Monschau - Festgottesdienst zum Jubiläum: Stadtkirche steht allen Menschen offen

Festgottesdienst zum Jubiläum: Stadtkirche steht allen Menschen offen

Von: Andreas Gabbert
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Sie freuen sich, dass ab Samstag wieder Gottesdienste in der evangelischen Kirche in Monschau gefeiert werden können: Bauleiter Frank Liedtke (links) und Pfarrer Jens-Peter Bentzin. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Neun Jahre haben die Arbeiten an der evangelischen Kirche in Monschau gedauert. Für lange Zeit konnten dort keine Gottesdienste mehr gefeiert werden, weil der Dachstuhl und die Decke einsturzgefährdet waren. Diese Gefahr ist nun vorbei, so dass die evangelischen Christen den 225. Geburtstag des Gebäudes am kommenden Samstag wieder in der Kirche feiern können.

Im Frühjahr 2005 hatten sich Risse in der Decke gezeigt. Eine aufwendige Untersuchung ergab, dass die Haube des Kirchturms abzustürzen drohte. Die Tragbalken und das statische Grundgerüst aus Holz waren marode. Die Gemeinde erhielt daraufhin von der Städteregion Aachen die Auflage, die Reparatur innerhalb von vier Wochen vorzunehmen. „Die anderen Alternativen waren, die Turmhaube abzunehmen oder die halbe Altstadt zu sperren“, erinnert sich Pfarrer Jens-Peter Bentzin. Im Presbyterium wurde schnell reagiert, und Bauleiter Frank Liedtke erhielt die Aufgabe, die Haube abzunehmen. In einer spektakulären Aktion wurde sie vor dem benachbarten Gemeindehaus abgesetzt und saniert.

„Durch die Risse wussten wir schon im Sommer 2005, dass das Tragwerk des Dachstuhls ebenfalls marode ist. Da war Bewegung drin“, erklärt Bentzin. Somit war klar, dass auch hier Handlungsbedarf herrschte. Diesmal erhielt die Gemeinde die Auflage, die Risse regelmäßig durch Fachleute überprüfen zu lassen.

Pfarrer Bentzin stellt die große Hilfsbereitschaft heraus, die die Gemeinde erfuhr. Sie selbst entwickelte kreative Ideen, um Spenden zu sammeln. Anlässlich des Weihnachtsmarktes 2005 wurde im Gemeindehaus das „Café Dachschaden“ eingerichtet. „Das haben wir noch einige Jahre so fortgesetzt“, sagt Bentzin. Die Mitglieder der Gemeinde kochten Kirchturmmarmelade, verkauften Kalender und Bastelbögen und riefen bei runden Geburtstagen zu Spenden für die Sanierung auf. So kamen insgesamt rund 250.000 Euro zusammen. „Im Vergleich zu anderen mit ähnlichen Problemen, ist das erheblich“, stellt Bentzin heraus. Bis heute wird in den Gottesdiensten für die Sanierung gesammelt. „Jeder Cent wird gebraucht“, sagt Bentzin.

1,9 Millionen Euro Kosten

Neben den zahlreichen Spenden erhielt die Gemeinde auch Mittel des Landes NRW für den Denkmalschutz. „So haben wir gelernt, mit Förderanträgen umzugehen“, erklärt der Pfarrer schmunzelnd. Außerdem wurde die Sanierung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Stiftung der EKD und mit Mitteln des Bundes gefördert. „Dafür ist die Anerkennung als Bauwerk von nationaler Bedeutung nötig. Meines Wissens ist die Kirche das einzige Gebäude in Monschau mit diesem Status“, sagt Bentzin. In Deutschland gebe es nur wenige Kirchen, die den Stil und Geist des ausgehenden 18. Jahrhunderts derart prägnant darstellten, das mache die Kirche so bedeutungsvoll.

Hinzu kamen Gelder des Kirchenkreises und der Landeskirche. Die Kirchengemeinde brachte ihre Ersparnisse ein und verkaufte Grundstücke und Häuser. „Das zeigt, welche enorme Aufgabe das war und es auch noch ist“, sagt Bentzin. Insgesamt kostete die Sanierung rund 1,9 Millionen Euro.

Ende Oktober des Jahres 2006 wurde die sanierte Kirchturmhaube unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit wieder aufgesetzt. Im Winter 2010 nahmen dann Zahl und Tiefe der Risse zu. Niemand konnte mehr garantieren, dass die Decke nicht während eines Gottesdienstes herunter kommt. Das Betreten des Kirchenraumes war nicht mehr zu verantworten. Im Februar 2010 wurde der Innenraum abgesperrt und die Gottesdienste bis zum September 2011 unter der Empore im Eingangsbereich abgehalten.

Im September 2011 beschloss das Presbyterium den Auftrag für die Sanierung der Decke und des Daches zu erteilen, und die Kirche wurde komplett gesperrt. Fortan wurden die evangelischen Gottesdienste in der Alten Katholischen Pfarrkirche an der Kirchstraße abgehalten. „Das war ein tolles Zeichen der Ökumene und nicht selbstverständlich“, sagt Pfarrer Bentzin.

Am vergangenen Wochenende wurde dort aber der vorerst letzte evangelische Gottesdienst gefeiert. „Wir kommen wieder nach Hause, ab dem kommenden Wochenende wird der Gottesdienst wieder hier gefeiert“, sagt Bentzin. Am Samstag, 16. August, wird um 15 Uhr in der evangelischen Kirche der 225. Geburtstag des Gebäudes gefeiert, in dem am 17. August 1789 der erste lutherische Gottesdienst gefeiert wurde. Geplant ist eine musikalische Andacht und am Samstag, 23. August, um 17 Uhr ein großer Festgottesdienst.

Zum ersten Mal einen Namen

Zum ersten Mal erhält die Kirche nun auch einen Namen. Fortan soll sie „Evangelische Stadtkirche Monschau“ heißen.

Es habe weitreichende Überlegungen gegeben, wozu die Gemeinde und die Stadt die Kirche brauchen. „Zum einen für Gottesdienste und Konzerte wie in den Jahrhunderten zuvor. Wir haben aber auch gemerkt, dass diese Kirche auch eine besondere Bedeutung für die Stadt hat“, sagt Bentzin. Die Kirche solle für alle Menschen offen sein, gleich welcher Konfession. Sie sollen die Kirche anders erleben können, „über das hinaus, was in den Gottesdiensten angeboten wird“.

Der Pfarrer spricht zum Beispiel von Ausstellungen, Lesungen, Diskussionsveranstaltungen und von einer Nutzung als Künstleratelier. „Wir wollen den Dialog mit den Menschen in der Stadt, mit den Bewohnern, insbesondere aber auch mit den Touristen. Dieser Ort soll für die Menschen da sein.“

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