Flüchtlinge in Amerika: Wenn aus dem Traum ein Alptraum wird

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Monschau. In einer Schulstunde der etwas anderen Art hat Anna Theißen aus Imgenbroich jetzt den Spanischkursen der Jahrgangsstufe Q2 am Monschauer St.-Michael-Gymnasium von ihren Erfahrungen in El Salvador bezüglich der Flüchtlingsströme in Zentralamerika berichtet.

Schon seit Beginn des neuen Schuljahres setzen sich die Spanischkurse der zwölften Jahrgangsstufe (Q2) des St.-Michael Gymnasiums ausführlich mit der Migrationsbewegung in Zentralamerika auseinander.

Jedoch können Textmaterial, Bilder und Filme noch nicht einmal ansatzweise zeigen, was sich in der Realität verbirgt. Aus diesem Grunde ermöglichte die Imgenbroicherin Anna Theißen den Schülern in den ersten beiden Schulstunden einen fesselnden und schockierenden Einblick in die bestehenden Zustände.

Seit fünf Jahren arbeitet sie in der Gemeinde „22 de abril“ in El Salvador und wird tagtäglich mit den Schicksalen vieler Menschen konfrontiert, die nach Amerika flüchten wollen oder nach ihren langen Wegen wieder in ihre alte Heimat zurückgehen mussten. Damit die Schüler einen ersten Überblick zu ihrem Vorwissen bekamen, gab Anna Theißen ihnen die Aufgabe, unterschiedliche Zahlen verschiedenen Bildern zuzuordnen. Insgesamt kamen die Spanischkurse dann beispielsweise zu dem Ergebnis, dass täglich 700 Menschen aus El Salvador den harten Weg in Richtung „Amerikanischen Traum“ einschlagen, während eine weitere – für die Schüler unerwartete – Information lautete, dass 81 Prozent des Geldes der Migranten, die es bis in die USA schafften, für Fastfood und neue Kleidung ausgegeben werden.

Nach einigen solcher Fakten wurden gemeinschaftlich noch einmal die Gründe der Migration und die Einzelheiten des steinigen Weges in die USA besprochen, der durch Gewalt, Zaun, Mauer, Fluss, Wüste und Grenzpolizei unmöglich erscheinen mag. Rund 20 von 100 Flüchtlingen gelten als verschwunden, viele Frauen werden Opfer von Vergewaltigung und Prostitution.

Daneben wird zudem in erschreckendem Ausmaß Menschenhandel betrieben und viele Menschen sind schwer verwundet. Der Tod scheint zum Alltag zu gehören. Doch auch die Lateinamerikaner, die durch Guatemala und die Gewalt Mexikos ihr Ziel Vereinigte Staaten erreicht haben, mussten viele Niederlagen durchstehen. Oft verwandelte sich dabei der „Amerikanische Traum“ und der Wunsch nach Freiheit in den grausamsten Alptraum ihres Lebens. Durch den illegalen Aufenthalt sind die Arbeitsbedingungen und besonders die Arbeitszeiten beinahe unmenschlich. Als Beispiel dazu nannte Anna Theißen einen Jungen, der aus ebendiesen Gründen nach fünf Monaten nach El Salvador zurückgekehrt ist. Er konnte dem Druck in Amerika nicht mehr standhalten und wollte sein Leben anders als nur durch harte Arbeit gestalten.

All dies wirkt auf die Schüler unreal und kaum vorstellbar. Doch trotzdem gibt es in El Salvador „sehr viele Leute, die sehr glücklich sind, obwohl sie nicht wissen, wie sie am nächsten Tag was zu essen bekommen“, berichtet Anna Theißen im Rahmen einer Fragerunde, in der sich jeder Schüler einbringen konnte.

Im Großen und Ganzen sei jedoch einiges vergleichbar mit Deutschland, da Computer, Internet, Fernseher und ähnliche Ausstattungen ebenso vorhanden sind wie bei uns. Extrem sei lediglich der Klimaunterschied zwischen Imgenbroich und El Salvador und die Ordnung wie beispielsweise die Straßenverkehrsregeln, die in El Salvador nach Anna Theißens Worten vollkommen ignoriert werden. Das Sicherheitsgefühl ist schließlich doch ein anderes als in Deutschland, ebenso wie der ganze Lebensstil.

Insgesamt war das Interesse der Schülerinnen und Schüler nach dem Vortrag von Anna Theißen sichtlich erweckt, so dass im folgenden Spanischunterricht mit explizitem Fachwissen gepunktet werden konnte.

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