Flüchtlingskinder finden ein paar Tage Ablenkung in der Schule

Von: P. St.
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Herzlich willkommen sind die Kinder von Flüchtlingsfamilien an der Mädchenrealschule St. Ursula. Die Schülerinnen kümmern sich geradezu fürsorglich um die Gäste. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Auf den belebten Schulfluren fallen sie eigentlich gar nicht weiter auf, aber dennoch stehen die sieben Mädchen, die derzeit an der Monschauer Mädchenrealschule St. Ursula zu Gast sind, im Blickpunkt. Es sind Kinder von Flüchtlingsfamilien, die momentan in der Jugendherberge Hargard untergebracht sind.

Hier hat die Landesregierung bekanntlich in Kooperation mit dem Deutschen Jugendherbergswerk seit Mitte November eine zusätzliche Unterkunft angemietet, um der hohen Zahl der ankommenden Flüchtlinge zu begegnen. Nur wenige Wochen verbringen die Familien direkt nach ihrer Ankunft in Deutschland in der Eifel; danach werden sie auf unterschiedliche Kommunen im Lande verteilt.

Auch Turnhalle steht offen

Die ersten Wochen nach der Ankunft in Deutschland sind geprägt von Unsicherheit und Abwarten. Dass eine Gruppe von sieben- bis elfjährigen Kindern, die aus verschiedenen Ländern Südosteuropas stammen, nun wenigstens für einige Tage zur Schule gehen können, ist für sie eine willkommene Abwechslung und bedeutet auch eine vorübergehende Ablenkung vom Flüchtlingsschicksal.

Doch der Schulbesuch auf Zeit dauerte nur drei Tage. Am Donnerstag heißt es für die Kinder schon wieder Abschied nehmen, nachdem gerade die ersten Freundschaften mit den St. Ursula-Schülerinnen aus den Fünfer- und Sechser-Klassen geschlossen worden waren.

Schon am Freitag endet der gut zweiwöchige Aufenthalt in der Jugendherberge. Dann werden die Familien wie vorgesehen in unterschiedliche Kommunen verteilt, wo sie dann auf unabsehbare Zeit bleiben werden, was abhängig davon ist, wie die Anträge auf Asyl bewertet werden.

Die Flüchtlingskinder gehörten an St. Ursula von der ersten Stunde an direkt zur Schulgemeinschaft. Der viel strapazierte Begriff der Integration wurde dabei gar nicht in Anspruch genommen. Es klappte einfach, oder wie Schulleiter Franz-Peter Müsch es ausdrückt: „Das beweist wieder einmal, dass Kinder die besten Lehrer für Kinder sind.“

Die jungen Gäste nahmen am Unterricht teil oder vergnügten sich in der Turnhalle. Außerdem hat die Schule allen Flüchtlingsfamilien täglich ab 15 Uhr die Turnhalle zur Verfügung gestellt, um sich hier ein wenig sportlich zu betätigen. Dieses Angebot gilt auch am Wochenende und in den anstehenden Weihnachtsferien.

Besonders fürsorglich kümmerten sich die Schülerinnen des Wiso-Kurses der Klasse 10 um die Kinder und selbstverständlich wurden sie auch an der Schule versorgt. Und wenn es einmal Fragen oder kleine Probleme gibt, dann ist ein Mitarbeiter der Betreuungsorganisation „Transparenz“ zur Stelle, der den Schulbesuch begleitet.

Dabei ist es behördlicherseits überhaupt nicht vorgesehen, dass die Kinder in den ersten Wochen nach ihrer Ankunft in Deutschland am Schulunterricht teilnehmen, aber Franz-Peter Müsch ist überzeugt davon, dass ein Gastspiel an St. Ursula der Beschäftigungstherapie in der Unterkunft in nichts nachsteht.

Ab Freitag kommen nun neue Flüchtlinge in die Jugendherberge, nur eine Großfamilie bleibt vor Ort. Wie es danach auf dem Hargard weitergeht, ist noch ungewiss. Seitens der Schule ist man nach den Weihnachtsferien jedenfalls offen für eine Fortsetzung dieser kleinen Gesten der Eingliederung. Schließlich erhielten die Kinder auch noch eine Einladung, am Weihnachtsgottesdienst der Schule teilzunehmen, der am Freitag um 8.30 Uhr in der Aukirche stattfindet.

Schulleiter Franz-Peter Müsch hätte nichts dagegen, wenn auch im neuen Jahr Flüchtlingskinder an St. Ursula wenigstens für ein paar Tage etwas Ablenkung in einer anderen Umgebung finden würden. „Außerdem wird damit auch der Horizont der Schülerinnen für die Flüchtlingsproblematik insgesamt erweitert.“

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