkrankten Schirmherrn, Landrat Spelthahn, nach Vossenack gekommen war, sprechen für sich.

Der Erfolg freilich kam auch diesmal nicht von ungefähr. Wochenlang wurde vor, hinter und auf der Bühne für das „Finale Grande” geplant, geprobt, genäht und gebaut, an die 100 Köpfe stecken hinter der einmal mehr professionellen Aufführung, die längst die Liga eines Schultheaters verlassen hat.

Im Mittelpunkt der Handlung steht das tragische Schicksal des berühmten Artisten Piet Pepper (Daniel Wiegand), der seit vielen Jahren im Varit-Circus „Don Carlos” die Zuschauer mit seinen Künsten begeistert. Nach einer längeren Schaffenspause, bedingt durch den Tod seiner Frau („Mon Amour”), versucht er ein Comeback, welches aber in einem Desaster endet.

Der Artist, der seine Trauer im Alkohol zu ertränken versucht hat, stürzt und verletzt sich schwer. Piet Pepper, der viele Freunde, aber auch Neider und Feinde hat, teilt die große Zirkusfamilie:Während die einen keine Zukunft mehr für den schwächelnden einstigen Star der Manege bei „Don Carlos” sehen, schwören seine Freunde auf Solidarität und Unterstützung mit ihrem langjährigen Künstlerkollegen.

Nur Leistung zählt

In dieser Situation fühlt sich der Gründer und Direktor Don Carlos (Tommy Kaulard) in seiner ganzen Autorität gefordert, ein Machtwort zu sprechen: Obwohl es ihm nach eigenem Bekunden menschlich und in Anbetracht der Verdienste von Piet für den Varit-Circus unendlich leid tut, kündigt er dem einstigen Star. Denn auch in der schillernden Bühnenwelt („Zirkus”) zählt letztlich nur „Leistung”, wie der Direktor klarstellt: „Die Welt verlangt nun mal die Attraktion. Und nur dafür gibt´s Applaus!”

Ein Großteil der Artisten aber ist entrüstet und nicht gewillt, dies einfach hinzunehmen. In ihrem Kampf für Piet setzen sie ganz auf den Clown Calli Callusch (Gunnar Leschenar), einen Freund von Piet und eine unangefochtene Autorität im Circus „Don Carlos”. Piet („Einsam”) fühlt sich allein und spürt sein Ende, Calli kann die Leiden des Kollegen allzu gut verstehen („Sinn”) und ruft Piets Freunde auf: „Lasst uns eine Brücke sein, ein Licht in der Dunkelheit!” („Du mein Freund”). Verschärft wird die Situation noch dadurch, dass Leila (Ellen Kremer), eine Artistin und Affäre von Don Carlos, in dieser Situation ihre Liebe zu diesem aufkündigt und sich auch noch vehement für die Rettung von Piet einsetzt.

Erbitterter Kampf

Als die attraktive wie gerissene Reporterin Brit Bellingen (Samira Lauscher) die Missstände öffentlich macht, wird der Kampf hinter den Kulissen immer erbitterter geführt. Die einen verweisen darauf, dass seit Piets Absturz die Vorstellungen äußerst erfolgreich laufen („Ätschibätschibu”), während Piets Befürworter im Einsatz für ihren Freund bis zum Letzten kämpfen wollen („Streik”).

In dieser Situation, wo sich nicht nur mehrere menschliche Tragödien zuspitzen („Lauf, wenn Du kannst”, „Schmerz”), sondern auch der ganze Circus in seiner Existenz gefährdet ist, fühlt sich Calli Callusch herausgefordert, das sinkende Schiff zu retten („Wende”). Er droht Don Carlos, ebenfalls den Zirkus zu verlassen und erzwingt damit wenigstens eine „Abschiedsshow” für Piet, das „Finale Grande”, in dem Piet neuen Lebensmut schöpft, auch weil er erkennt, dass er echte Freunde hat und die Musik sein Leben ist.
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