Für ein Jahr zum „Baum der Hoffnung”

Von: Helga Giesen
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Arne Billmeier (19) aus Roetgen wird in der nächsten Woche seinen einjährigen „Anderen Dienst im Ausland” antreten - in Ecuador, rund 10.000 Kilometer von zu Hause entfernt. Foto: Helga Giesen

Roetgen. Der 19-jährige Arne Billmeier aus Roetgen sitzt auf gepackten Koffern. Der frisch gebackene Abiturient wird in der nächsten Woche seinen einjährigen „Anderen Dienst im Ausland” antreten - in Ecuador, rund 10.000 Kilometer von zu Hause entfernt.

Der „Andere Dienst im Ausland” bietet jungen Menschen die Möglichkeit, anstelle des üblichen Zivildienstes im Inland für mindestens elf Monate in einem sozialen Projekt im Ausland zu arbeiten.

Vermittelt werden diese Stellen unter anderem vom Sozialen Dienst für Frieden und Versöhnung im Ausland/Bistum Aachen. Im Roetgener Pfarrheim berichtete Arne Billmeier jetzt über das Straßenkinderprojekt, das er für seinen Freiwilligendienst ausgesucht hat.

Zweitärmstes Land Südamerikas

Ecuador ist nach Brasilien das zweitärmste Land Südamerikas. Allein in der Hauptstadt Quito leben rund 5000 Kinder und Jugendliche auf der Straße. Sie haben versucht, der Hoffnungslosigkeit und häufig auch Gewalt in ihren Familien zu entfliehen und schlagen sich nun als Bettler und Schuhputzer durch. „Ratten” werden sie verächtlich von den Wohlhabenderen genannt.

Das Kinderheim „Arbol de la Esperanza” (Baum der Hoffnung) bietet 30 dieser Straßenjungen eine Zukunftsperspektive. Jede der drei Wohngruppen wird von einem ecuadorianischen Erzieher geleitet, der von einem „Freiwilligen” unterstützt wird. Zudem werden die oft durch Missbrauch und Misshandlung traumatisierten Jungen, die in ihrem Leben auf der Straße auch mit Kriminalität und Drogen Bekanntschaft gemacht haben, psychologisch betreut.

Durch intensive Elternarbeit wird versucht, die Kinder und Jugendlichen wieder in ihre Familien zu integrieren, und nur noch ambulant, zum Beispiel durch Hausaufgabenbetreuung, zu unterstützen. Wenn dies nicht gelingt, bleiben sie im Wohnheim, bis sie nach Schul- und Berufsausbildung auf eigenen Füßen stehen können.

Träger des Heims, das sich ganz aus Spenden finanziert, ist der Verein „Arbol de la Esperanza” mit Sitz in Kerpen. Er ist Mitglied im Trägerkreis „Sozialer Dienst für Frieden und Versöhnung” im Bistum Aachen.

Das Projekt in Quito besteht seit 1991, mit Spendengeldern konnte der Verein 1993 und 2005 die beiden Häuser für insgesamt drei Wohngruppen errichten. Jedes Jahr entsendet er drei Freiwillige im Rahmen des „Anderen Dienstes”.

Da diese, anders als die Zivildienstleistenden im Inland, keine staatliche Unterstützung erhalten, ist auch dies nur durch Spendengelder zu finanzieren.

Jeder, der diesen Friedensdienst leisten möchte, muss sich daher auch selbst Sponsoren suchen, die helfen, die Kosten für Flug, Unterkunft, Versicherungen und Taschengeld für ihn zu decken, da diese nur zu einem kleinen Teil vom Trägerverein übernommen werden können.

Bereits der Dritte aus der Pfarre

Ansonsten muss der Differenzbetrag von den Freiwilligen selbst übernommen werden. Ein etwaiger Spendenüberschuss kommt dem Projekt unmittelbar zugute.

Pfarrer Hans-Georg Schornstein sind das Heim und sein gleichnamiger deutscher Trägerverein schon seit längerem bekannt, denn mit Arne Billmeier geht nun bereits der dritte junge Mann aus einer seiner Pfarren nach Ecuador. „Die Kinder erfahren Nähe und Zuneigung. Ihr Selbstwertgefühl wird gestärkt und sie werden für ihr Leben qualifiziert”, ist er von der sinnvollen Arbeit überzeugt, die dort geleistet wird.

Er habe sich gezielt nur für dieses eine Projekt beworben, berichtete der Abiturient, der während seiner Schulzeit bei der Roetgener Grenzlandjugend und in verschiedenen Gremien am Einhard-Gymnasium aktiv war. Hier war er unter anderem Schulsprecher. Sein Einsatz in Ecuador wird auch von der Familie engagiert unterstützt.

Im „Arbol de la Esperanza” wird es neben der Mithilfe bei alltäglichen Arbeiten vor allem seine Aufgabe sein, für die Kinder und Jugendlichen als zusätzliche Vertrauensperson und weiterer Ansprechpartner neben dem Erzieher zur Verfügung zu stehen. Grundkenntnisse der spanischen Sprache hat er bereits erworben, neben mehreren Seminaren, die ihn auf seinen Einsatz vorbereitet haben, steht nach der Ankunft in Quito noch ein zweiwöchiger Intensiv-Sprachkurs auf dem Programm. Allen Unterstützern verspricht Arne Billmeier regelmäßige Informationen aus Quito per E-Mail.

Einige bewegende Beispiele, in denen seine Vorgänger ihre Erfahrungen geschildert haben, las er auf der Info-Veranstaltung vor und zeigte auch zahlreiche Bilder über das Land und speziell über den Alltag der Kinder und Jugendlichen im Heim.

Weitere Informationen

Informationen findet man im Internet unter www.friedensdienste-aachen.de und www.arbol-de-la-esperanza.de. Per E-Mail gibt auch Arne Billmeier weitere Auskünfte: arne.billmeier@gmx.de. Ein Flyer mit Infos liegt unter anderem in der Pfarrbücherei, im Alternativladen und in der Sparkasse aus.

Wer den Friedensdienst mit einer einmaligen oder regelmäßigen Spende unterstützen möchte, kann dies tun auf das Konto von Hogar Arbol de la Esperanza e. V., Betreff: Spende anlässlich des Freiwilligendienstes von Arne Billmeier, Konto 26416404, BLZ 32050000, Sparkasse Krefeld.
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