Frühlingshafte Temperaturen und Wetterrekorde: Fällt der Winter aus?

Von: Andreas Gabbert
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Frühling im Dezember: Auf den Christrosen tummeln sich schon die Bienen. Foto: G. Krings
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Für den Bau eines richtigen Schneemanns hat es in diesem Winter noch nicht gereicht. Foto: A. Holz

Nordeifel. Vom Winter fehlt bislang noch jede Spur. Im Gegenteil – die Temperaturen waren zuletzt eher frühlingshaft. Jogger sind in kurzen Hosen auf Tour und in den Vorgärten zeigen die Pflanzen ihre ersten Blüten.

Wie außergewöhnlich der Dezember verlaufen ist, zeigt unser Wetterexperte Andy Holz von www.huertgenwaldwetter.de. Nachtfrost gab es in diesem Monat an seiner Wetterstation in Vossenack bislang nicht. An keinen Tag sank das Thermometer unter null Grad. Blickt man auf die vergangenen 18 Jahre zurück, dann stieg die Temperatur im Dezember in sechs Jahren an keinem Tag über zehn Grad.

Spitzenreiter ist laut Andy Holz das Jahr 2000. Damals gab es neun Tage mit einer Temperatur über zehn Grad. Auf dem zweiten Platz landet das Jahr 2006 mit sieben Tagen über zehn Grad. In diesem Monat waren es schon 16 Tage. „Normal sind drei Tage mit über 10 Grad in der Eifel (Höhenlage). Die richtig milden Dezember waren bisher der Dezember 2000 (4,0 Grad), der Dezember 2006 (4,0 Grad) und der Dezember 2013 (4,1 Grad). Der Dezember 2015 liegt nach 28 Tagen bei 8,0 Grad und wird am Ende dann bei rund 7,5 Grad liegen“, sagt Holz. Außerdem hat unser Wetterexperte am 17. Dezember mit 14,5 Grad einen neuen Rekordwert für diesen Monat an seiner Wetterstation gemessen.

Dieses ungewöhnliche Wetter hat Auswirkungen. „Bei acht bis zehn Grad wächst der Rasen weiter. In vielen Gärten ist er jetzt schon wieder relativ hoch. Die Natur spielt ein bisschen verrückt und die Pflanzen treiben alle etwas vor“, sagt Gartenbaumeister Stefan Pauls aus Konzen. Aus seiner Sicht wäre eine länger anhaltende Frostperiode durchaus wünschenswert. „Sonst gibt es im nächsten Jahr zu viele Mäuse und andere Schädlinge“, sagt Pauls. Für die Pflanzen, die jetzt schon ausgetrieben haben, sei das dann zwar erstmal „ein Schlag vor den Bug“, bedenkliche Folgen habe das aber nicht.

Die Pflanze müsse Energie einsetzen, um den gefrorenen Trieb wieder abzustoßen und treibe dann im Frühjahr später aus. Mit einem fachgerechten Schnitt könne die Pflanze aber dabei unterstützt werden, erklärt Pauls. Alternativ könne man auch versuchen, die Triebe mit einem Flies vor dem Frost zu schützen. Solange die Pflanze noch nicht ausgetrieben habe, schütze die Knospe den Trieb und der Frost könne der Pflanze ohnehin nichts anhaben, sagt der Gärtner.

Die milde Witterung kommt den Tieren in Wald und Flur gelegen. „Das Wild findet jetzt noch Etliches auf den Wiesen“, sagt Hermann Carl vom Lernort Natur der Kreisjägerschaft. Im Winter seien die Rehe auf Knospen angewiesen, mit dem zurzeit vorhandenen Angebot dürften sie locker über den Winter kommen, vermutet Carl. Auch für Mäusefresser wie den Fuchs sei die Nahrungsbeschaffung auf den grünen Wiesen wesentlicher einfacher als im tiefen Schnee.

Das große Nahrungsangebot könne insgesamt zu einer höheren Wildpopulation führen, sagt Carl. Als Folge davon müsse im kommenden Jahr zum Beispiel mit mehr Schäden durch Wildschweine in den Feldern und den Gärten gerechnet werden. „Erstmal müssen wir aber den Winter abwarten. Januar, Februar und März liegen ja noch vor uns. Was jetzt zu wenig ist, kann nachher zu viel sein“, sagt der Naturexperte.

Auch für Bruno Alzer, den Betriebsdienstleiter der Straßenmeisterei Simmerath, ist der Winter noch nicht abgehakt. 1200 Tonnen Streusalz liegen zurzeit im Salzlager im Rollesbroicher Gewerbegebiet noch bereit. In einem durchschnittlichen Winter werden 3000 bis 4000 Tonnen benötigt. Verbraucht wurden bislang 300 Tonnen“, sagt Alzer. Bei den Mitarbeitern der Straßenmeisterei fallen durch den bislang milden Winter weniger Überstunden an und es bleibt Zeit für andere Arbeiten und Unterhaltungsmaßnahmen. Der Januar habe sich aber schon oft als der stärkste und längste Wintermonat erwiesen, warnt Alzer. „Wenn wir den Dezember und den Januar gepackt haben, dann hilft das schon. Wenn wir Mitte Januar haben, sind wir über den Berg“, sagt er.

Den Landwirten bereitet der milde Winter keine größeren Sorgen. „Die Bauern sehen es gelassen, es gibt keine praktischen Auswirkungen“, sagt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW.

Die milden Temperaturen sorgen aber keineswegs für leere Wartezimmer bei den Ärzten. „Der Winter ist Erkältungszeit. Einen Unterschied zu anderen Jahren kann ich nicht feststellen. Es kommen nicht weniger Patienten in die Sprechstunde, sondern eher mehr“, sagt Dr. Bernhard Jung, der seine Praxis in Simmerath hat. Eine Erklärung dafür könne sein, dass die Menschen vielleicht unvorsichtiger seien und sich nicht warm genug anziehen würden, vermutet Jung.

„Weiterhin sieht es bis nach dem Jahreswechsel frostfrei aus in der Region. In Sachen Winter scheint sich bei uns selbst Anfang des Jahres eher nichts zu tun, auch wenn die Würfel noch nicht komplett gefallen sind“, sagt Wetterexperte Andy Holz. Eine genaue Prognose könne aber nicht abgegeben werden, da die verschiedenen Wettermodelle zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen würden und weil es außerdem es zu viele Unsicherheiten in den Berechnungen gebe. „Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass es in den nächsten Tagen in der Eifel doch mal ein wenig schneien könnte.“

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