Für das Ordnungsamt war Heiligabend schon am 24. Juli

Von: hes
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„Tatort” Kirschberg in Woffelsbach: Eine komplette Parkreihe mussten die Außendienstkräfte des Ordnungsamtes Simmerath verwarnen, da für die Rettungsfahrzeuge und den abfließenden Verkehr nicht einmal zwei Meter Fahrbahn blieben. Das Schema ist immer das gleiche: Einer fängt die Parkreihe an und alle Folgenden denken: Dann kann ich mich ja auch hier hinstellen... Foto: Heiner Schepp

Simmerath. Nach etlichen Jahren Erfahrung mit dem Rurseefest kann Bruno Wilden und seine Leute eigentlich so schnell nichts mehr erschüttern.

Doch ganz getreu dem - nicht ganz ernst zu nehmenden - Motto des Simmerather Ordnungsamtes (Amtsleiter Bruno Wilden auf die Frage, ob nach dem Rurseefest Ruhe einkehrt: „Beim Ordnungsamt ist täglich Heiligabend - immer wieder eine neue Bescherung!”) hielt auch das diesjährige Spektakel am See Überraschendes für die Einsatzkräfte bereit: In der Nacht zum Sonntag hebelten Unbekannte auf der Straße „In den Birken” in Rurberg gleich neun Gullydeckel nicht nur aus dem Boden, sondern versteckten die schweren Betondeckel auch noch sorgfältig.

Wie durch ein Wunder fiel auf dem nächtlichen Nachhauseweg im Dunkeln kein Fußgänger in die offenen Regeneinläufe, und auch von Fahrzeugschäden ist bislang nichts bekannt. „Bis auf einen haben wir alle Deckel am nächsten Morgen gefunden”, berichtete Ordungsamtsleiter Wilden vom „Tag danach”.

Den weitaus strammeren Dienst müssen seine Leute jedoch an den Tagen vor dem Rurseefest und vor allem am Samstag verrichten. 13 Stunden lang - von Samstag Mittag bis 1.30 Uhr in der Nacht zum Sonntag - waren die fünf Außendienstkräfte am Haupttag des Rurseefestes im Einsatz und konnten sich über Mangel an Arbeit nicht beklagen: 73 kostenpflichtige Verwarnungen zwischen fünf und 35 Euro wurden den Kraftfahrzeughaltern unter den Scheibenwischer geklemmt - „und dabei drücken wir beim Rurseefest oft noch ein Auge oder beide zu”, erzählt Bruno Wilden. So ist normalerweise bei Seitenparkern schon unter drei Meter Restbreite der Fahrbahn eine Verwarnung fällig - beim Rurseefest gabs erst unter zwei Metern Restbreite ein „Knöllchen”, das je nach Schwere und Dauer des Verstoßes zwischen 5 und 35 Euro kostet.

Seit Jahr und Tag steht Ralf Arnolds mit seinem Abschleppteam zur Unterstützung der Ordnungskräfte am Antoniushof bereit und ist - auch im Sinne der Gäste - froh, wenn er seinen traditionellen Grillabend nicht unterbrechen muss. Diesmal musste er die Würstchen vier Mal beiseite legen, „das waren Fälle, wo Autos an extrem engen Stellen die Fahrbahn und somit die Durchfahrt für den Rettungsdienst total zugestellt hatten”, so Bruno Wilden.

Spannend wird es für die Außendienstler immer dann, wenn sie Parksünder persönlich antreffen. Da kommen dann die abenteurlichsten Entschuldigungen von der fußkranken Oma bis zur „Nummer eins” unter den Ausreden: „Es war kein Parkplatz mehr frei”. Letzteres entlockt Bruno Wilden nur ein müdes Lächeln: In Rurberg stehen auf den großen Wiesen am Ortseingang alleine 1500 private Parkplätze zur Verfügung, die Gemeinde weist über 1000 Stellplätze aus, und auf privaten Flächen sowie am Straßenrand finden zusätzlich mehrere tausend Fahrzeuge Platz”, sieht der Amtsleiter genügend Platz für die Blechlawine in Rurberg und Woffelsbach mit geschätzten 10.000 Fahrzeugen. „Natürlich kostet das drei Euro, und da riskieren manche offenbar einen wesentlich teureren Platz oder wollen nicht so weit laufen”, hat Wilden beobachtet.

So richtig extrem wird die Parksituation dann am späten Samstagabend, wenn es dunkel wird. „Nach 22 Uhr kommt noch einmal ein großer Schwung extra für das Feuerwerk”, weiß man beim Ordnungsamt. Und weil sich viele Autofahrer dann keine Hoffnung mehr auf einen Parkplatz im Ort machen, wird an der L166 von Kesternich nach Rurberg schon ab der Jugendherberge gleich auf dem kombinierten Rad-/Gehweg am Straßenrand geparkt. „Das ist streng genommen auch ein Verstoß. Aber wir unternehmen da nichts, so lange die Fußgänger auf dem Gehweg später noch zu ihrem Wagen gehen können”, verrät der Leiter des Ordnungsamtes.

Die gesamte Logistik des Verkehrslenkungsplans bedarf an den Tagen vor dem Fest umfangreicher Vorbereitungsarbeiten, hauptsächlich durch den Bauhof, der Hunderte von Schildern aufhängt und kilometerlang Flatterband spannt. „Und sonntags beziehungsweise montags muss der ganze Kram ja auch wieder weggeräumt werden”, erklärt Wilden. Urlaub kennen er und seine Leute rund um das Rurseefest-Wochenende nicht. „Da sind wir alle im Einsatz”, weiß Bruno Wilden jetzt schon, dass er und die Kollegen am 23. Juli 2011 jedenfalls keinen Urlaub haben werden.
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