Feldzug gegen eine verhasste Pflanze

Von: Andreas Gabbert
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Im Kampf gegen den Riesenbärenklau dringen sie tief ins Gestrüpp vor: Udo Thorwesten von der Unteren Landschaftsbehörde und die Mitarbeiter des gemeinnützigen Vereins Wabe e.V. Rasmin Özbay und Walter Bodden.

Lammersdorf. Mittlerweile nimmt Udo Thorwesten die Sache persönlich. „Sehr persönlich sogar. Ich hasse diese Pflanze inzwischen.“ Man müsse sich nur einmal daran verbrennen, um diesen Hass aufzubauen, sagt der Mann von der Unteren Landschaftsbehörde der Städteregion. Seit fast einem Jahrzehnt kämpft er nun schon gegen den Riesenbärenklau.

Dieser Kampf hat etwas von dem berühmten Rennen zwischen Hase und Igel. Kaum ist ein Vorkommen beseitigt, taucht irgendwo in der Region schon wieder ein neues auf. „Der Riesenbärenklau ist eigentlich eine Riesensau. Er brennt wie sau, er wächst wie sau, und er riecht wie sau“, sagt Thorwesten.

Diesmal war es ein Mitglied des Agilty Teams Eifel, einem Hundesportverein, der ihn auf den Bestand am Wendehammer in der Stüttgesgasse in Lammersdorf aufmerksam gemacht hat. Dort hat der Verein sein Trainingsgelände. „Wir wussten, dass die Pflanze gefährlich ist und haben selbst damit begonnen, sie zu vernichten. Als wir dann gesehen haben, wie weit sich das Ganze zieht, haben wir uns an die Städteregion gewandt und um Unterstützung gebeten“, erklärt der Vorsitzende des Vereins, Kai Wojtas.

Die haben die Hundefreunde auch bekommen. Udo Thorwesten ist mit Mitarbeitern des gemeinnützigen Vereins Wabe e. V. vor Ort, um dem Riesenbärenklau zu Leibe zu rücken und zu erklären, wie man die Pflanze am besten beseitigt. Die Staude abzumähen ist nämlich keine gute Idee. Das tut den Pflanzen in ihrer Entwicklung keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Sie blühen dann kurz über dem Boden und samen kräftig aus. Zudem werden die Bestände erheblich dichter und es entsteht ein „richtiges Zuchtbeet“.

Thorwestens Erklärungen interessieren auch den Vorsitzenden der Geschäftsführung der Firma Junker, Markus D. Werner. Schließlich gehört dem Unternehmen das betroffene Gelände, und bevor die Pflanze sich weiter auf dem Betriebsgelände ausbreitet, will Werner etwas dagegen unternehmen. „Wir sind jetzt sensibilisiert für die Problematik“, sagt er.

Thorwesten freut sich über das Interesse. „Wer den Riesenbärenklau sieht, soll sich bei uns melden. Schön ist natürlich, wenn die Leute selbst Hand anlegen. Jeder, der die Möglichkeit dazu hat, sollte etwas dafür tun, dass der Riesenbärenklau verschwindet. Das Pflänzchen versteht keinen Spaß, deshalb sollte man mit ihm auch keinen machen“, sagt Thorwesten.

Anschließend besteht die Möglichkeit, die Pflanzenabfälle von Mitarbeitern der Wabe abholen zu lassen. In die Säcke sollte dann aber auch nichts anderes gesteckt werden. „Wir riechen, ob da nur Bärenklau drin ist“, sagt Thorwesten.

In Lammersdorf hat sich das Vorkommen auch entlang des Kelzerbachs ausgebreitet. Zufrieden hat Thorwesten festgestellt, dass dort im Auftrag der Enwor, die für den Bachlauf bis zur Talsperre verantwortlich ist, bereits etwas unternommen wurde.

Wer den Riesenbärenklau selbst entfernen will, sollte ein paar Dinge beachten. Einfach den Stengel zu kappen funktioniert nicht, solange er noch auf der Rübe sitzt. Die muss ausgegraben werden. Wenn etwas Wurzelwerk zurück bleibt, ist das nicht so schlimm. „Wichtig ist, dass man das Herz herausreißt“, sagt Thorwesten. Die Samen der Pflanze und die Rübe müssen dann in den Restmüll und in die Müllverbrennung. „Das schafft keine Komposttieranlage.“ Man solle sich ruhig an die Pflanze heran trauen, ihr aber mit Abstand und Vorsicht begegnen, sagt Thorwesten. Dabei empfiehlt es sich, Schutzkleidung zu tragen – Handschuhe, Stiefel, Kittel und eine Schutzbrille – , so dass alle Körperteile bedeckt sind.

Bei der Bekämpfung setzt die Untere Landschaftsbehörde keine Chemie ein. Das vertrage sich nicht mit dem Umweltschutzgedanken. Außerdem würde das auch die Konkurrenten des Riesenbärenklaus vernichten. Dieser wiederum würde sich als erster wieder erholen und sich weiter ausbreiten – frei nach dem Motto. „Na, liegt ihr noch auf der Erde. Ich lebe schon wieder.“ In vielen Fällen kommt auch Udo Thoma aus Konzen zum Einsatz. Er hat sich auf die chemiefreie Unkrautvernichtung spezialisiert.

Während die Mitarbeiter der Wabe die Blüten abschneiden und die Wurzeln ausgraben, kocht Thoma den Riesenbärenklau, der auch Herkulesstaude genannt wird. Mit einem rund hundert Meter langen Schlauch und einer Wasserlanze bewaffnet zieht er dann durch die Botanik. Er sticht die Lanze in den Boden und 90 bis 95 Grad heiße Wasser schießt heraus. Die Pflanze senkt ihren Kopf und knickt langsam ein. Dann geht es weiter zur nächsten.

Früher konnte man die Samen des Riesenbärenklaus sogar im Handel kaufen. So landete die Pflanze in zahlreichen Ziergärten – auch in der Eifel. Weil sie aber zu viel Platz wegnahm und die Haut selbst bei leichter Berührung brannte, wurde sie abgehackt und auf die Müllkippe gefahren. Von dort breitete sich die Pflanze weiter aus. Tiere, Wind, Wasser, Auto- und Traktorreifen transportieren die Samen weiter.

Längst ist der Bärenklau auch in Eschweiler an der Inde und in den Rurauen angekommen – nicht zuletzt auch wegen der Unachtsamkeit einiger Gartenbesitzer wie Udo Thorwesten beobachtet hat. „Viele Leute schütten ihre Grünabfälle in die Rurböschung, das Wasser spült die Abfälle irgendwann weg und dann landen sie in den Rurauen. Oft sind das diejenigen, die ihren Rasen mit der Nagelschere schneiden“, sagt Thorwesten ärgerlich.

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