Fiffi-Fahndung: Warum Roetgen auf den Hund kommt

Von: Christoph Classen
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Glasklarer Fall für Gaby Kulartz: Weil er derart präsent hinter der Scheibe sitzt, ist dieser Hund vom Herrchen kaum zu leugnen. Foto: C. Classen

Roetgen. Es gibt da eine Anekdote, Gaby Kulartz weiß gar nicht, wie oft sie sie bereits erzählt hat, die verdeutlicht ganz gut, warum sie sich bei ihrer Arbeit ein Lachen manchmal nicht verkneifen kann.

Kulartz stand also an dieser Haustüre, vor ihr ein Mann, daneben sein Irischer Wolfshund und Kulartz fragte, ob zum Haushalt auch ein Hund gehöre. Nein, sagte der Mann, und was da neben ihm säße, sei ein Pony. Auch nachdem das Tier einen Laut von sich gegeben hatte, der verdächtig nach Bellen klang, blieb das Herrchen, das keines sein wollte, bei seiner Version.

Derart kuriose Geschichten erlebt Kulartz nicht täglich, andere Ausreden, warum für einen Hund keine Steuern bezahlt wurden, hört sie dagegen häufiger. „Gehört mir nicht. Zu Besuch. Nur in Pflege”, nennt sie eine kleine Auswahl.

Gaby Kulartz ist Projektleiterin bei einer Dürener Firma, die sich Springer Kommunale Dienste nennt. Das Unternehmen wurde von Roetgens Verwaltung beauftragt, zu ermitteln, wie viele Hunde im Gemeindegebiet unterwegs sind. Und vor allem geht es darum, herauszufinden, für welche bellenden Vierbeiner Steuern bezahlt werden und für welche nicht.

Hundebestandsaufnahme heißt die Aktion offiziell, Roetgens Bürgermeister Manfred Eis erklärt die Beweggründe dafür. Er sagt, es gehe vor allem um Steuergerechtigkeit. „Es kann ja nicht sein, dass der eine schön und brav für seinen Hund bezahlt und der andere nicht”, meint Eis. Und ja, dass die Aktion auch mit Blick auf die Konsolidierung des Haushalts attraktiv erscheint, „will ich nicht leugnen”, sagt der Bürgermeister.

Deswegen sind derzeit vier Mitarbeiter von Springer Kommunale Dienste in Roetgen unterwegs, von Straße zu Straße, Haustür zu Haustür. „Schönen guten Tag. Wir machen eine freiwillige Umfrage im Auftrag der Gemeinde. Haben Sie einen Hund?”, spult Kulartz routiniert ihren Text ab, sobald jemand die Tür öffnet. Sie hat Erfahrung in dem Job, seit 15 Jahren macht sie ihn. Als Projektleiterin ist sie meist nicht mehr auf den Straßen unterwegs, aber um zu zeigen, wie es läuft, macht sie an diesem Tag eine Ausnahme.

Roetgen, Greppstraße, früher Nachmittag: Kein Wolke ist am Himmel als Kulartz loszieht. Die Luft riecht nach Frühling und in manchen Vorgärten blüht es schon. Am ersten Haus klingelt Kulartz einmal, sie klingelt zweimal und als sie sich bereits herumdreht, um weiterzugehen, öffnet eine ältere Frau im ersten Stock das Fenster. „Schönen guten Tag. Wir machen eine freiwillige Umfrage. . .” und so weiter. Nein, einen Hund habe sie nicht, aber jede Menge Katzen, die liefen ihr nämlich dauernd zu, sagt die alte Frau. Für Kulartz ist die Sache damit erledigt.

Natürlich könnte sie ihre Spürnase einsetzen, den Müll durchwühlen oder den Postboten befragen, um herauszufinden, ob jemand tatsächlich keinen Hund hat, oder das nur behauptet. Aber erstens darf Kulartz das nicht und zweitens sei das auch gar nicht nötig. „Es funktioniert auch so ganz gut”, sagt sie.

Schließlich habe allein die Ankündigung der Fiffi-Fahndung dazu geführt, dass 38 Hunde bei der Gemeinde angemeldet wurden. Bürgermeister Eis bestätigt das: „Die bringen uns schon 3000 Euro Mehreinnahmen.” Vor Beginn der Hundebestandsaufnahme seien in Roetgen für etwa 670 Hunde jährlich insgesamt 51.000 Euro bezahlt worden.

Darüber, wie viel die Aktion die Gemeinde voraussichtlich kosten wird, möchten weder Kulartz noch Eis Angaben machen. „Das ist erfolgsabhängig”, sagt der Bürgermeister, für jeden neu entdeckten Hund gebe es einen bestimmten Betrag. „Mit Sicherheit werden wir die Kosten noch in diesem Jahr eingenommen haben”, hofft Eis. „Wir versuchen, dass es sich im ersten Jahr amortisiert. Das klappt auch meistens”, sagt Kulartz. Anders würden sie ihre Dienstleistung an die chronisch klammen Kommunen wohl auch nicht verkaufen können. Mit der Aussicht auf schnelle Mehreinnahmen läuft das Geschäft aber ganz gut.

Roetgen, ein hartes Pflaster

Kulartz hat Hunde von Kiel bis Erlangen gezählt. Gerade ist sie aus Stuttgart zurückgekommen, in Mönchengladbach und Görlitz war sie auch schon. In Roetgen sei die Arbeit vergleichsweise mühsam, die Straßen sind lang, statt Mehrfamilien- bestimmen freistehende Häuser das Bild.

So wie in der Greppstraße. Die Bilanz nach etwa 45 Minuten: Neun Häuser, in einem lebte ein angemeldeter Hund, in vier keiner und in vier weiteren stand Kulartz vor verschlossenen Türen. Dass sie da war, merkt trotzdem jeder. Kulartz wirft ein gelbes Infoblatt in die Briefkästen. Auf der Rückseite findet sich ein Anmeldebogen und damit der schnellste Weg, dem vierbeinigen Freund zum legalen Hundeleben zu verhelfen.
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