Flüchtlinge verlassen zügig den Hargard

Von: P. St.
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Knapp vier Monate lang war die Jugendherberge Hargard für Flüchtlinge reserviert: jetzt verließen die letzten Bewohner das Haus, ehe umgehend die Putzkolonne folgte. Foto: Stollenwerk
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Ein bisschen Spielzeug bleibt zurück: Foto: Stollenwerk

Monschau. Bis zum 10. März sollten die noch zuletzt verbliebenen 40 Flüchtlinge eigentlich in der Jugendherberge Hargard bleiben, aber dann ging plötzlich alles schnell.

Die Betreuungsorganisation „ZOF“ aus Duisburg, die in den letzten Tagen die Verantwortung von der Vorgänger-Organisation „Transparenz“ übernommen hatte, kündigte bereits für den vergangenen Freitag den Abtransport der letzten Gruppe an, tatsächlich aber wurde bereits am Donnerstagnachmittag innerhalb von drei Stunden das Haus zügig geräumt.

Die Nachricht kam für alle Beteiligten überraschend. Während die Kinder noch zum letzten Mal den für diesen Tag angesetzten Deutschkurs besuchten, packten die Erwachsenen ihre Sachen. Überwiegend Flüchtlinge aus dem Kosovo befanden sich zuletzt in der Unterkunft.

Am Freitagmorgen waren nur noch die Putzkolonne zu sehen und zwei Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes, die im leeren Haus aufmerksam die Stellung hielten.

Vor knapp vier Monaten war die Jugendherberge Hargard infolge von Unterbringungs-Engpässen vom Land NRW als Flüchtlingsunterkunft angemietet worden. Die Unterbringung erfolgte in Abstimmung mit der Bezirksregierung Arnsberg, die landesweit für die Unterbringung von Asylbewerbern zuständig ist.

Um dem schlagartig zunehmenden Flüchtlingsstrom zu begegnen, hatte die Bezirksregierung Köln den Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) um Unterstützung bei der Unterbringung von Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten gebeten. Mit dieser Maßnahme sollte eine intensive Betreuung der Menschen wenige Tage nach ihrer Ankunft in der zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber in Unna-Massen gewährleistet werden.

Oft geht es gleich zurück

Die meisten Flüchtlinge kommen vom Westbalkan. Von dort geht derzeit ein regelrechter Massenexodus aus, und alle kommen im Glauben, sich in Deutschland ein neues Leben aufbauen zu können. Tatsächlich aber haben die Kosovaren aber keinen Anspruch auf Asyl; ihre Anträge werden abgelehnt, früher oder später müssen sie Deutschland wieder verlassen.

Die Zahl der Asylbewerber überschritt 2014 in Deutschland erstmals die Grenze von 200.000 Personen. Inzwischen wird aber wieder ein Rückgang aus den Balkan-Staaten verzeichnet, da die Versprechungen der Menschenschleuser in der Regel nicht mit der Realität in Deutschland übereinstimmen.

Zwischen 40 und 100 Flüchtlinge, ausschließlich Familien, wurden seit Ende November in der Jugendherberge Hargard zwischen zwei und drei Wochen untergebracht. Hauptsächlich handelte es sich um Familien mit Kindern aus dem Kosovo, aber auch aus Nigeria, dem Libanon, Irak und Syrien.

Beide Betreuungsorganisationen bezeichnen rückblickend die Unterkunft auf dem Hargard als eine hervorragende Wahl. „Die Menschen haben die Jugendherberge als sicheren Hafen empfunden“, sagt ZOF-Sprecher Jan Hündorf. Hervorgehoben werden die enorme Spendenbereitschaft der Bevölkerung, der Einsatz der Tura Monschau, die sportliche Aktivitäten organisierte, das Engagement der Volkshochschule, deren Dozenten kostenlos Deutsch-Unterricht anboten, aber auch in die Integrations-Aktivitäten der St. Ursula-Realschule..

Ein durchweg positives Fazit der Maßnahme ziehen auch die Herbergseltern Thomas und Sieglinde Ritter. „Es war arbeitsintensiv, interessant und bewegend. Diese Zeit wird uns in Erinnerung bleiben“, sagt Thomas Ritter. Hautnah habe man erleben können, aus welcher persönlichen großen Not heraus die Menschen sich dafür entschieden hätten, ihr Land zu verlassen, nachdem sie in ihrer Heimat absolut keine Zukunft mehr gesehen hätten. Während des Aufenthaltes hätten sich Gäste vorbildlich verhalten und auch kleine Arbeiten übernommen: „Das Haus wurde in einem Top-Zustand verlassen.“ Es habe keinerlei Zwischenfälle und auch „kein böses Wort“ gegeben. Der Sicherheitsdienst habe sich auf seine Anwesenheitspflicht beschränken können.

Ein besonders emotionales Erlebnis war die Geburt von vier Babys. Drei Kinder aus Nigeria und eines aus dem Kosovo erblickten in der Eifel das Licht der Welt.

Zurück bleiben jetzt noch Spielsachen und Kleidungsstücke, die die Menschen gespendet haben. Einiges konnte an die Flüchtlinge vermittelt werden, was übrig geblieben ist, übernimmt das Sozialwerk Eifeler Christen, um Bedürftige zu unterstützen.

Jetzt stellen sich Herbergseltern wieder auf neue Hausgäste ein. Am Wochenende hat sich ein Musikverein für ein Probenwochende eingemietet. Und Ende des Jahres hoffen die Herbergseltern, dass ihre Jugendherberge erneut in den Blickpunkt rückt. Nach 50 Jahren soll der bereits seit längerer Zeit geplante große Umbau des Gebäudes starten.

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