Fernando Costa: Mit Hammer und Zange bearbeitet er Glas

Von: Ruth Weber
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Mit einem langen Metallrohr holt Fernando Costa die Rohmasse für eine Glasvase aus dem großen Schmelzofen.

Monschau. Ziehen, kneifen, blasen - das Handwerk eines Glasbläsers will gelernt sein. Ende des 1. Jahrhunderts vor Christus entdeckten die Phönizier das Glas. Fernando Costa hält die Tradition in Monschau am Leben. Seit 1996 stellt der 41-Jährige vor jährlich rund 15.000 Besuchern sein Können unter Beweis.

Gelernt hat der gebürtige Portugiese das Handwerk in seinem Heimatland. In alter Familientradition wies ihn sein Vater bereits mit zwölf Jahren in die Kunst der Glasherstellung ein. „ Es gibt jeden Tag etwas Neues zu lernen”, meint Fernando Costa. Lange Berufserfahrung und ständige Übung seien Voraussetzung.

Ein Tag im „Kühlofen”

Quarzsand, Pottasche, Feldspat und Kalk, die „Grundzutaten” für Glas, gibt der Kunsthandwerker in den großen Schmelzofen. Um eine bestimmte Farbe zu erhalten, fügt er das jeweilige Metalloxid bei: Kobalt für Blau, Silber für Gelb und Kupfer für Rot. Alle Bestandteile verschmelzen bei 1200 Grad Celsius zu einer zähen Masse.

Mit einem langen Metallrohr holt der Glasmacher dann einen glühenden Klumpen aus dem Ofen. Dabei sind Schnelligkeit und Geschick gefordert: Die Rohmasse kühlt um 20 Grad pro Sekunde ab.

Mit ein paar Hammerschlägen und Zangenkniffen stellt Fernando Costa blitzschnell filigrane Tierchen her. Pumpt er die Wangen voll mit Luft und pustet kräftig in die lange Röhre, weitet sich das Material und Hohlkörper entstehen. Damit die Masse schneller abkühlt, lässt Fernando Costa das noch immer glühende Glas durch die Luft kreisen.

Dabei behält er die Kontrolle und stellt das nun fast fertige Produkt sicher ab. Nach einem Tag im „Kühlofen” gewinnt das Endprodukt bei 400 Grad Celsius die gewünschte Stabilität und Härte und kann im Verkaufsraum angeboten werden.

„Von der Kaffeefahrt bis zum Schulausflug, unsere Glashütte ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Eifel”, ist die 65-jährige Verkäuferin stolz. Vom funkelnden Pferdchen bis zur edlen Vase - in der Monschauer Glashütte wird jeder Wunsch erfüllt.

Neben handgemachten Glasartikeln bietet die Eifeler Handwerksstätte noch einen besonderen Service: „Ich dachte schon, mein Lampenschirm sei für immer verloren. Aber Herr Costa kann bis morgen einen neuen machen.” Katharina Küppers aus Mützenich ist begeistert. Fernando Costa geht auf die Vorstellungen seiner Kunden genau ein. Bei größeren Mengen an formgleichen Glasgegenständen erstellt er eine Modelform aus Holz oder Aluminium.

Feuer ist das Element seiner Kunst. Schlimme Verbrennungen hat sich Costa aber noch nie zugezogen. Die Hitze macht dem Portugiesen nichts aus: „Der Sommer in Deutschland ist sowieso so kurz, da freue ich mich im Winter auf den warmen Ofen.”
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