Ferienwohnungen: Investoren setzen auf mehr Exklusivität

Von: Andreas Gabbert
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Das ehemalige Ingelmann-Haus an der Stadtstraße in Monschau: Anke Nuxoll-Oster hat das Gebäude gekauft und will dort eine exklusive Ferienwohung anbieten. Die Sanierung läuft momentan. Foto: A. Gabbert

Monschau. Im Gebiet der Stadt Monschau gibt es zurzeit 129 offiziell erfasste Ferienwohnungen mit 676 Betten. Die Tendenz ist steigend. Auch Anke Nuxoll-Oster aus Köln hat in der Monschauer Altstadt in Ferienwohnungen investiert. „Auf dem Rückweg von München bin ich in Rothenburg ob der Tauber vorbei gekommen und war fasziniert von der spektakulären Altstadt“, sagt sie.

Die Atmosphäre, die die gut erhaltenen Fachwerkhäuser ausstrahlen, gefiel ihr sehr. Nur der Weg von Köln war ihr zu weit. Also machte sie sich auf die Suche nach einer alten Fachwerkstadt in der Nähe. „Von Köln aus gesehen, ist Monschau nun mal die historische Stadt schlechthin“, sagt Nuxoll-Oster.

Im Jahr 2012 erwarb sie ein altes Tuchmacherhaus in der Stadt und sanierte es aufwendig. Seit September 2013 vermietet sie das Haus durchaus rentabel an Feriengäste. Von April bis Oktober ist das Haus durchgehend belegt. Die Auslastung liegt nach ihren Angaben bei insgesamt 85 Prozent. „Die Leute kommen wegen dem Haus, die Flusslage erzeugt ein besonderes Urlaubsgefühl. Monschau kommt dann noch obendrauf“, sagt Nuxoll-Oster.

Ihre Entscheidung, in Monschau zu investieren, hat sie nicht bereut – im Gegenteil. Im Januar dieses Jahres hat sie auch noch das ehemalige Ingelmann-Haus an der Stadtstraße gekauft, die Sanierung läuft momentan. „Dieses Haus hat meine Erwartung komplett übertroffen“, sagt die Geschäftsfrau.

Was ihr nicht gefällt ist der Leerstand vieler Gebäude in der Altstadt. „Da könnte noch etwas verbessert werden. Das hinterlässt einen komischen Eindruck“, sagt sie. Der Grund dafür erschließe sich ihr nicht. Die Gebäude seien toll und die Preise in Ordnung. „Ich verstehe nicht, warum es nicht mehr Investoren gibt, bei dieser tollen Substanz und dem Umfeld. Ich hoffe, dass sich mehr Leute begeistern und hier investieren.“

Mehr Investitionen in der Altstadt würde sich auch Bürgermeisterin Margareta Ritter wünschen. „Die Gäste in den Ferienwohnungen bleiben meist länger als eine Nacht. Eine Erneuerung des Angebots schafft außerdem Attraktivität und hilft uns bei der Konzentration auf Qualitätstourismus“, erklärt Ritter. Wettbewerb habe nie negative Auswirkungen und tue der Stadt gut. Letztlich entscheide der Gast. Daher seien alle gefordert, in ihre Angebote zu investieren.

Eine Konkurrenz sieht der Geschäftsführer des Carat-Hotels, Freek Suringh, in den Ferienwohnungen nicht, schließlich betreibt er selbst auch mehrere Ferienwohnungen. „Ich begrüße das absolut“, sagt er. Außerdem hoffe er, dass sich auch noch zwei bis drei große Hotels in Monschau ansiedeln. „Dann würden mehr Menschen diese wunderschöne Region entdecken.“ Davon würden dann schließlich alle profitieren.

Zurzeit gebe es zu wenig Betten und zu wenig hochqualitative Angebote. Der Tourismus sei die einzige Branche, die den klammen Nordeifelkommunen helfen könne, ihre Schuldenberge abzubauen. Davon würden auch andere Branchen profitieren und Arbeitsplätze würden geschaffen. Für die Ansiedlung von anderen Gewerbe sei die Entfernung zur Autobahn einfach zu groß.

Suringh will weiter in die Instandhaltung und Verschönerung des Carat-Hotels investieren, aber nicht in neue Projekte, dafür sei in der Vergangenheit zu wenig geschehen. „Das ist schade. Als Bürgermeister würde ich alles dafür tun, dass hier viel mehr passiert“, sagt Suringh.

Um mehr Investoren und Gäste zu gewinnen, müsste aus seiner Sicht vor allem die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen verbessert werden. „Leider ist das nur ein Gegeneinander und nicht ein großes Miteinander.“ Von Investoren und Gäste würde die Region aber als Ganzes wahrgenommen. Außerdem seien entscheidende Stellen nicht mit Experten besetzt. „Die wissen doch gar nicht, wovon sie reden. Die haben doch nie ein Hotel oder einen Ferienpark geleitet“, sagt der Geschäftsführer des Carat-Hotels. Wenn man die Region nach vorne bringen wolle, müsse es einen mit Tourismusexperten besetzten Arbeitskreis geben, der von den Kommunen unterstützt wird.

Suringh zählt eine Reihe von weiteren Gründen auf, die abschreckend wirken würden: zu wenig Engagement von Politik und Unternehmen, zu viele Geschwindigkeitskontrollen auf dem Weg von der Autobahn in die Eifel, die Präsentation im Internet etc..

Seiner Meinung nach müsse mehr Geld investiert und das Marketing verbessert werden. Dazu gehöre vor allem eine Internetseite, auf der die Attraktionen der Region gemeinsam vermarktet würden. „Die Monschauer denken, ihre Stadt wäre bekannt wie St. Tropez. Dem ist aber nicht so“, sagt Suringh.

Ein Problem sei auch die Ausstattung mancher Hotels und Ferienwohnungen. Zum Beispiel seien Duschen auf dem Flur heute den Gästen nicht mehr zuzumuten. Insbesondere am Wochenende würden viele Lokale auch zu früh schließen. Er könne zwar verstehen, dass es für viele Betriebe unattraktiv sei, Personal bereitzustellen, wenn in der Stadt abends nicht mehr viel los sei.

Dabei handele es sich aber um einen Teufelskreis. Wenn keine Lokale geöffnet hätten, kämen auch keine Gäste.„Es gibt Leute, die sich viel Mühe geben, die aber immer wieder auf Hindernisse stoßen. Jeder kocht hier sein eigenes Süppchen. Viele sind einfach müde und haben keinen Mut und keine Energie mehr“, sagt Suringh.

Die Auslastung des Carat-Hotels liegt nach Angaben des Geschäftsführers bei rund 80 Prozent. „Aber auch wir müssen rechnen“, sagt er. „Monschau ist für Tagesgäste toll, wenn es so bleibt wie es ist, ist es für Urlauber aber ein schwieriges Pflaster.“

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