Eicherscheid/Nordeifel - Förderschule in der Nordeifel bleibt erhalten

Förderschule in der Nordeifel bleibt erhalten

Von: Heiner Schepp
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Nach dem Gespräch über die Zukunft der Förderschule führte der kommissarische Schulleiter Robert Knauff (2. v. re.) Schulministerin Yvonne Gebauer noch durch das sehr gut ausgestattete Gebäude. Links Förderschulverbandsvorsitzender Günter Scheidt und Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns. Foto: Heiner Schepp

Eicherscheid/Nordeifel. Den Eltern in der Nordeifel soll es auch in Zukunft möglich sein, ihr Kind an einer ortsnahen Förderschule anzumelden. Ob dies eine Fortführung des Förderschulbetriebs am Standort Eicherscheid bedeutet, oder ob eine andere Form der Beschulung von Kindern mit Förderbedarf realisiert werden kann, soll bis Weihnachten entscheiden sein.

Dies war das Ergebnis des Besuchs der neuen NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch in der Förderschule.

Sie würde im kommenden Jahr ihren 50. Geburtstag feiern können – die Förderschule der Nordeifel, die am 9. August 1968 als Sonderschule für Lernbehinderte damals noch in Simmerath ihren Betrieb mit 60 Kindern aufnahm. Nach dem Standortwechsel zur heutigen Adresse (1978), der Umwidmung zur Förderschule 1994 und schließlich der Zulassung zur Ganztagsschule (2006) war der 10. Februar 2015 „der bislang schwärzeste Tag in der 49-jährigen Schulgeschichte“, wie Bürgermeister und Förderschulverbandsvorsteher Karl-Heinz Hermanns der Besucherin aus Düsseldorf berichtete.

Gemeint war „ein Gespräch mit dem damaligen Schulministerium, das die Einrichtung eines schulischen Lernortes gemäß Schulgesetz NRW als nicht zielführend ansah“ und als Alternativen für die Förderschule Nordeifel nur die sofortige Schließung (2015) oder die auslaufende Schließung bis 2018 zuließ. „Gegen den eigentlichen Willen der Mitglieder fasste die Verbandsversammlung des Förderschulverbandes Simmerath am 27. April 2015 (...) den Beschluss, die Förderschule Nordeifel zum 31. Juli 2015, endend mit dem Schuljahr 17/18, auslaufend aufzulösen“, erinnerte Hermanns.

Durch diesen Beschluss sei den Eltern de facto das Recht genommen worden, „eine wohnortnahe Förderschule als Ort der sonderpädagogischen Förderung für ihr Kind zu wählen“, stellte der Bürgermeister fest.

Mit dem Regierungswechsel in Düsseldorf im Mai habe die Angelegenheit dann eine neue Wendung genommen. „Auf der Grundlage des Koalitionsvertrags von CDU und FDP zum Thema Inklusion und Förderschule beschloss die Schulverbandsversammlung am 10. Juli 2017 nach Gesprächen zwischen Gemeinde, Landtagsabgeordneten und Bezirksregierung, den Beschluss zur Schließung der Förderschule aufzuheben“, blickte Karl-Heinz Hermanns zurück.

Simmeraths Bürgermeister zeigte sich gegenüber der Ministerin „überaus dankbar, dass Sie so kurzfristig Zeit gefunden haben, sich nunmehr persönlich vor Ort ein Bild von unserer Situation zu machen“, und begrüßte zum Ortstermin eine große Runde aus Vertretern des Schulverbandes, der vier Verbandskommunen, der Städteregion sowie des Kollegiums und des Fördervereins der Schule.

„Ich werde Ihre hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen können“, erwiderte Gebauer auf die von Hermanns geäußerten „großen Hoffnungen“, die man hier in der Eifel an den Besuch der Ministerin geknüpft habe. Die Politikerin ging nicht groß ein auf das Feld, dass ihre Vorgängerin Löhrmann hinterlassen hatte, sondern blickte nach vorne: „Inklusion ist ein Prozess, den wir weitergehen möchten, wenngleich mit einer anderen Herangehensweise. Aber zum Wohle des Kindes muss es ein flächendeckendes Angebot mit der Möglichkeit geben, sein Kind an einer Förderschule anmelden zu können“, stellte die Ministerin fest.

Auf dieser Grundlage arbeite man im Schulministerium mit Hochdruck an einer Mindestgrößenvorgabe für Förderschulen, an höherer Qualität im Inklusionsprozess und in Abstimmung mit dem Wissenschaftsministerium an mehr Studienplätzen für das Lehramt Sonderpädagogik. Auch würden derzeit über die Bezirksregierung die räumlichen und personellen Verhältnisse an Regel- und Förderschulen abgefragt, „und dies alles unter enormem Zeitdruck, weil jetzt die Zeit der Schulanmeldungen bevorsteht“, so Gebauer.

Derzeit werden in Eicherscheid 28 Schüler beschult, seit 2015 ist hier keine Anmeldung mehr möglich. Nach Angaben von Schulleiter Robert Knauff wurden infolge der neuen Entwicklung bereits rund 25 Anmeldewünsche von Eltern und Institutionen bei der Schule geäußert.

Im „sehr konstruktiven Gespräch“ habe man für die Nordeifel „einen Weg gefunden, dass für Eltern ein Förderschulangebot ohne weite Wege erhalten bleibt“, formulierte die Ministerin vorsichtig, weil die Entscheidung, wie dies konkret aussehen wird, „hier vor Ort getroffen wird“. Yvonne Gebauer verwies auf zeitnahe Gespräche zwischen Förderschulverband und Schulamt, „deren wie auch immer geartete Ergebnisse das Schulministerium vollumfänglich unterstützen wird“.

„Aus einer Perspektive der Resignation ist eine Perspektive der Hoffnung mit realistischem Hintergrund geworden“, dankte Städteregionsrat Helmut Etschenberg der Ministerin „für das klare Signal“ und sagte für die anstehenden „Gespräche ohne Denkverbot“ auch die Unterstützung seiner Behörde zu, denn: „Die Städteregion war und ist ein überzeugter Träger von Förderschulen.“

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