Finanzkrise und Energiewende stehen beim Neujahrsempfang im Mittelpunkt

Von: Helga Giesen
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Energie und Geld: Dr. Heinz-Willi Mölders, Vorstandsmitglied der RWE Mölders und Bürgermeister Manfred Eis (links) sprachen über die Herausforderungen der Gemeinde Roetgen. Foto: Helga Giesen

Roetgen. „ Da ist eine große Mannschaft an Bord“, freute sich Roetgens Bürgermeister Manfred Eis beim Blick in den voll besetzten Ratssaal. Eine große Gästeschar war am Samstagmorgen seiner Einladung zum traditionellen Neujahrsempfang der Gemeinde gefolgt.

Neben zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern aus dem Vereins- und Geschäftsleben, Vertretern aus der örtlichen Politik und Verwaltung sowie von Institutionen wie Polizei und Feuerwehr, Schule und Kindergärten begrüßte der Verwaltungschef unter anderem die Pfarrer Wolfgang Köhne und Hans-Georg Schornstein als Vertreter der Kirchen. Neben dem stellvertretenden Städteregionsrat Hans-Josef Hilsenbeck galt ein Willkommen auch der Amtskollegin bzw. den -kollegen aus Monschau, Simmerath, Lontzen und Raeren.

Aldi-Markt und Sekundarschule

Dass der Bürgermeister Anlass hatte, auch den Sparkassen-Vorstandsvorsitzenden Hubert Herpers und Mitarbeiter der beiden örtlichen Geldinstitute sowie einige Vertreter des RWE mit dem Vorstandsmitglied Dr. Heinz-Willi Mölders an der Spitze besonderes zu begrüßen, zeigte sich in seiner Bilanz des abgelaufenen Jahres bzw. dem Blick auf das Jahr 2013. Finanzkrise und Energiewende waren hier die beherrschenden Themen. Musikalisch begleitet wurden der offizielle Teil des Empfangs und der anschließende angeregte Meinungsaustausch vom Jugendorchester des Musikvereins Rott unter der Leitung von Heinz Hilgers.

Zunächst ließ Manfred Eis einige für die Kommune bedeutsame Ereignisse aus dem Jahr 2012 Revue passieren. Dazu zählten unter anderem die Eröffnung des Aldi-Marktes an der Bundesstraße sowie des neuen AWO-Kindergartens an der Hauptstraße und auch die Grundschüler konnten aus den Containern wieder in ihre jetzt sanierten Klassenräume umziehen. Mit der Mitgliedschaft im Zweckverband unterstützt die Gemeinde die Einführung der Sekundarschule Nordeifel.

Neue Konzessionsverträge für Gas und Strom wurden mit EWV und RWE abgeschlossen. Am Bauhof wurde ein kleiner Wertstoffhof in Betrieb genommen und das Dach der Gemeindesporthalle wurde mit einer großen Photovoltaikanlage ausgestattet. In einer vom RWE gesponserten Solarpotenzial-Dachanalyse für rund 6000 Gebäude können sich jetzt auch private Hauseigentümer im Internet informieren, ob eine Ausstattung ihres Hausdachs mit Photovoltaik und Solarthermie sinnvoll ist.

Als einmalige Einrichtung im weiten Umkreis konnte auf dem Friedhof an der Hauptstraße eine Gedenkstätte für nicht bestattungspflichtige Kinder eingeweiht werden. Mit der Ausweisung von zwei neuen Baugebieten an der Greppstraße trägt die Gemeinde dem prognostizierten vierprozentigen Bevölkerungszuwachs Rechnung. Damit hebe sich das „Tor zur Eifel“, wie Roetgen sich jetzt offiziell nennen darf, von den meisten anderen Kommunen ab, freute sich der Verwaltungschef.

Die Aktivitäten des kommenden Jahres seinen geprägt durch die desolate Haushaltslage der Gemeinde, dennoch seien vorbehaltlich der Beschlüsse durch den Gemeinderat zahlreiche Maßnahmen wie die Anlage eines ÖPNV-Verknüpfungspunktes an der Bundesstraße, die Anschaffung eines Einsatzleitwagens für die Feuerwehr, die Erneuerung des Kunstrasenplatzes, die Aufrüstung der Gemeindesporthalle zum Veranstaltungsraum oder die Verbesserung der Internetanbindung vorgesehen.

Einen großen finanziellen Kraftakt werde der Gemeinde die Restabwicklung der Schule einschließlich der energetischen Sanierung abverlangen. Zum trotz des Roetgener Widerspruchs geplanten Windpark im Münsterwald durch die Stadt Aachen merkte Manfred Eis an, dass die Gemeinde hier hoffentlich nicht eines Tages erkennen müsse, eine große Chance verpasst zu haben.

Mit 8 Millionen in der Kreide

Abschließend widmete sich der Bürgermeister noch einer ebenso trockenen wie unerfreulichen Materie, den kommunalen Finanzen im Allgemeinen. Nur 11 von 396 Städten und Gemeinden in NRW sind schuldenfrei, ein Drittel der Kommunen befinden sich wie Roetgen im Nothaushaltsrecht. Die Gemeinde steht mit rund 8 Millionen Euro in der Kreide, hinzu kommt ein Kassenkredit in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Diese Kassenkredite, die ursprünglich als „Liquidationsüberbrückungskredit“ – im Privatleben als „Dispo“- oder Überziehungskredit bekannt – gedacht waren, würden aber häufig zur Dauerfinanzierung herangezogen und müssten ehrlicherweise zu den langfristigen Krediten hinzugerechnet werden. Es gebe bereits Kreditinstitute, die angesichts dieser desolaten Lage keine bzw. nur noch eingeschränkt Kredite an Nothaushaltsgemeinden vergeben würden, erklärte Eis. Bei den hiesigen Instituten fühle sich die Gemeinde jedoch gut aufgehoben, betonte er.

Als Lösungsmöglichkeiten, um aus der Krise herauszukommen, nannte er unter anderem eine Ausgabenreduzierung auf das unbedingt notwendige Maß, verbunden mit einer konsequenten Verfolgung aller rechtlich zustehenden Einnahmen sowie die Reduzierung von gemeindlichen Standards und die Übernahme von öffentlichen Aufgaben durch Ehrenamtler. Besonders wehtun werde ein Dreh an der Steuerschraube, weil es auch in vielen privaten Haushalten schon zappenduster aussehe. Vor allem aber dürften nicht mehr von denen „oben“, sprich Bund und Land, Gesetze beschlossen werden, die von denen „unten“ finanzwirtschaftlich bewältigt werden müssten.

Vom Thema Geld zum Thema Energie leitete der Bürgermeister über durch die Vorstellung seines Gastredners Dr. Heinz-Willi Mölders, Vorstandsmitglied der RWE Deutschland AG und somit auch Vertragspartner der Gemeinde Roetgen. Die Energiewende in Texten festzuschreiben sei kein Problem, die Umsetzung eine andere Sache, stellte dieser fest. Er sah sie als eine große Herausforderung, war aber überzeugt, dass sie zu schaffen sei.

Ungeeignete Leitungen

Er ließ kurz die regenerativen Energien von Biogas über Photovoltaik bis Windkraft Revue passieren, die in der Bevölkerung unterschiedliche Akzeptanz finden, je nachdem, wie viel auch der Einzelne daran verdienen kann und erläuterte auch die Herausforderungen der Stromspeicherung und des Transportes. Früher seien Strippen gezogen worden, bis auch das letzte Dorf in der Eifel mit Strom versorgt war, heute würden hier vor Ort dank Photovoltaik und Windrädern Überschüsse erzeugt, die mit dafür ungeeigneten Leitungen eingesammelt werden müssten, machte er das Problem deutlich.

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