„Festspiele Monschau“: Die Burg als Spielort von 1926 bis heute

Von: mon
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Dr. Elmar Neuß und Dorit Schlieper, Zeitzeugen der „Festspiele Monschau“. Foto: V. Monterey

Monschau. Pünktlich zur Monschau Klassik wurde am vergangenen Samstag eine Ausstellung zum Thema „Festspieltradition“ im Haus der Stadtgeschichte am Holzmarkt in der Monschauer Altstadt eröffnet. Die Ausstellung beleuchtet die Zeit zwischen 1926, als zum ersten Mal die historischen Kulisse des Burghofes als Bühne genutzt wurde, bis heute.

Der Geschichtsverein des Monschauer Landes, allen voran Dr. Elmar Neuß als erster Vorsitzender und Gabriele Harzheim als zweite Vorsitzende, sowie Franz Wilhelm Hermann, Dr. Bernd Läufer, Dr. Toni Offermann und Hans-Gerd Lauscher haben in Zusammenarbeit mit der Stadt und mit der finanziellen Unterstützung des Landschaftsverbandes Rheinland und der Unterstützung des Fördervereins Monschau-Klassik, unter dem Vorsitz von Dorit Schlieper eine interessante Ausstellung realisiert, welche die „Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet“, so Bürgermeisterin Margareta Ritter während der Begrüßungsansprache vor über 30 Gästen (darunter HA Schult) und im Beisein des Altstadt-Ortsvorstehers Georg Kaulen und des Städteregionsrates Helmut Etschenberg.

Zum 90-jährigen Bestehen der Monschau-Klassik bedankte sich Dorit Schlieper bei allen Beteiligten, Förderern und Sponsoren, „ohne sie könnte die Klassik nicht existieren“.

Elmar Neuß fasste in einer ausführlichen Rede den Inhalt der Ausstellung zusammen und den dazu erschienenen Katalog „Heimatspiele, Festspiele, Klassik“ vom Haus der Stadtgeschichte. Die gesammelten Exponate: Plakate, Fotografien, Dokumente, Bühnenbildentwürfe, Eintrittskarten und vieles mehr stammen bis auf den Inhalt einer einzigen Vitrine aus dem eigenen Archiv (dem Archiv der Stadt Monschau, der Bibliothek und Sammlung des Geschichtsvereins des Monschauer Landes und den Altakten des ehemaligen Kreises Monschau der Städteregion Aachen), die Recherchen stammen aus eigener Hand.

Zeitzeugen seien „gute Lieferanten für Stimmungswiedergaben“, erklärte Neuß, doch weniger für Fakten. Hier müsse es „quellensicher zugehen“ und damit sei „Quellenkritik unerlässlich“. Ein gutes Beispiel dafür sei die Angabe, Herbert von Karajan würde, wie auf einem Plakat aus dem Jahr 1938 angekündigt, dirigieren. Tatsächlich habe er aber damals aus Krankheitsgründen das Konzert abgesagt.

Die gut recherchierte Ausstellung ist in vier Teile gegliedert. Der erste Teil beschäftigt sich mit der Zeit zwischen 1926 und 1932, als bei den Heimatspielen noch viele Laienschauspieler aus der Bevölkerung teilnahmen. Der Freiheitsgedanke beeinflusste damals das Spiel und die Auswahl der Stücke. So war es nicht verwunderlich, dass unter anderem Wilhelm Tell auf dem Spielplan stand, denn man wollte „den Heimatcharakter stärken“, so Neuß.

Blütezeit unter Kranzhoff

Der zweite Teil beschäftigt sich mit der NS-Zeit, den Jahren 1938 und 1939, als die Obrigkeit schnell das „Dirigat“ übernahm. Die Jahre 1947 bis 1952 beleuchtet die Ära der Nachkriegszeit, wohl der größte Teil der Ausstellung, als Herbert W. Kranzhoff die musikalische Leitung übernahm. Aus dem damaligen Gesangsverein entwickelte sich ein großes Kulturprogramm mit gehobenen Niveau. So standen zum Beispiel zwei Oratorien von Haydn und der „Messias“ von Händel auf dem Spielplan, die Kranzhoff selbst dirigierte. Sein Weggang im Jahre 1952 markierte einen spürbaren Einschnitt.

Der vierte Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit der Neuzeit mit der abermaligen Aufnahme der Festspiele. Auch hier spielt der Tourismus wieder eine große Rolle, und im Vergleich zu den Anfängen hat sich der Bühnenaufbau kaum geändert. „Die Raumsituation war immer dieselbe“, bestätigte Neuss, so auch die Probleme mit Regen, Verkehrsanbindung und Übernachtungsmöglichkeiten.

Besonders interessant ist die Zeit der Laienspielbewegung, als rund 150 Aktive der Stadt an den Festspielen beteiligt waren und man schwarze Zahlen schrieb, und die Nachkriegszeit, als sich aus dem Gesangsverein der Kulturring bildete – als Träger der Festspiele und gekaufte Aufführungen das Niveau enorm hoben.

Unter den Ausstellungsexponaten findet man auch Kuriositäten, so ein Regenversicherungsschein aus dem Jahre 1938, denn der größte Feind der Festspiele ist damals wie heute das Wetter geblieben – trotz des Bühnendaches, welches mit der finanziellen Unterstützung des Fördervereins angeschafft werden konnte.

Hochinteressant auch der Schriftverkehr mit bekannten Künstlern aus dem Jahre 1950 zur Ideenfindung und der Bitte, Beiträge zum Thema „Frieden“ für eine Friedensbibliothek beizusteuern, darunter Picasso (der leider nicht geantwortet haben soll), Otto Hahn, André Malraux und viele andere. Szenenfotos und Bühnenbildentwürfe vermitteln, welche Arbeit in der Vorbereitung der Festspiele steckte, so auch für die Monschau-Klassik, die seit dem Jahre 2000 von Hans-Georg Weiss in der heutigen Form wieder eröffnet wurde und dessen Erbin Dorit Schlieper, die neben ihrer Arbeit als Veranstalterin der gemeinnützigen GmbH des Monschauer-Klassik-Festivals die Arbeit ehrenamtlich fortsetzt.

Die Idee, eine Ausstellung zur Entstehungsgeschichte der Klassik auf die Beine zu stellen, ist damit endlich realisiert, und diese sei „klasse“, bestätigte Schlieper. Der 50-seitige Katalog aber sei „immer noch zu klein“, verriet Neuß. Die gesammelten Informationen würden ein „Buch füllen“.

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