Für Pilzsammler ist jetzt Hochsaison

Von: Andreas Gabbert
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Nicht überall ist das Pilzesammeln erlaubt: Im Nationalpark Eifel dürfen die Wege gar nicht verlassen werden, sonst drohen hohe Bußgelder. Foto: stock/blickwinkel/ Hans-Günther Oed/ imagebroker/ McPHOTO

Nordeifel. Für Pilzsammler ist jetzt Hochsaison. Besonders an den Wochenenden säumen zahlreiche Autos die Waldränder, während die Besitzer sich auf der Suche nach Steinpilzen, Hallimasch und Maronenröhrling mit Körben, Tüten oder Säcken bewaffnet durch das Dickicht schlagen.

Dabei gilt es einige Regeln zu beachten, an die sich aber längst nicht jeder hält, sei es aus Unwissenheit oder weil sich mit den Pilzen gut verdienen lässt. Restaurants zahlen bis zu 40 Euro für ein Kilo Wildpilze. „Ich kenne einen, der finanziert sich davon seinen Urlaub. Wahrscheinlich ist er nicht der Einzige“, sagt der Leiter des Regionalforstamtes Rureifel-Jülicher Börde, Konrad Hecker.

Morgens im Dunkeln geht der Konkurrenzkampf schon los, weiß Hecker. Das sehen Jäger und Förster gar nicht gerne, schließlich ist momentan Brunftzeit und die Tiere sind ohnehin gestresst. „Die Tiere kostet das eine Menge Energie, und die männlichen Exemplare gehen eh schon durch die Brunft geschwächt in den Winter. Da braucht es nicht auch noch Pilzsammler, die die Tiere in den Dickungen aufschrecken. Da haben die nichts verloren“, sagt Hecker.

Die Förster wissen zwar, dass auch einige gewerbliche Sammler in den Wäldern unterwegs sind, machen können sie aber nicht viel dagegen. Ganze Gruppen reisen mit Kleinbussen aus Köln, Bergheim Euskirchen, Heinsberg oder Düsseldorf in die Eifel. Das sehen die Beamten an den Kennzeichen der Fahrzeuge. Immer wieder kommt es auch zu Konflikten. Einzelne Personen ließen sich belehren. „Wenn aber 20 Mann mit Säcken durch den Wald ziehen, gibt es immer wieder brenzlige Situationen. Ohne Hilfe der Polizei haben wir meist keine Chance“, sagt der Forstbeamte.

Aber nicht nur die gewerblichen Sammler sind ein Problem. „Es gibt Leute, die sammeln und sammeln. Sortiert wird dann erst zu Hause. Das ist schlecht für das Ökosystem des Waldes“, sagt Hecker. Lieber solle man gleich nur die Essbaren mitnehmen und diese auch nicht wahllos ausreißen, sondern vorsichtig abschneiden oder heraus drehen.

Besondere Kontrollen gibt es aber nicht. „Das haben wir gelassen. Dafür haben wir kein Personal“, sagt Hecker.

Im Nationalpark sieht die Sache noch etwas anders aus. Dort ist das Verlassen der Wege ohnehin nicht erlaubt und auch nicht das Sammeln von Pflanzen oder Pilzen. Darauf weisen die Ranger immer wieder hin, nicht nur in der Pilzsaison. „Jedes Verlassen der Wege bedeutet eine Störung für das Wild“, sagt der Leiter der Nationalparkwacht, Bernd Dickmann. Er hat den Eindruck, dass der Nationalpark bei gewerblichen Sammlern an Attraktivität verliert. „Vielleicht ist das nicht mehr lukrativ genug“, sagt er.

Vielleicht sind es aber auch die hohen Strafen, die die Sammler vom Nationalpark fernhalten. „Das Betreten der Flächen außerhalb der Wege und das Sammeln von Pflanzen in Schutzgebieten ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit Bußgeld bis 50.000 Euro bestraft werden kann. Bei gewerbsmäßigem Handeln (etwa für Restaurants, organisierte Bustouren) ist es eine Straftat, es drohen bis zu drei Jahre Haft“, weiß der Vorsitzende des NABU Aachen, Claus Mayr.

Manchmal kommt es auch vor, dass sich die auswärtigen Sammler verlaufen. „Die rennen quer durch den Wald und kommen nachher irgendwo raus, wo sie sich überhaupt nicht auskennen“, sagt Hecker. Da sind die einheimischen Sammler im Vorteil. „Die gehen zum Teil schon sehr lange hier sammeln, die haben gute Ortskenntnisse und kennen besonders gute Stellen, die sie wegen der Konkurrenz untereinander aber niemals verraten würden“, sagt Hecker. Oft würden diese Sammler auch behutsamer zur Sache gehen und die Pilze pfleglicher und schonender behandeln. „Die kennen halt was von der Sache, das heißt aber nicht, dass es da nicht auch welche gibt, die es bei den Mengen deutlich übertreiben“, sagt Hecker.

Nicht mehr viel Zeit

Wer selbst ein kleines Körbchen Pilze pflücken möchte, sollte sich vorher gut informieren, damit keine giftigen Exemplare wie der Grüne Knollenblätterpilz im Essen landen. Einrichtungen wie das Haus Ternell und die Biologischen Stationen der umliegenden Kreise Aachen, Düren und Euskirchen sowie die NABU-Naturschutzstation im Kreis HS bieten Pilzkurse an, bei denen auch auf die naturschutzrechtlichen Bestimmungen hingewiesen wird. Viel Zeit bleibt aber nicht mehr. Wenn der Frost komme, würden die Pilze matschig, sagt Dickmann. Wenn es lange warm bleibe, könne man manchmal aber auch noch im November Glück haben, weiß Hecker.

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