Fremdwasser: Was kommt auf die Bürger zu?

Von: P. St.
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An der Kläranlage Roetgen kommt zuviel Fremdwasser an. Dieses Problem in den Griff zu bekommen, ist das langfristige Ziel des Abwasserbeseitigungskonzeptes der Gemeinde Roetgen. Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. Eine Aufgabe, die Generationen beschäftigen wird, will die Gemeinde Roetgen anpacken. Der Gemeinderat beschloss jetzt mehrheitlich den Einstieg in die Umsetzung eines Abwasserbeseitigungskonzeptes (ABK). In diesem Konzept geht es nicht allein um Abwasserfragen und deren Lösung sondern auch um das Thema Fremdwasser, das im öffentlichen Kanalnetz ein Problem von enormer Tragweite ist. Auch die Privatgrundstücke sind Teil der Maßnahme.

Die Gemeinde hatte bereits für die Jahre 2014 bis 2019 ein ABK erstellt, was aber in dieser Form von der Bezirksregierung nicht genehmigt worden war, da ein Fremdwassersanierungskonzept darin fehlte. Das wurde jetzt von einem Fachbüro aus Aachen nachgeholt und als Prioritätenliste dem Rat vorgelegt. Der Rat aber konnte sich nicht mit der Verabschiedung dieser Liste anfreunden sondern zog es vor, in einem problematischen Bereich des Gemeindegebietes klein anzufangen, um so den Einstieg in die Fremdwassersanierung zu finden.

2400 Prozent Anteil

Ohne genehmigtes ABK drohe die finanzielle Förderung des Landes zu versiegen und auch die gesicherte Erschließung von Baugebieten gerate in Gefahr, machte Michael Vorpeil vom Ingenieurbüro Geha deutlich.

Die Messungen des Fremdwasseranteils im Kanalnetz brachten zum Teil erstaunliche Mengen ans Licht: Zwischen 160 und 650 Prozent beträgt der Fremdwasserzuschlag; in einem Gebiet kam man gar auf 2400 Prozent - also die 24-fache Menge an Fremdwasser gegenüber der angenommenen Kanalfracht. Massenweise Fremdwasser überlaste die Kläranlagen und erzwinge den Bau von Entlastungsbauwerken. Diese Investitionen wiederum wirkten sich auf die Höhe der Abwassergebühren aus.

Vorpeil regte an, zum Zeitpunkt der konkreten Umsetzung von Maßnahmen die Bürger einzubinden, um so auch zu kostengünstigen Lösungen zu kommen. Der Planer sprach von einem hohen Aufwand, der sich über Generationen hinziehen werde. Am Ende, so seine Vermutung, laufe die Fremdwassersanierung wohl auf eine komplette Trenn-Kanalisation des Gemeindegebietes hinaus.

Das sah auch Michael Seidel (CDU) nicht anders. „Die Sanierung kommt in weiten Teilen einer Neu-Kanalisation gleich“. Die damit verbundenen Investitionen müssten in den Haushalten so dargestellt werden, dass es nicht zu extremen Gebührensprünge komme.

Bernhard Müller (Grüne) erinnerte daran, dass beim ABK auch der Aspekt berücksichtigt werden müsse, dass gerade in den Sommermonaten immer größere Regenmengen anfallen würden.

Die zum Teil gewaltigen Fremdwassermengen hingen in einem Fall auch mit Zuläufen aus dem belgischen Petergensfeld zusammen, klärte Bernd Vogel (PRB) auf. Ein dauerhaftes Problem stelle die Ausweisung neuer Wohngebiete ohne gleichzeitige Regulierung der Oberflächenentwässerung dar.

Günter Severain (parteilos) vermisste im ABK einen „Lösungsansatz“, wie man künftig mit Drainagen umgehen wolle, die längst nicht alle rechtens an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen sein. Wenn man diese Drainagen nun alle entferne, „dann säuft in Roetgen jedes zweite Haus ab“, so seine Befürchtung.

Klaus Onasch (SPD) wehrte gegen eine „eindimensionale Betrachtung“. Wenn man tatsächlich hingehe und die Drainagen stilllege, dann verstärkte sich die ohnehin bereits vorhandene Hochwasserproblematik in der Vicht. Ansonsten sei es nicht verwerflich, wenn Bürger, die ihre Drainagen illegal angeschlossen hätten, herangezogen würden.

Einzelfälle berücksichtigen

Rainer Nießen (UWG) riet, sich zunächst um die Oberflächenwasserproblematik zu kümmern. Dann hätte man schon viel erreicht. Das Fremdwassersanierungskonzept erscheine ihm wie eine „Dichtheitsprüfung für private Hausanschlüsse durch die Hintertür“.

Seitens des Büros wurde nicht ausgeschlossen, dass aus gegebenem Anlass durchaus in bestimmten Fällen eine Dichtheitsprüfung erfolgen könne. Die Vorfluter seien letztlich immer betroffen, ob nun direkt bei Starkregen oder erst beim Abschlagen der Kläranlagen.

Für Wolfgang Schruff (PRB) stellte sich die grundsätzlich die Frage , was letztlich auf den Bürger zukomme. Das müsse im Vorfeld geklärt werden.

Bürgermeister Jorma Klauss sah jetzt noch nicht den Zeitpunkt gekommen, um auf die vielen Fragen eine Antwort zu geben. Mit Sicherheit aber würden alle Einzelfälle berücksichtigt. „Es geht jetzt erst einmal darum, mit der Fremdwassersanierung zu beginnen.“

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