Franz-Peter Müsch blickt auf 30 erfolgreiche Jahre als Rektor zurück

Von: P. St.
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Als Schulleiter an der Monschauer Mädchenrealschule St. Ursula hat Franz-Peter Müsch der Einrichtung in 32 Jahren ein neues und zeitgemäßes Profil gegeben. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. An keinem Tag sei er ungern zur Schule gegangen, sagt Franz-Peter Müsch, während er an seinem ohnehin stets ordentlichen Schreibtisch langsam Platz macht für seine Nachfolgerin. Der langjährige Schulleiter der Monschauer Mädchenrealschule St. Ursula befindet sich derzeit auf Abschiedstour.

Der 63-Jährige nimmt nach 32-jähriger Tätigkeit als Schulleiter an St. Ursula Abschied von der geliebten Bildungseinrichtung an der Burgau. Insgesamt war er 37 Jahre Lehrer an der Schule.

Dass er an diesen grob geschätzt 8000 Arbeitstagen immer voller Freude den steilen, kopfsteingepflasterten Weg hinauf zum Schulgelände zurückgelegt hat, ist erstaunlich genug. Geradezu unglaublich aber erscheint die Tatsache, dass Franz-Peter Müsch in seiner insgesamt 38-jährigen beruflichen Tätigkeit als Lehrer keinen einzigen Tag krank gefeiert hat. Kein Wunder, dass dem scheidenden Rektor ein Wort von Papst Franziskus („Die wahre Macht ist der Dienst“) besonders gut gefällt.

Geduld war nicht die Stärke

Von seiner spezifischen Art, eine Schule zu leiten, hat sich Franz-Peter Müsch nie abbringen lassen. Er war der beste Werbebotschafter, den sich eine Schule nur wünschen kann, vertrat St. Ursula offensiv in der Öffentlichkeit, und an weit über 1000 Wochenenden fand man ihn an der Schule, um Klassenbücher zu prüfen und Elterngespräche zu führen. Er brachte neue Ideen und frischen Wind in den Schulalltag, und kämpfte gegen Vorurteile, mit denen eine Bischöfliche Privatschule mitunter leben muss.

Müsch weiß, dass er es als Schulleiter seinem Kollegium nicht immer leicht gemacht hat. „Ich konnte ganz schlecht Aufgaben delegieren“, sagt er ohne Umschweife, und erst in den letzten Jahren sei es ihm gelungen, „etwas mehr Geduld“ aufzubringen. Am Ende aber hat der Erfolg ihm auf der ganzen Linie Recht gegeben.

Franz-Peter Müsch, das werden ihm auch seine Kritiker bestätigen, hat der Schule ein neues Profil gegeben, sie zu einer zeitgemäßen Bildungseinrichtung geführt, wo nichts mehr an die Ortsschwerstern erinnert, die einst mit strenger Hand über die Schülerinnen wachten. Heute besuchen 540 Schülerinnen, so viele wie noch nie zuvor, die reine Mädchenschule, an der 30 Kollegen und Kolleginnen die Schülerinnen in 18 Klassen unterrichten.

Das sah vor drei Jahrzehnten noch ganz anders aus, als gerade einmal die Hälfte der heutigen Belegschaft St. Ursula sogar in Existenznöte geraten ließ.

Franz-Peter Müsch, am 25. September 1951 in Schleiden-Schöneseiffen geboren, hat sich der Region stets verbunden gefühlt, wusste die Mentalitätsunterschiede in den Dörfern einzuschätzen und sprach die Sprache der Menschen in der Eifel. Seine spätere Laufbahn als Pädagoge zeichnete sich bereits in der einklassigen Volksschule in Schöneseiffen ab, denn er besuchte mit Freude die Schule, war lern- und wissbegierig. Dem Besuch des Gymnasiums in Schleiden sollte eigentlich der Wehrdienst folgen.

Der Einberufungsbescheid für die Eifelkaserne Gerolstein am Aschermittwoch lag schon auf dem Tisch, doch dann brach sich der ehrgeizige Fußballer (sein Talent reichte bei der SG Oleftal immerhin für die Landesliga) beim Training am Rosenmontag den Fuß. Damit hatte sich das Thema Bundeswehr erledigt. Stattdessen folgte ein Studium an der RWTH Aachen, und anschließend die Referendarzeit mit den Fächern Englisch und Erkunde an St. Benedikt in Kornelimünster, einer reinen Jungenschule übrigens.

In dieser Zeit bahnten sich an der Mädchenrealschule St. Ursula in Monschau einschneidende Veränderungen an, denn die noch verbliebenen Ordensschwestern wollten nach fast 300-jähriger Tradition die Schule in die Trägerschaft des Bistums übergeben.

Der damalige neue Schulleiter Peter Feja, der ebenfalls zuvor an St. Benedikt unterrichtet hatte, machte dem Junglehrer die im Umbruch befindliche Monschauer Schule ebenso schmackhaft wie auch die scheidende Schulleiterin Schwester Angelika. Obwohl mit einigen Bedenken angetreten, merkte Müsch sofort, „dass hier eine Atmosphäre zum Wohlfühlen herrscht.“

So folgte für ihn im Jahre 1977 der Wechsel nach Monschau. „Ich habe Riesenglück gehabt“, sagt er in der Nachbetrachtung. „Lehrer an St. Ursula zu sein, war ein Traumjob.“ Er wurde gleich Lehrerratsvorsitzender, und fünf Jahre später als 32-Jähriger Schulleiter, nachdem der Schulträger ihm eine Bewerbung nahegelegt hatte.

Im Februar 1982 hatte der neue Schulleiter dürftige 27 Anmeldungen für das neue Schuljahr auf dem Tisch liegen, und mit nur 279 Schülerinnen war die Zukunft ungewiss. Müsch erkannte, dass er ein „Himmelfahrtskommando“ übernommen hatte, setzte sich aber den Anspruch, die Anmeldezahlen zu verdoppeln. Ihm war durchaus bewusst, dass viele Mütter, die einst selbst Schülerinnen an St. Ursula waren, noch viele Vorbehalte hatten und ihre Töchter oft nur ungern auf diese Schule schickten. Franz-Peter Müsch startete also das Projekt Imagewechsel.

Als erste Schule in NRW wurde Informatik als Klassenarbeitsfacheingeführt, örtlichen Vereinen und Institutionen wurden die Schulräume zur Nutzung angeboten, der Kontakt zu den Grundschulen wurde verstärkt, Schulfeste wurden eingeführt, Musical-Projekte gestartet, und der Schulleiter selbst rührte bei jeder sich bietenden Gelegenheit kräftig die Werbetrommel.

Führungen und Reisen

Der Aktionsradius wurde auf die Aachener Vororte ausgedehnt und später auf die der Eifel zugewandten Stolberger Stadtteile. Schnell war die Zweizügigkeit der Schule hergestellt, und nach dem Jahr 2000 bei über 500 Schülerinnen fuhr die Schule sogar dreizügig. Wegen fehlender baulicher Erweiterungsmöglichkeiten in steiler Hanglage ist die Schule jetzt allerdings an ihre Kapazitätsgrenze gestoßen.

„Ich glaube, dass ich meiner Nachfolgerin eine gut funktionierende Schule übergeben kann“, sagt Franz-Peter Müsch, dessen Dienst offiziell am 31. Juli 2015 endet. Danach können die Pläne für den Ruhestand angepackt werden. Die beiden Enkelkinder fordern ihre Zeit ein, als Stadtführer wird man ihn weiterhin in der Altstadt Monschau und der Region antreffen, und die Reiseaktivitäten mit der Ehefrau sollen ebenfalls ausgedehnt werden. Im September geht es auf Kreuzfahrt von Hamburg über Island und Grönland nach New York, und das Schönste daran ist, dass man endlich einmal außerhalb der Ferienzeit reisen kann.

Nach seinem Abschied will Franz-Peter Müsch einen Schlussstrich unter sein Berufsleben ziehen und Abstand von der Schule nehmen. Am liebsten möchte er nicht einmal mehr auf die Homepage von St. Ursula schauen. Er weiß, wie schwer ihm dieser Schritt fallen wird, und er weiß auch, was ihm fehlen wird: „Meine Mädchen werde ich vermissen.“

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