Frischer Wind kommt ins Schilsbachtal: Projekt für Jugendliche

Von: P.St.
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Das idyllische Erscheinungsbild des Jugendferienheims im Schilsbachtal bei Woffelsbach täuscht. In den Gebäuden herrscht ein großer Sanierungsstau. Der neue Eigentümer möchte das Gesicht der Anlage dennoch weitgehend erhalten. Foto: P. Stollenwerk
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Schlüsselübergabe an die neuen Eigentümer im Schilsbachtal: Eifelvereinsvorsitzende Mathilde Weinandy und Hauptgeschäftsführer Manfred Rippinger (r.) übergeben gemeinsam mit Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns (2. v. r.) das Haus an die Familie Kaulard. Foto: P. Stollenwerk
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Im Schilsbachtal hat Jöb Kersting als Verwalter des Jugendferienheims sein Leben verbracht. Foto: P. Stollenwerk

Woffelsbach. Wer in der Eifel Abgeschiedenheit, Romantik und intakte Natur sucht, der findet im Schilsbachtal bei Woffelsbach diesen Platz, der die idealisierte Vorstellung von Idylle erfüllt. Hier liegt die Jugenderholungsstätte des Eifelvereins, aber trotz der attraktiven Lage direkt am Ufer des Rursees, umgeben von Mischwald, finden kaum noch Jugendliche den Weg in das hübsche Tal.

Die Anlage mit ihrer rustikalen Form der Unterbringung ist in die Jahre gekommen und zuletzt sogar behördlicherseits teilweise gesperrt worden. Jetzt soll das Schilsbachtal aus seinem Dörnröschenschlaf erweckt werden. Der Eifelverein hat die Liegenschaft, die aus einem Wohnhaus, zwei Schlafhäusern, mehreren Blockhütten und einem Gemeinschaftsraum besteht, verkauft und gleichzeitig erreicht, dass die Philosophie des Jugendferienheims auch 55 Jahre nach seiner Errichtung aufrecht erhalten bleibt.

Käufer des Objektes ist der Simmerather Geschäftsmann Matthias Kaulard, der gemeinsam mit seinen Söhnen Urs und Beat ein inklusives Projekt für Jugendliche ins Leben rufen möchte. Hörbehinderte und hörgeschädigte Jugendliche sollen hier gemeinsam mit Jugendlichen ohne Handicap Ferienfreizeiten verbringen können. Hier ist vor allem an eine Kooperation mit der Gehörlosen-Schule Aachen gedacht. Diese jugendtouristische Arbeit mit sozialem Schwerpunkt soll auch Synergie-Effekte mit anderen Jugendorganisationen, auch solchen, die bereits am Rursee ansässig sind, nicht ausschließen. Für den Investor Matthias Kaulard ist neben der Projektidee ebenso wichtig, „dass das Gesicht des Schilsbachtales nicht verloren geht“, zumal er sich in hohem Maß in der Region verwurzelt sehe. Die Prüfung der Bausubstanz werde zeigen, inwieweit die vorhandene Gebäudestruktur erhalten werden könne.

Auch die beiden Söhne wollen den Projektgedanken auf der ganzen Linie mittragen: „Umso länger wir uns mit dem Thema beschäftigt haben, um so deutlicher wurde, dass die neue Konzeption ein interessante Option ist“, sagt Beat Kaulard, und auch sein Bruder Urs ist begeistert: „Ich freue mich darauf, dass demnächst Leute in diesem Umfeld Ferien genießen können.“

Einen Zeitplan für die Umsetzung des Projektes hat die Familie Kaulard noch nicht: Wegen der exponierten Lage des Jugendferienheims müssen eine Vielzahl von Fragen abgeklärt werden: Vom Brandschutz, über die nicht ausreichende Stromversorgung bis hin zur fehlenden Warmwasserversorgung reicht die Sanierungsliste.

Im Simmerather Rathaus wurde jetzt das neue Projekt Schilsbachtal vorgestellt, denn stark eingebunden in den Eigentümerwechsel war auch Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns, besonders in seiner Funktion als Mitglied im Hauptvorstand des Eifelvereins. Er bezeichnete das Jugendferienheim als Objekt von „großer Bedeutung“, denn hier sei über Jahrzehnte durch den Eifelverein hervorragende Jugendarbeit geleistet worden.

Dies bestätigte auch die Hauptvorsitzende des Eifelvereins, Mathilde Weinandy, die auch Stadtbürgermeisterin der Verbandsgemeinde Prüm ist. Es sei keine leichte Entscheidung gewesen, das Haus in andere Hände zu geben, nicht nur weil es in die Jahre gekommen sei, sondern weil damit auch menschliche Aspekte verbunden seien. Das Jugendferienheim habe aber nicht mehr den Anforderungen der heutigen Zeit entsprochen. Allein schon aus finanzieller Sicht habe der Eifelverein das Haus nicht weiterführen können. „Daher mussten wir handeln.“ Sie sei aber sicher, dass das Haus „in gute Hände kommt und seine Bestimmung erhalten bleibt“.

Aus einem Anfang des Jahres vom Eifelverein in Auftrag gegebenen Gutachten ging hervor, dass die Kosten für die Beseitigung von Brandschutz- und Hygienemängeln sowie für Instandsetzungen und Modernisierungen zur Wiederaufnahme des Betriebs bei einem Mindeststandard auf mindestens 230.000 Euro beziffert wurden. Neue Strom- und Wasserleitungen kämen noch hinzu.

Mit eingebunden in den Transfer wurde auch Jöb Kersting, der als Hausverwalter über 50 Jahre lang die Einrichtung leitete, sich mit dem Anwesen identifizierte und dort auch lebte. „Viel Herzblut“ habe Jöb Kersting, inzwischen 78 Jahre alt, in das Anwesen investiert, betonte auch Manfred Rippinger, Hauptgeschäftsführer des Eifelvereins. Er erinnerte daran, dass in den 1960er und 1970er Jahren bis zu 5000 Jugendliche pro Jahr das Schilsbachtal aufsuchten und dort allerhand Abenteuer in der Natur erlebten. „Das Jugendferienheim war als Naturparadies immer ein Aushängeschild für uns, aber der Zeitgeist hat sich gewandelt“, sagte Rippinger. Die Buchungen seien immer mehr zurückgegangen, und zuletzt seien nur noch rund 500 Jugendliche, hauptsächlich aus Schulen und Kindergärten, zu Kurzaufenthalten gekommen.

Auch für Karl-Heinz Hermanns war eine „verträgliche Übergangslösung“ wichtig und ebenso, dass mit dem neuen Eigentümer die Philosophie des Schilsbachtales weitergeführt werde.

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