„Fliegerberg” als neues Ziel für Wanderer

Von: rpa
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Hohes Venn und Eifelsteig, Pal
Hohes Venn und Eifelsteig, Palsen, Steling und Kaiser Karls Bettstatt: Das Grenzgebiet bei Mützenich könnte demnächst mit dem „Fliegerhügel” eine weitere Attraktion bekommen. Foto: Heiner Schepp

Mützenich. Kann der „Fliegerberg” des Flugpioniers Offermann im Venn bei Mützenich wieder zugänglich gemacht werden? Der Wirtschaftsausschuss des Monschauer Stadtrates hat die Verwaltung nun beauftragt, „Gespräche mit der belgischen Forstbehörde aufzunehmen.”

Ziel soll es sein, den „Fliegerberg an das städtische Wanderwegenetz anzubinden und touristisch in Wert zu setzen”.

Dass es sich bei diesem „Fliegerberg”, auch „Flughügel” genannt, um ein „Denkmal aus den Anfangstagen der Segelfliegerei handelt”, dies hat der frühere Monschauer Bürgermeister und Vorsitzende des Geschichtsvereins, Walter Scheibler, schon erklärt.

Offermanns erste Versuche 1908 mit einem selbst gebauten Gleitflugzeug bei Seffent (in der Nähe von Aachen) brachten nicht den erhofften Erfolg, weil dort die Windeinflüsse ungünstig waren. Bessere Windverhältnisse gab es dagegen im Venn. Daher kam Erich Offermann (am 9. Juli 1885 in Aachen geboren) auf die Idee, im Venn bei Mützenich, nahe an der Straße von Mützenich nach Eupen, einen etwa 200 Meter langen Erdhügel aufwerfen zu lassen. Mit den Arbeiten dazu wurde Mitte 1909 begonnen, im Frühjahr 1910 begann Erich Offermann (einer die Pioniere der Gleitflugzeuge) dann mit den Flugversuchen, wie auch einer Notiz im Montjoier Volksblatt vom 19. März 1910 zu entnehmen ist: „Von einem angefahrenen großen Erdhügel soll demnächst mit den Flugversuchen begonnen werden.” Die Flugmaschinen dazu waren in einer Halle untergebracht, die von „Aachener Aviatikern” zwischen dem Platte-Venn und der Eupener Landstraße errichtet worden war.

Zahlreiche Flugversuche

Die Projekte Flughügel und Halle waren so etwas wie „Geheimnisse”, denn am 10. Juli 1909 ist im Montjoier Volksblatt zu lesen: „Im Venn hinter Mützenich waren seit einiger Zeit ca. 30 Mann mit Erdarbeiten beschäftigt im Auftrag einer auswärtigen Gesellschaft. Zum Bau einer großen Halle wurde in den letzten Tagen eine Partie Bauholz angeliefert. Über den Zweck war Zuverlässiges nicht zu erfahren.”

Rudolf L. Beck, ein Neffe Erich Offermanns, beschreibt den Hügel (erdbodengleicher Beginn und gleichmäßiger Anstieg) und das Innenleben so: „In dem Erdhügel befand sich ein hölzerner Schacht, der etwa bis vier Meter unter der Erdoberfläche reichte. Darin konnte mit einer Winde ein Gewicht von etwa 300 Kilogramm hochgezogen werden, dessen Auslösung dann einen Schlitten und damit gleichzeitig ein Gleitflugzeug in Bewegung setzte. Hier machte Offermann zwischen 1910 und 1912 mit zwei weiteren selbst gebauten motorlosen Flugzeugen zahlreiche Flugversuche.”

Ab 1925 nahm Erich Offermann an vielen deutschen und internationalen Flugwettbewerben und Rundflügen teil. Im Juli 1930 fand er dann als Teilnehmer des Europa-Rundfluges durch einen tragischen Unglücksfall bei der Landung auf dem Flugplatz von Lyon in Südfrankreich den Fliegertod.

Längst ist der Erdhügel unter den Bäumen und dem Gestrüpp im Venn verschwunden. Und kein Pfad führt mehr dorthin. Zudem liegt der „Flughügel” auf belgischem Hoheitsgebiet. Mützenichs Ortsvorsteherin Jacqueline Huppertz hat Beiträge im Jahrbuch „Monschauer Land” und zuletzt in der Lokalpresse aufgegriffen, und bei der Stadt einen Antrag eingebracht, den „Flughügel” nach Möglichkeit wieder zugänglich zu machen, weil der Fliegerberg im Venn bei Mützenich „zweifellos ein technisches Denkmal ersten Ranges ist”.

Wanderwege werden geordnet

In einem ersten Gespräch, so berichtete Bürgermeisterin Margareta Ritter im Wirtschaftsausschuss, habe sich der Direktor des zuständigen Forstamtes Elsenborn, René Dahmen, „positiv” geäußert - dies auch aus diesem Grunde: Die Feuerwehr der Stadt Monschau zeige sich verantwortlich, wenn es um den Schutz des Hohen Venns gehe. Die Wanderwege im belgischen Venn bei Mützenich werden derzeit neu geordnet. Die Stadt wird sich nun darum bemühen, dass ein (neuer) Weg zum „Fliegerberg” an das deutsche Wegenetz angebunden werden kann.
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