Flüchtlings-Unterkunft auf Langschoß „ein Armutszeugnis”

Von: Heiner Schepp
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Trotz einiger Investitionen in
Trotz einiger Investitionen in den vergangenen Jahren sind die Flüchtlingsunterkünfte auf Langschoß bei Lammersdorf kein schöner Anblick und sind nach SPD-Meinung der Integration nicht förderlich. Foto: H. Schepp

Lammersdorf/Aachen. Die SPD in der Städteregion Aachen hat die Schließung der Flüchtlingsunterkunft „Langschoß” bei Lammersdorf gefordert.

Im Rahmen der Initiative „Weiterentwicklung der Willkommens- und Anerkennungskultur in der Ausländerbehörde der Städteregion Aachen” legten die Sozialdemokraten jetzt einen umfangreichen, insgesamt fünf Punkte umfassenden Antrag vor, der am 22. November im Sozialausschuss der Städteregion beraten werden soll.

Neben Aussagen zu Härtefallregelung und Fallmanagement befasst sich Punkt fünf des SPD-Antrags konkret mit Lage und Räumlichkeiten auf Langschoß, der aktuell größten Unterbringungsmöglichkeit in der Gemeinde Simmerath. „Wir sind der Auffassung, dass diese Art der Unterbringung von Flüchtlingen nicht mehr zeitgemäß ist”, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende im Städteregionstag, Martin Peters im Gespräch mit unserer Zeitung. Im Sinne der Integration müsse man Menschen auf der Flucht langfristig eine ortsnahe, dezentrale Unterkunft bereitstellen, so Peters.

Das Urteil der Sozialdemokraten über die heutige Nutzung der ehemaligen Militäranlage an der B 399 im Lammersdorfer Wald fällt vernichtend aus: „Die Asylbewerberunterkunft Langschoß liegt im Wald, weit entfernt vom nächsten Ort (4,4 km) und von den nächsten preisgünstigen Einkaufsmöglichkeiten (9 km, Simmerath). Die Unterkunft weist ganz erhebliche Hygiene- und Sicherheitsmängel auf und bietet vor allem Familien, die hier auf beengtem Raum leben, keine wirklich menschenwürdige Unterkunft und insbesondere den Kindern kaum Möglichkeit der Entfaltung.”

Weiter heißt es wörtlich: „Eine solche Unterbringung der Flüchtlinge ist nicht nur unsicher, unhygienisch, und unerträglich einengend, sie ist auch hinsichtlich des sozialen Friedens kontraproduktiv. So geht die Stadt Köln in ihren Leitlinien (zur Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen in Köln) von 2004 davon aus, dass „bei einer angemessenen Unterbringung von Flüchtlingen auch ihr Wohn- und Sozialverhalten konfliktfreier ist. Hierdurch verbessert sich wiederum die Akzeptanz seitens der Nachbarschaft; Zerstörungen werden aufgrund höherer Zufriedenheit erheblich reduziert und die Eigenverantwortlichkeit der Flüchtlinge für ihre Wohn- und Lebenssituation wächst.”

Unter der Überschrift „Menschenwürdige Flüchtlingsunterbringung” fordert die SPD deshalb die Städteregion Aachen auf, „im Rahmen ihrer Kommunalaufsichts-Funktion darauf hinzuwirken, dass die Gemeinde Simmerath die Flüchtlingsunterbringung Langschoß auflöst und diese durch eine oder mehrere ortsnahe Unterkünfte ersetzt”. Dabei seien Ortsnähe, Erreichbarkeit durch ÖPNV und die Gewährleistung eines angemessenen Wohnstandards (inklusive Sicherheits- und Hygienestandards) als Mindestkriterien zu gewährleisten, so die SPD.

Darüber hinaus solle die Städteregion ein Konzept zur Flüchtlingsunterbringung erarbeiten, das eine stufenweise Dezentralisierung der Flüchtlingsunterbringung vorsehe, wie es weiter im Antrag heißt. Dies müsse in der Situation münden, dass Flüchtlinge spätestens nach vier Jahren in Privatwohnungen unterzubringen sind.

„Ebenso sollten Familien von Anfang an in Privatunterkünften wohnen”, fordert die städteregionale SPD, die zusätzlich einige Sofortmaßnahmen wünscht: „Bis die Punkte 1 und 2 realisiert sind, wird die Städteregion in Gesprächen mit der Gemeinde Simmerath versuchen sicherzustellen, dass innerhalb eines Monats (ab jetzt) die Haustüre abends abgeschlossen wird (Klärung einer Verantwortlichkeit) und ein Putzdienst organisiert wird sowie Transporte zu Ärzten oder Krankenhäusern beispielsweise durch den Hausmeister organisiert werden.

Zumindest stundenweise soll eine professionelle Betreuung der Bewohner eingerichtet werden”, heißt es im Antrag, der abschließend fordert, „dass neuankommende Flüchtlinge mit Hilfen von Dolmetschern über ihre Rechte und Hilfen aufgeklärt werden”.

Überraschung löste die Veröffentlichung des SPD-Ansinnens bei der Gemeinde Simmerath aus: „Leider hat bisher kein Vertreter der städteregionalen SPD Kontakt zur Gemeinde aufgenommen”, zeigte sich Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns verwundert über die Vorgehensweise der Sozialdemokraten. Wenn die Forderung nach einer Schließung einer solchen Einrichtung ergehe, dann seien „viele andere Fragen zu klären, beispielsweise der Finanzierung und der Ersatzmöglichkeiten”, sagte Hermanns.

Auch dass im Antrag konkret von Familien die Rede sei, konnte Hermanns nicht nachvollziehen: „Aktuell werden Flüchtlingsfamilien nur noch im Ausnahmefall auf Langschoß untergebracht. In aller regel bemühen wir uns um eine Unterbringung in den Orten”, sagte Hermanns und kündigte eine eingehendere Stellungnahme an, „wenn uns der Antrag vorliegt”.

Die SPD vor Ort wurde erst am Montagabend mit dem Antrag konfrontiert. „Wir kümmern uns, übrigens gemeinsam mit Grünen und UWG, ja schon länger um das Thema Langschoß und haben ebenfalls festgestellt, dass dies auf Dauer kein Ort ist, der der Integration förderlich ist”, sagte Franz-Josef Hammelstein aus Lammersdorf, sozialpolitischer Sprecher der Simmerather SPD-Fraktion. Anders als die Genossen der Städteregion strebe man aber bei der Unterbringung von Flüchtlingen ein Gesamtkonzept für die Gemeinde Simmerath an, so Hammelstein. Eine sofortige Schließung von Langschoß sei daher nicht die Lösung des Problems.
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