Franziskus-Internat: Unerwartete Hilfe, viel Zuspruch

Von: Stephan Johnen
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Pater Daniel und Sozialpädagogin Maria Sybertz heißen die neuen Bewohner in der Vossenacker Internatsfamilie willkommen. Foto: sj

Vossenack. „Es läuft. Und es läuft gut.“ Um das sagen zu können, ist Pater Daniel Züscher in den vergangenen Monaten eine Menge gelaufen, hat Klinken geputzt, Anträge ausgefüllt und unzählige Gespräche geführt. Der Weg hat den Leiter des Franziskus-Internats sogar ins Gefängnis geführt; doch dazu später mehr. Wichtig ist derzeit nur eines: Seit Anfang der Woche leben im Internat der Franziskaner neun Jugendliche, die aus Afghanistan, Guinea und Syrien geflüchtet sind. In Vossenack sollen sie sich willkommen fühlen.

Monatelang haben Pater Daniel und die Franziskaner dafür gearbeitet. „Wer, wenn nicht wir?“, hatte sich der Leiter des Internats bereits im Mai des vergangenen Jahres gefragt. Im Kloster leben seitdem sechs Asylbewerber. Die Idee, auch Minderjährige, die ohne Eltern oder erwachsene Verwandte auf der Flucht sind, ins Internat aufzunehmen und ihnen eine Perspektive zu ermöglichen, trugen der Konvent und die Franziskus-Stiftung mit. Bis alle Formalitäten geklärt und notwendigen Genehmigungen vorlagen, verging jedoch noch Zeit.

Im April gab das Landesjugendamt grünes Licht. Mit dem Jugendamt des Kreises Düren, das auch die Heimaufsicht ist, wurde eine Entgeltvereinbarung getroffen. „Wir konnten aber nicht direkt anfangen, weil uns noch das Personal fehlte“, berichtet Pater Daniel. Um die neun Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren betreuen zu können, musste das Internat zusätzliche Erzieher einstellen. Rechnerisch sind 5,3 Stellen nötig, um eine 24-Stunden-Betreuung zu gewährleisten. „Viele pädagogische Mitarbeiter haben wir über Mund-zu-Mund-Propaganda gewonnen.“

Parallel zur Personalsuche gab es viel zu tun: Die Zimmer mussten den Vorgaben des Landesjugendamtes entsprechend hergerichtet, eine Küche und ein Waschraum eingerichtet werden. Auf der Suche nach soliden, gut verarbeiteten und dennoch bezahlbaren Möbeln wurden die Franziskaner in der Justizvollzugsanstalt Rheinbach fündig. „Dort gibt es eine Schreinerei. Die Insassen haben für die Flüchtlingskinder die Möbel hergestellt und uns einen guten Preis gemacht“, sagt Pater Daniel anerkennend. In naher Zukunft möchte er nach Rheinbach fahren und sich dort persönlich bedanken.

„Alle Anschaffungen konnten wir mit Spenden finanzieren. Dieser Solidarität der Menschen gebührt Hochachtung“, bedankt sich Pater Daniel bei den Unterstützern. Viele Handwerker hätten zudem ehrenamtlich ausgeholfen. Die „Schatztruhe“ Düren unterstützte die Franziskaner ebenso wie die Kufferather Pfarrgemeinde.

„Ohne die Hilfe der Menschen hätten wir es nicht geschafft. Und wir werden auf Hilfe angewiesen bleiben“, sagt der Internatsleiter. Beispielsweise bei der Organisation von Nachhilfeangeboten für die Jugendlichen, bei der Integration in (Sport-)Vereine und der Organisation eines Fahrdienstes. „Wir müssen täglich sechs Schüler zu vier Schulen bringen“, erklärt Pater Daniel. „Die Kinder sind wissbegierig, sie sollen etwas lernen“, hat er in den ersten Tagen beobachtet. Wer sich ehrenamtlich einbringen möchte, erhält unter Telefon 02429/30840 weitere Informationen.

Anhand der Fotos, die die Jugendlichen von ihrer zerstörten Heimat besitzen, und anhand der Akten der Behörden können die Erzieher erahnen, was alles hinter den Jugendlichen liegt. „Welches Päckchen jeder auf seiner Seele trägt, können wir nur vermuten“, sagt Sozialpädagogin Maria Sybertz. Wichtig sei zunächst, den Jugendlichen das Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln. Pater Daniel ist derweil wieder viel unterwegs. Mit der Hauptschule in Kleinhau möchte er eine Integrationsklasse ins Leben rufen.

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