Aachen/Monschau - Fotoausstellung von Jürgen Schadeberg im Monschauer Kuk

Fotoausstellung von Jürgen Schadeberg im Monschauer Kuk

Von: Udo Kals
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Viele seiner Bilder sind um di
Viele seiner Bilder sind um die Welt gegangen: Jürgen Schadeberg hatte seine Leica stets dabei, wo immer er auch gerade lebte. Das Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion (KuK) in Monschau zeigt vom 29. September bis zum 23. Dezember rund 70 Fotos des 81-Jährigen aus insgesamt sieben Jahrzehnten. Foto: Andreas Herrmann

Aachen/Monschau. Auch an diesem Nachmittag in Aachen hat Jürgen Schadeberg den Fotoapparat dabei. Seine Leica. Natürlich. Wie im Südafrika der 50er Jahre, wie im London der Swinging Sixties, wie in Berlin, in New York, in Madrid - überall, wo der heute 81-Jährige zwischenzeitlich oder auch länger gelebt hat, war er immer mit seiner Leica. Und machte Fotos.

Von Menschen. Vor allem von Menschen. Und von der Gesellschaft, in der sie leben (mussten).

An diesem Nachmittag in Aachen wird der Fotograf selbst fotografiert. Umgeben von seinen Plakaten und Bildbänden hält er die Kamera, legt sie hin, sucht die Pose. „So?” Bereitwillig-widerwillig folgt er den Anweisungen eines Kollegen. Es klickt, es blitzt. „Das ist schrecklich, selbst fotografiert zu werden.”

Mandela früh kennengelernt

Hinter der Linse fühlt er sich deutlich wohler. Dort lässt er seine Zurückhaltung hinter sich, findet die Motive, die um die Welt gehen und ihn - zwangsläufig - berühmt gemacht haben. Etwa das Bild von Nelson Mandela. „Schon in den 50er Jahren habe ich ihn kennen- gelernt, als noch andere auf der Bühne standen und geredet haben”, erinnert sich Schadeberg, der Deutschland 1950 in Richtung Südafrika verließ, um dort schließlich 14 Jahre zu leben und später ab und an zu besuchen. Wie etwa 1994, in dem Jahr, als aus der Galionsfigur des Protestes gegen das Apartheids-Regime der Staatspräsident Mandela wurde, der in das Gefängnis auf Robben Island im Ozean vor Kapstadt zurückkehrte. Lange Jahre hatte er dort eingesessen, nun steht er als freier Mann in dieser Zelle. Die Gitterstäbe unangetastet, der Mann ungebrochen. Ein Bild der Versöhnung, der Freiheit, der Zuversicht.

Was ihn besonders beeindruckt hat? „Nach all den Jahren der Haft hat er seinen Humor nicht verloren”, sagt Schadeberg, der bei weitem nicht nur den Rechtsanwalt und ANC-Kämpfer Mandela por-trätierte.

Er gab der südafrikanischen Jazzszene ein Gesicht, tauchte für das Magazin „Drum” in die pulsierende Welt der Musik in den Townships ein, dokumentierte aber auch das Apartheids-Regime, das ihn einmal verhaftet hatte. Nur kam er, der weiße Fotograf aus Deutschland, wesentlich schneller aus dem Gefängnis als seine schwarzen Kollegen. Seine Fotografie ist zwangsläufig politisch, ohne Frage. Aber, so sagt er selbst, ein politischer Fotograf sei er nicht.

Nachdem die Geheimpolizei ihn bespitzelte, verlegte Schadeberg seinen Lebensmittelpunkt nach England - London, die Swinging Sixties, krasser konnte der Gegensatz zum Regime der Rassisten in Südafrika kaum sein. Oder doch nicht? Denn auch in der britischen Gesellschaft trifft Schadeberg auf starke Kontraste, die er in aufwühlend-intimen Fotoserien beschreibt.

Und er erlebt die Auflösung eines Weltreiches, die unausweichlich in eine Wirtschaftskrise führte. Seine Bildersprache ist sinnfällig, zeigt ein Land, eine Gesellschaft auf der Suche nach einem neuen Mittelpunkt.

Dass Schadeberg fast ausschließlich in Schwarz-Weiß fotografiert, liegt nicht nur an seiner Frau Claudia, mit der er in den vergangenen Jahren auch zahlreiche Filmprojekte verwirklicht hat. „Meine Frau liebt Schwarz-Weiß-Fotografie. Mir sind Farbfotos zu schön, zu bunt. Sie zeigen die Schokoladenseite.”

Das Bittere, das Brüchige ist ihm lieber. Und so ist in seiner Leica, die er auch an diesem Nachmittag in Aachen dabei hat, stets ein Schwarz-Weiß-Film eingespannt. Zwar wird er selbst fotografiert. Aber vielleicht ergibt sich ja auch für ihn ein Motiv. Bei der Vernissage an diesem Samstag steht Schadeberg Rede und Antwort

Gerade erst ist die Schau mit Bildern des Fotografen Jim Rakete abgehängt, die mit rund 17 000 Besuchern laut Leiterin Nina Mika-Helfmeier einen „absoluten Rekord” für das Kunst- und Kulturzentrum (KuK) der Städteregion Aachen in Monschau darstellt, da steht schon die nächste Schau ins Haus. Am Samstag, 29. September, öffnet im Haus an der Austraße 9 in Monschau die Ausstellung von Jürgen Schadeberg. Bis zum 23. Dezember sind Fotografien aus sieben Jahrzehnten zu sehen.

Die Vernissagebeginnt um 16 Uhr. Dabei wird Bernd Büttgens, stellvertretender Chefredakteur unserer Zeitung, Schadeberg im Rahmen eines Gesprächs vorstellen. Zudem wird ein Film über das Schaffen Schadebergs gezeigt.

Die rund 70 Fotos sind dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Eintritt frei.
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