Festspiele Monschau: Im Wandel der Zeit

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Für die inhaltliche Konzeption und Ausführung des Ausstellung verantwortlich: Franz Wilhelm Hermanns, Dr. Bernd Läufer, Dr. Elmar Neuß, Dr. Toni Offermann, Gabriele Harzheim und Hans-Gerd Lauscher vom Geschichtsverein des Monschauer Landes. Foto: P. Stollenwerk

Eifel. Die Fahnen wehen bereits in der Stadt, die Jugendherberge auf der Burg gleicht einem Durchgangslager und die temporären Wegweiser sind montiert: Es wieder Festspielzeit in Monschau. Vom 16. bis 25. August steigt im Burghof die 13. Auflage der Monschau-Klassik.

Aus Anlass dieses kulturellen Höhepunktes in der Region wird am Samstag, 17. August im Haus der Stadtgeschichte Monschau am Holzmarkt die Ausstellung „Heimatspiele - Festspiele - Klassik“ eröffnet. Die vier Phasen der Festspieltradition in der Altstadt seit dem Jahr 1926 werden in einer an Dokumenten und Fotos reichhaltigen Ausstellungen präsentiert.

Schon beim ersten Blick wird deutlich, dass das Geschehen auf der Burg in jeder der vier Phasen seinen Charakter und eine eigene Intention besaß und ein Abbild des Zeitgeistes darstellt. Gemeinsam ist allen vier Anläufen, dass die Förderung des Fremdenverkehrs eine wichtige Rolle spielte, erst recht nachdem das Textilgewerbe im beginnenden 20. Jahrhundert als einst führender Wirtschaftszweig in Monschau an Bedeutung verlor.

Die Schauspielerei eroberte die Burg erstmals im Jahr 1926. Über 150 Monschauer Laiendarsteller unter Leitung des Zeichenlehrers Hans Kraft führten „Das Tellspiel der Schweizer Bauern“ auf, nicht zu verwechseln mit dem Schiller-Klassiker. „Die ganze Stadt spielte sozusagen mit bei diesen Aufführungen“, sagt Elmar Neuß, der Vorsitzende des Geschichtsvereins des Monschauer Landes und einer der Kuratoren der Ausstellung.

Der nach dem 1. Weltkrieg aufkommende Patriotismus und die Welle der auch in Eifel der aufkommenden Heimatspiele verhalfen auch den Monschauer Heimatspielen zu einem guten Start. Von Mai bis September 1926 besuchten 5500 Zuschauer die sechs Tell-Aufführungen.

1928 folgte die Aufführung von „Land in Not“, ein lokalgeschichtliches Schauspiel mit Bezug zum 30-jährigen Krieg, das der in Konzen tätige Lehrer Heinrich Capellmann verfasst hatte. Das Stück mit hohem Kostümaufwand wurde trotz des großen Publikumserfolges erst 1932 erneut aufgeführt. Zu den acht Aufführungen mit 200 Monschauer Laiendarstellern kamen 9000 Besucher. Danach legte sich die Begeisterung zunächst einmal.

Schon damals ist in den Aufzeichnungen nachzulesen, dass das schlechte Wetter als eine ernsthafte Bedrohung finanziellen Kalkulation betrachtet wurde.

Der zweite Anlauf der Festspiele startete im Jahr 1938. Das dokumentarische Material in der Ausstellung unterstreicht, dass die Aufführungen stark in den Dienst der nationalsozialistischen Ideologie gestellt wurden und auch kluge Köpfe in Monschau sich davon mitreißen ließen.

In Verbindung mit baulichen Neugestaltung des Burghofes in eine Versammlungsstätte (im Juni 1937 bereits fand hier der NSDAP-Kreisparteitag statt) kam es am 10. Juli 1938 zur Aufführung von Ludwig van Beethovens Oper „Fidelio“ auf der Freilichtbühne der Burg. Rund 300 Helfer und Statisten aus Monschau sowie die Hitlerjugend und dem Bund deutscher Mädel wirkten mit, wobei trotz ausverkaufter Aufführung die Veranstaltung wegen ihrer hohen Kosten ein Misserfolg wurde. Der teuerste Platz kostete drei Reichsmark.

Auf dem Plakat wird zwar als musikalischer Leiter der Monschauer Aufführung der damalige Generalmusikdirektor des Stadttheaters Aachen, Herbert von Karajan genannt, tatsächlich aber stand Kapellmeister Otto Söllner am Dirigentenpult.

Franz Grillparzers Stück „König Ottokars Glück und Ende“ wurde 1939 auf der Burg Monschau aufgeführt und ganz in den Dienst der Legitimierung des aggressiven nationalsozialistischen Außenpolitik gestellt und war ein Minusgeschäft. Zu den drei Aufführungen kamen unter anderem 200 Mann von der Ordensburg Vogelsang. Die bereits geschmiedeten Pläne für die nächste Aufführung im Jahr 1940 wurde durch den Kriegsbeginn jäh gestoppt.

Der größte Teil der Ausstellung widmet sich dem dritten Aufleben der Festspiele von 1947 bis 1954. Zu verdanken ist die rasche Wiederaufnahme nach dem 2. Weltkrieg dem überaus leidenschaftlichen Wirken von Herbert W. Kranzhoff (1908 - 1990). Der aus Breinig stammende Musiker war seit 1946 als „Chormeister“ des städtischen Gesangsvereins Monschau vor Ort und hatte schon bald ein umfassendes Kulturprogramm etabliert, womit er den Grundstein für die Wiederaufnahme der Festspiele unter dem Motto „Dem Frieden der Völker“ legte. Kranzhoff übernahm auch die Leitung des 1947 gegründeten Kulturrings Monschau.

Elmar Neuß, in dieser Zeit selbst Mitglied im Gesangverein, weiß zu berichten, dass der Wiederbeginn der Festspiele „von einer finanzstarken und begeisterungsfähigen Bürgerschaft“ getragen wurde.

Die Euphorie war so groß, dass es 1948 sogar konkrete Überlegungen gab, für 950.000 Mark eine überdachte „Halle des Friedens“ zu errichten. Herbert W. Kranzhoff hatte Kontakte bis in die höchsten Ebenen der Musikszene, ja es existiert sogar ein Brief aus dem Jahr 1951 an Picasso, worin der künstlerische Leiter das Malergenie darum bittet, eine Ausstellung anlässlich des Monschauer Festspiele mit „einigen Zeichnungen oder Skizzen“ zu unterstützen.

In den acht Jahren der Nachkriegs-Festspiele kamen 14 Schauspiele in 49 Vorstellungen und 10 Opern bei 19 Darbietungen auf der Burg bzw. vor dem Roten Haus zur Aufführung.

Als alleiniger Leiter der Festspiele mit hohen künstlerischen Anspruch waren für Kranzhoff Konzessionen an den Publikumsgeschmack ausgeschlossen. Ständige finanzielle Defizite, nicht zuletzt verursacht durch die unsicheren Wetterverhältnisse, sorgten für immer mehr Konfliktstoff, so dass Kranzhoff, inzwischen auch Leiter des Kulturdezernates der Kreisverwaltung, im April 1952 enttäuscht die Festpielstadt Monschau verließ und fortan in Bergisch-Gladbach lebte.

Nach Kranzhoffs überraschendem Abgang verflachte das Niveau der Spiele. 1954 fielen Veranstaltungen in der Publikumsgunst durch, dazu litten die Aufführungen auch noch unter den regenreichen Sommern am Hohen Venn. Die Bereitschaft der politischen Gremien, die chronischen Defizite auszugleichen, ließ stark nach und aus der angedachten Unterbrechung der Spiele wurde eine fast 50-jährige Vakanz.

Die bislang zeitlich längste zusammenhängende Phase der Festspiele wurde im Jahr 2000 mit dem Beginn der Monschau-Klassik eingeläutet. Dieser erneuten Wiederbelebung widmet die Ausstellung aber nur bescheidenen Raum. Die Ausstellungsmacher sind selbst ein wenig überrascht von der überschaubaren Präsentation, doch bei der Suche nach Dokumenten aus der jüngsten Zeit habe sich erstaunlich wenig verwertbares Material gefunden.

Die Festspiele der Neuzeit gehen zurück auf eine Initiative des Unternehmers und Monschauer Ehrenbürgers Hans Georg Weiss. Durch eine mobile Tribüne wurden 1250 Sitzplätze im Burghof geschaffen. Am 29. Juni 2000 war mit der Verdi-Oper „Rigoletto“ Premiere vor ausverkauftem Haus.

Bei insgesamt sechs Aufführungen (plus eine Opern-Gala sowie Romeo und Julia) kamen 6500 Besucher. 2002 kamen sogar 14.500 Gäste, 2003 wurde eine feste Bühnenüberdachung errichtet. Regenponchos für die Besucher fehlen dennoch bei keiner Klassik.

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