Fröhlich und flapsig: Sarah Kuttner in Monschau

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Gründlich vorbereitet: Sarah Kuttner hat für ihre Lesung in Monschau sogar den Abfallkalender der Stadt studiert.

Monschau. Was Sarah Kuttner auf der Bühne veranstaltet, passt so gar nicht in das gängige Bild einer Lesung. Natürlich hat sie ihr Buch dabei, aber der Roman spielt nur die Nebenrolle in einer kurzweiligen One-Woman-Show. „Es tut mir leid, aber ich kenne das Buch so gut, das mir das Drumherum immer viel mehr Spaß macht”, sagt sie und grinst frech in die Runde.

Die 31-jährige Berlinerin hat sich gut auf ihren Besuch in Monschau vorbereitet und „zwei Stunden auf monschau.de verbracht”.

Wer an diesem Abend in der Aula nicht weiß, wann der gelbe Sack geht, kann Sarah Kuttner fragen. Den Abfallkalender hat sie griffbereit. „Kommt überhaupt jemand aus Monschau, oder sind sie alle Zugereiste aus Simmerath, Bickerath oder Witzerath?”

So kennt man die TV-Moderatorin Sarah Kuttner - fröhlich, flapsig, schlagfertig. Sogar aus Bitburg sind Fans zur Lesung im Rahmen des Eifel-Literatur-Festivals gekommen. Das Publikum braucht ein paar Minuten, um sich von der klassischen „Lesung” zu verabschieden, und sich auf die Sarah Kuttner Show einzustellen. Ab dann wird laut gelacht.

„Ich hab auf der Internetseite auch was über einen Antrag auf energetische Wärmedämmung gelesen”, plappert Kuttner munter weiter. Und dann mit skeptischem Blick: „Hat das eigentlich geklappt? Weil Brrrrr. Es ist echt kalt hier.”

Dann will Sarah Kuttner aber doch lesen: „Schließlich haben Sie Geld dafür bezahlt. Ziemlich viel Geld sogar. Dafür hätten Sie es eigentlich verdient, dass ich das ganze Buch lese.”

„Kein Jammerbuch”

Es ist Kuttners letzte Lesung. „Mängelexemplar” ist ein Roman über eine junge Frau in einer schnelllebigen Zeit, deren Leben plötzlich zerrüttet wird. Dem Absturz im Job und in der Beziehung folgt der Absturz im Kopf. Die Angst ist da. Panikattacken und depressive Verstimmungen bestimmen das Leben. Trotz des schwierigen Themas ist Kuttners erster Roman kein „Jammerbuch”. Tragischen und traurigen Szenen folgen amüsante Geschichten. Mit dieser Mischung hat Sarah Kuttner es geschafft, das Tabuthema Depression in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Mit „Mängelexemplar” will die Autorin zeigen, dass psychisch Kranke nicht verrückt sind und der Weg zum Therapeuten keine Schande ist.

Kuttner unterbricht sich immer wieder selbst, plaudert ein wenig, reißt - da, wo es das Buch zulässt - ein paar Gags. Gute zumeist. „Entschuldigung, reine Selbstunterhaltung”, weiter geht´s.

Nach anderthalb Stunden ist die Lesung vorbei, die Show noch lange nicht. Das Publikum darf Fragen stellen. Einige trauen sich. Sarah Kuttner plaudert über ihre Zukunftswünsche und darüber, dass sie mit dem Handy heimlich die Bestsellerlisten in Buchläden fotografiert hat, als ihr eigenes Buch ganz oben stand. Und natürlich wird sie - wie immer - gefragt, wie viel Sarah Kuttner in der Protagonistin Karo steckt. „Das ist nicht meine Geschichte, es ist nicht autobiografisch”, erklärt sie.

Klar habe Karo ein paar Gemeinsamkeiten mit ihr, vor allem, was Lebensansichten betreffe, zum Beispiel die Erwartungen an Freunde. „Aber das liegt einfach daran, dass ich nicht kreativ genug war, um mich in einen 40-jährigen Metzger hineinzuversetzen.” Was die Depressionen betrifft, hat Sarah Kuttner bei Fachleuten recherchiert und auch die Geschichten von Freunden und Bekannten einfließen lassen.

Sie überzeugt. Am Verkaufsstand ist das „Mängelexemplar” schnell ausverkauft. Beim Signieren plaudert Kuttner fröhlich weiter. An diesem Abend hat sie einige neue Fans gewonnen.
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