Frauenchor bekommt stehende Ovationen in der Pfarrkirche

Von: mag
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„Ihr seid für mich ‚Somebody to love‘“, bedankte sich Michael Rieck (vorne, Mitte) gerührt bei „seinen Frauen“ sowie bei seinem Bruder und Gründer des Chors, Wolfgang Rieck (vorne, 2. von links). Foto: Ludwig Jung

Lammersdorf. „Just sing it! Just be proud and sing it out! Sing out loud what you’re about!“ – Liedzeilen, die den mitreißenden Auftakt zum Konzert des Frauenchors Cantastic bildeten und sinngemäß bedeuten: „Sing es einfach stolz aus dir heraus, was du bist, was du fühlst!“ Die 25 Sängerinnen und Chorleiter Michael Rieck ließen dieses Motto wahr werden und begeisterten am vergangenen Sonntag ihre Zuhörerschaft in der voll besetzten Lammersdorfer Pfarrkirche.

Warme Lichteffekte empfingen die Gäste, die Seitenaltäre waren eingetaucht in ein atmosphärisches Farbenspiel. Der Titel-Song „Just Sing It!“ von Carsten Gerlitz erfasste die Zuhörer gleich zu Beginn – ein Lied mit Ohrwurm-Potenzial, dessen Rhythmus etliche Füße im Takt wippen oder Köpfe nicken ließ. Dieser, im wörtlichen Sinne, „bewegende Auftakt“ versprach auch diesmal ein facettenreiches Programm, wie man es von Cantastic kennt.

Lothar Berger, der durch den Nachmittag führte, begrüßte die Gäste und kündigte das nächste Lied an: „So in love“, ein modernes geistliches Stück von Carol Cymbala, welches sie ursprünglich eigens für den aus 270 Sängern bestehenden New Yorker Brooklyn Tabernacle Choir geschrieben hatte.

Es blieb gefühlsbetont auch im folgenden Lied, in dessen Text Johnny Mercer nostalgisch eigene Kindheitserinnerungen hat einfließen lassen und die Melodie von Henry Mancini zudem eine sehr romantische ist: „Viele von Ihnen werden sich noch an die bezaubernde Audrey Hepburn erinnern“, schwärmte Lothar Berger, der zu allen Liedern die passende Szenerie auf die Leinwand hinter den Sängerinnen projizierte und somit seine kurzweiligen Exkurse zu Liedern, Komponisten und wissenswerten Hintergründen untermalte. „Im Film „Frühstück bei Tiffany’s“ saß sie mit einer Gitarre auf dem Fensterbrett und sang „Moon River““, rief er den Zuhörern die berühmte Filmszene ins Gedächtnis.

Auch Elton Johns melancholisches „Can you feel the love tonight“ aus dem bekannten Zeichentrick-Musical „König der Löwen“ließ den einen oder anderen Zuhörer ins Träumen geraten und versonnen mitsummen. Das daran anschließende und letzte Lied vor einer kurzen Pause bildete hingegen einen fast schon übermütigen Kontrast zu der vorangegangenen Auswahl: Max Raabes „Für Frauen ist das kein Problem“. Dabei handelt es sich um eine musikalische Lobhudelei, gerichtet an das (vermeintliche) Multitasking-Talent Frau. Souverän und vergnüglich schrieben sich die 25 Sängerinnen auf der Bühne kurzerhand die gelobten Fähigkeiten selbst zu, was so manchem (männlichen) Zuhörer ein breites Grinsen ins Gesicht zauberte.

Im zweiten Teil des Konzertes ging es weiter mit einem rhythmisch packenden Salsa-Arrangement von Jay Althouse, das mit seiner impulsiven Aufforderung dem Motto des Nachmittags auf spanisch Tribut zollte: „Cantar!“ – „Sing!“ Die Dynamik „infizierte“ das Publikum und gewiss hätte sich so mancher liebend gerne vom Sitz erhoben und dem Drang zu tanzen nachgegeben.

Stücke des norwegischen Komponisten und Chorleiters Tore W. Aas („Oslo Gospel Choir) hat Cantastic so einige im Repertoire. Mit „You are holy“ präsentierten die Sängerinnen eines seiner großartigen und melodisch sehr eingängigen Lieder. „Ich weiß genau, dass irgendwann einmal ein Wunder passieren kann!“, heißt es bei der Band „Münchener Freiheit“. Ihr Hit „Solang‘ man Träume noch leben kann“ ließ viele Zuhörer nachdenklich werden; bedächtiges Kopfnicken und die mitunter auch feuchten Augen verrieten Zustimmung.

Doch die eine oder andere kleine Träne im Publikum versiegte schnell mit den ersten – wohl jedermann vertrauten – Takten von „Marry you“. Die Sängerinnen und Michael Rieck hatten sichtlich Freude an dem heiteren Liebeslied, das zwar textlich bescheiden, jedoch rhythmisch alles andere als banal daherkommt. Mit einem Song der kanadisch-französischen Sängerin Avril Lavigne verabschiedete sich Cantastic – vorerst – von seinem Publikum.

Wie grandios Michael Rieck mit seinem Chor den Nachmittag gemeinsam „durchgestanden“ und welch glückliches Händchen er bei der Auswahl der präsentierten Stücke bewiesen hat, zeigten der Jubel und die Stehenden Ovationen. „Ihr wart ein hervorragendes Publikum!“, verkündete Lothar Berger laut in den tosenden, nicht enden wollenden Applaus hinein, während die überwältigten Mitglieder des Chors den Beifall an ihre Gäste gerne zurückgaben.

Nach Dankesworten der Frauen an ihren musikalischen Leiter baten sie – wohl wissend, dass der Gründer des Chors im Publikum saß – Wolfgang Rieck zur Bühne. Dieser hatte 1991 eine kleine Gesangsformation unter dem Namen „Junger Chor“ gegründet und sie 1998 aus beruflichen Gründen an seinen Bruder übergeben. 2010 erfolgte die Umbenennung in „Cantastic“; inzwischen sind 27 Sängerinnen in den Stimmlagen Sopran, Alt und Tenor mit dabei. „Danke, dass du das gemacht hast“, brachte Michael Rieck sehr ergriffen hervor und meinte damit wohl gleichermaßen die Gründung als auch die Weitergabe des Chors an ihn. „Und ihr, meine 27 Frauen“, wandte er sich an die Sängerinnen, „seid für mich ‚Somebody to love‘!“

Dann nahm er erneut am Klavier Platz, um mit gleichnamigem Titel der Zugabe-Forderung des Publikums nachzukommen. Mit diesem musikalisch höchst anspruchsvollen fünfstimmigen Arrangement stellte der Chor Cantastic noch einmal sein Können unter Beweis und verabschiedete sich mit dem Ohrwurm und Motto-Lied „Just Sing It!“

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