Feuerwehrmann geht eigenen Pilgerweg

Von: ho
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Feuerwehrmann Jochen Frank ist auf seinem „eigenen“ Pilgerwanderweg unterwegs: Am Samstag ist er zu seiner dritten Etappe auf dem Weg von Lammersdorf nach St. Florian in Oberösterreich aufgebrochen. Foto: Karl-Heinz Hoffmann

Simmerath. Was ist schon der Jakobsweg, wenn man sich einen eigenen Pilgerwanderweg kreieren kann. Mit diesem Gedanken ist Jochen Frank im vorigen Jahr zwar nicht an sein Projekt herangegangen, jedoch entstand bei ihm irgendwann die Idee, in das gut 1000 Kilometer entfernte St. Florian in Oberösterreich zu wandern.

Den Ort wählte Frank nicht von ungefähr. Der Heilige Florian, nach dem die österreichische Marktgemeinde benannt wurde, ist bekanntlich der Schutzpatron der Feuerwehrleute und Jochen Frank ist bei der Lammersdorfer Wehr Oberfeuerwehrmann mit Herz und Blut.

In der Marktgemeinde St. Florian, die rund 20 Kilometer von Linz (Donau) entfernt liegt, befindet sich neben einem Klosterstift und einem heilkräftigen Brunnen zudem ein Feuerwehrmuseum. Für Frank also genug Gründe, sich dorthin aufzumachen.

Der 40-jährige Lehrer für Mathematik und Physik an der Privatschule Conventz in Roetgen räumt ein, dass er in Sachen Feuerwehr ein Spätentwickler war. „Ich bin erst mit 37 Jahren zur Feuerwehr in Lammersdorf gekommen, habe aber darin ein Hobby gefunden, das zwar viel Zeit in Anspruch nimmt, aber auch viel bietet“, erklärt er.

Den Plan, sich auf Schusters Rappen von Lammersdorf nach St. Florian auf den Weg zu machen, hat er im vorigen Jahr mit einer ersten Etappe in Angriff genommen. 2014 ging es in fünf Tagen von Lammersdorf nach Koblenz (135 Kilometer). „Bei der Planung habe ich mich an offiziellen Wanderwegen orientiert und bin ansonsten aber meinen eigenen Weg gegangen“, erläutert der wanderbegeisterte Feuerwehrmann.

Dabei ergaben sich auch schon einmal ungewöhnliche Übernachtungsstellen. In Blankenheim konnte Frank das Pilgerzimmer der Kirchengemeinde für die nächtliche Erholungsphase nutzen. Ansonsten übernachtet er in vorgebuchten Jugendherbergen und Privatpensionen. Eine nächtliche Ruhepause in einem Segelfliegerquartier ist in diesem Jahr aber auch dabei.

In diesem Jahr schnürte Frank dann Karneval erneut Rucksack und Wanderschuhe. Von der zuletzt erreichten Etappe in Koblenz ging es durch das Lahntal bis Limburg und weiter nach Butzbach bei Gießen. 130 Kilometer schlugen dafür zu Buche.

Am vergangenen Samstag hat Jochen Frank das dritte Teilstück seiner Pilgerwanderung in Angriff genommen. Zum zuletzt erreichten Butzbach ging es zunächst einmal mit dem Zug. Per Pedes machte er sich von dort über den Vogelsberg nach Fulda auf, wo ein Besuch des Deutschen Feuerwehrmuseums anstand. Über die Wasserkuppe ging es dann weiter nach Coburg. „Dort war quasi Halbzeit“, erläutert Frank, „nun habe ich von den insgesamt 42 Tagesetappen mit rund 1000 Kilometern gut 500 Kilometer mit 20 Etappen geschafft“.

Im nächsten Jahr geht es dann von Coburg durch das Fichtelgebirge zum Bayrischen Wald und auf dessen Kammlinie über das Dreiländereck Deutschland/Österreich/Tschechien nach Linz. „Für 2017 habe ich dann das Erreichen des Ziels in St. Florian geplant“, sagt Jochen Frank.

Zeit zur Ruhe und Selbstfindung

Zu seiner Motivation erklärt der wanderlustige Feuerwehrmann, dass er schon immer gerne gewandert sei. Dabei wurden unerschlossene und wenig begangene Wege von ihm bevorzugt. „Daher folge ich auch hier weitgehend Langstreckenwanderwegen, die im Zuge der Premiumisierung und Zertifizierung der Wanderwege ein wenig aus der Mode gekommen sind und von den Tourismusbüros nicht beworben werden“, erklärt er dazu und ergänzt: „Der Europäische Fernwanderweg E8 führt sogar durch Lammersdorf und im weiteren Verlauf auch nach Oberösterreich, aber um die Feuerwehrmuseen in Fulda und Bayreuth mitzunehmen, habe ich die Nordroute gewählt, die zudem 150 Kilometer kürzer ist.“

Bei seinen Wanderungen nutze er die Zeit zur Ruhe und Selbstfindung, Inspirationen für die Zukunft, aber auch um Kontakte zu anderen Wanderern zu knüpfen. „Es ist immer wieder schön, die Natur in ihrer Vielfalt, aber auch den sich langsam vollziehenden Wechsel der Landschaft, der Baustile, der Vegetation und vor allem die kleinen Sehenswürdigkeiten mit ihren Geschichten am Wegesrand in sich aufzunehmen“, sagt Frank.

Wo es sich einrichten lässt, wird Rast gemacht. Natürlich möglichst in der Nähe von Feuerwehrhäusern. Da komme man sogar manchmal mit Kollegen ins Gespräch. So wurde er im vorigen Jahr in der Osteifel von einem Rettungsassistenten angesprochen, ob er Hilfe brauche. Ein kurzer Meinungsaustausch der beiden Wehrleute folgte und weiter ging es dann auf dem richtigen Weg zum Laacher See.

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