Simonskall - Franz Tiedtke: Unermüdlich auf den Spuren großer Künstler

Franz Tiedtke: Unermüdlich auf den Spuren großer Künstler

Von: Margret Vallot
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Im Junkerhaus befindet sich die wertvolle Dokumentation, die Franz Tiedtke zusammengestellt hat. Sie ist in den Wintermonaten zu sehen.

Simonskall. Wer sich für die in Fachkreisen bekannte und kunsthistorisch bedeutende Künstlergruppe der „Kölner Progressiven” interessiert, der stößt unweigerlich auf Franz Tiedtke.

Der heute 72-Jährige hat nach seiner Pensionierung sein Leben der Erforschung dieser Gruppe gewidmet und das Junkerhaus in Simonskall zu seinem Zufluchtsort gemacht.

Diese Künstler waren jung und stellten - nach den Schrecken des ersten Weltkriegs - alte Fragen aus Kunst und Gesellschaft neu. Sie wollten eine Art Utopie Wirklichkeit werden lassen. „Von der Gesellschaft zur Gemeinschaft” lautete ihre Lebensmaxime, gemäß der nicht so sehr das Individuum im Mittelpunkt allen Geschehens stehen sollte, sondern eher die Gemeinschaft.

Im Gespräch mit seinem Lehrer war Tiedtke einst auf die „Rheinischen Progressiven” aufmerksam geworden. Und als der Rheinländer dann von Gürzenich nach Vossenack zog, erinnerte er sich, dass Simonskall und das Junkerhaus eine gewisse, damals vollkommen vergessene Bedeutung hatten. „Da war keine Erinnerung an die Gruppe vorhanden, keine Gedenktafel, nichts”, erzählt der Senior.

Das Junkerhaus ging in den 90er Jahren aus dem Besitz eines Industriellen in den Besitz der Gemeinde Hürtgenwald über, und Tiedtke konnte sich mit der Idee durchsetzen, in dem Haus eine Dokumentation der „Kalltalgemeinschaft” zu präsentieren. Längst hatte er nämlich begonnen, Material zu sammeln.

Heute zählt Tiedtke zu den Kennern der Gruppe, deren Mitglieder zu den bedeutendsten Repräsentanten der konstruktivistischen Stilrichtung in Deutschland gehören. Ihre Werke befinden sich in vielen Museen der Welt.

Im Jahr 2000 wurde der Kunstverein „HöhenArt Hürtgenwald” gegründet. Die Dokumentation wird seitdem jedes Jahr von Allerheiligen bis Ostern gezeigt. Nicht zuletzt dank großzügiger finanzieller Unterstützung durch die Kreissparkasse und die Konejung-Stiftung. Den leitenden Herren konnte offenbar die kunsthistorische Bedeutung der Progressiven verständlich gemacht werden.

Nicht so viel Hochachtung brachte stets die Bevölkerung den Avantgardisten entgegen. Noch heute ist das Interesse des westeuropäischen Auslands an der Kalltalgemeinschaft größer als das der einheimischen Bevölkerung. Und das, obwohl Franz Tiedtke viel Energie darauf verwandt hat, die schwierige Kunst den Menschen vor Ort verständlich zu machen.

Um das Programm abwechslungsreicher zu gestalten, hat Franz Tiedtke 2003 angefangen, Ausstellungen zu veranstalten. Dem pensionierten Fachlehrer für Kunst und Werkerziehung war dabei stets wichtig, dass das Niveau der Ausstellungen dem des Umfeldes entsprach. Tiedtke zeigte „konstruktive Malerei”, würdigte Clara Viebig, stellte den Journalisten und Fotografen Peter Stollenwerk aus, außerdem so künstlerische Schwergewichte wie Herb Schiffer, Walter Dohmen, Otmar Alt, zeigte Werke von Angelika Hoerle, MAF Räderscheidt, HAP Grieshaber und Ren Rong. Derzeit sind noch bis zum 26. August Werke von Gabriele Heikampf im Junkershaus zu sehen.

Nach einem Unfall vor wenigen Wochen beginnt Franz Tiedtke jetzt, sich zumindest aus dem Ausstellungsbetrieb zurückzuziehen. Das ist schwer, denn alle Kontakte, alle Verbindungen sind auf ihn zugeschnitten. Seine Nachfolgerin ist Dorothee Fazius-Fischer, die noch etwas auf seine Hilfe angewiesen ist. Tiedtke will sich weiter im Arbeitskreis zur Erforschung der Moderne im Rheinland engagieren. Er möchte über den Kölner Architekten und Künstler Peter Abelen, der ebenfalls der Kalltalgemeinschaft angehörte, forschen.

Eine große Ehre und Anerkennung seiner Arbeit erlebte er durch die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die bei einer Präsentation der Kunst im Rheinland dem Junkerhaus viel Raum gab. Sollte es tatsächlich dazu kommen, dass 2018 Maastricht mit Aachen und dem Kreis Düren für ein Jahr zur Kulturhauptstadt Europas erklärt wird, so wird das Junkerhaus sicher eine Rolle spielen und auf die wertvolle Arbeit von Franz Tiedtke nicht verzichten können.

Für Lokalhistoriker, für Literatur- und Kunstwissenschaftler interessant sind der Aufenthalt und das Wirken mehrerer junger Kölner Künstler in Simonskall in den Jahren von 1919 bis 1921. Bei dieser Gruppe handelte es sich im Kern um den Kunsthistoriker und Publizisten Carl Oskar Jatho, dessen Frau Käthe Jatho-Zimmermann (Schriftstellerin), den Maler und Graphiker Franz Wilhelm Seiwert sowie den Maler und Bühnenbildner Franz Nitsche.

Die Künstler, die sich zeitweise in Simonskall aufhielten, rekrutierten sich vornehmlich aus dem Kreis der späteren „Kölner Progressiven”. In Simonskall oft dabei waren so bekannte Künstlerpersönlichkeiten wie Otto Freundlich, Heinrich Hoerle, Angelika Hoerle, Anton Räderscheidt, Marta Hegemann und Ret Marut, alias B. Traven mit Irene Mermet.

Öffnungszeiten: Sonntags und Feiertags von 11 bis 17 Uhr, Mittwochs und Samstags von 14 bis 17 Uhr.

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