Fehlerhafte Ausführung beim Bau des Ravel-Radweges beklagt

Von: Heiner Schepp
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Noch stellen die zart durchwachsenden Pflänzchen auf dem Vennbahnradweg allenfalls ein Gefahrenpotenzial für schmalbereifte Rennräder dar. Die Stadt Monschau aber findet: „Wehret den Anfängen!“ Foto: H. Schepp
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Wurde beim Bau des Ravel-Radweges (hier im April 2012 in Konzen) nicht vorschriftsmäßig gefertigt? Diese Frage entzweit die Behörden.

Monschau. Die Vennbahn ist ein angenehm zu befahrender Radweg im Grünen. Dass das Grün aber nur gut drei Jahre nach dem Bau an einigen Stellen aus dem Asphalt sprießt, hat nun die Verantwortlichen bei der Stadt Monschau auf den Plan gerufen.

„Die asphaltierte Trasse der Vennbahn ist offenbar nicht so unterbaut, dass die Decke für einen längeren Zeitraum schadensfrei bleibt“, sagte Bürgermeisterin Margareta Ritter jetzt im Bauausschuss. Regressansprüche gegen die bauausführende Firma gehen aber wohl ins Leere, da das Unternehmen inzwischen insolvent ist. Bei der Städteregion Aachen hingegen sieht man „keine Anhaltspunkte dafür, dass der Unterbau der Vennbahntrasse nicht entsprechend den Vorschriften ausgebaut worden ist“.

Löwenzahn und andere hartgesottene Pflänzchen, die auch manchen Hobbygärtner zur Verzweiflung treiben, sind vor allem auf dem Teilstück zwischen Konzener Bahnhof und Kalterherberg seit Frühjahr dabei, verlorenes Terrain zurückzuerobern. Immer wieder haben sich in jüngerer Vergangenheit Nutzer des Radweges bei der Stadt gemeldet und die nicht dramatischen, aber doch störenden Schäden gemeldet – getreu dem Motto: Wehret den Anfängen!

„Unser Bauamt ist zurzeit bei einer größeren Schadensbestandaufnahme“, sagte Margareta Ritter und sprach von einer „Vielzahl von Stellen, wo die durchwachsenden Pflanzen die Asphaltdecke aufgebrochen haben oder wo auch der Fahrbahnrand abbricht. Dies sei offensichtlich einer fehlerhaften Bauausführung geschuldet, „somit ist es ein Problem der Gewährleistung“, so Ritter.

Dass die damals von der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) beauftragte Bauunternehmung inzwischen insolvent sei, „macht es nicht gerade leichter“, so die Bürgermeisterin, die aber betonte: „Die Behebung der Schäden ist keine kleinere Unterhaltungsmaßnahme!“

Wäre dies der Fall, läge die Zuständigkeit bei der Kommune, also bei der Stadt Monschau, die für die Unterhaltung des Radwegs auf ihrem Gebiet zuständig ist. „Zuständig ist die Städteregion, und diese sollte sich wiederum an die DG wenden“, empfahl Gregor Mathar (SPD), wusste aber auch, dass die „Gewährleistung nach belgischem Recht“ ablaufe.

Bei der Städteregion Aachen sieht man die Schäden jedoch weitaus unaufgeregter. „Die vorgetragenen Hinweise sind der Städteregion bekannt. Das Phänomen der durchwachsenden Pflanzen beschränkt sich nach örtlichen Überprüfungen der Städteregion auf einen kleinen Teilbereich des Vennbahn-Radweges und dann insbesondere auf die Ränder.

Das Durchwachsen von einzelnen hartnäckigen Pflanzenarten ist nicht unüblich und entsteht beispielsweise, wenn sich zwischen dem Auftrag der Tragdeckschicht und der Deckschicht Samenkörner befinden. Diese ungewollte Erscheinung ist auch aus anderen Baumaßnahmen bekannt und lässt sich mit kleinem Aufwand durch Nacharbeiten der betreffenden Stellen beheben“, heißt es in der Stellungnahme des Fachamtes, das deshalb zu dem Fazit gelangt: „Die Städteregion ist nicht der Auffassung, dass die Arbeiten den üblichen Unterhaltungsaufwand überschreiten, für welchen an dieser Stelle die Stadt Monschau zuständig ist.“

Unberechtigte Nutzer

Auch der an manchen Stellen zerbröselnde Fahrbahnrand ist indes für die Städteregion kein Problem einer mangelhaften Bauausführung: „Die kleineren Schäden im Randbereich des Vennbahnradweges sind durch eine unberechtigte Nutzung zum Beispiel durch Forstfahrzeuge, Autos etc. entstanden. Hierauf hat die Städteregion keinen Einfluss. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass der Unterbau der Vennbahntrasse nicht entsprechend den Vorschriften ausgebaut worden ist.“

Dies gilt laut Städteregion übrigens auch für das sandgebundene Stück der Vennbahn in die andere Richtung, also zwischen Bahnhof Konzen und Paustenbach. Hier würden häufig Pfützen und starke Spurbildung festgestellt, weil der Untergrund vor allem bei feuchter Witterung aufweiche, so Margareta Ritter im Bauausschuss. Die Städteregion erinnert daran, „dass dieser Teilabschnitt aus artenschutzrechtlichen Gründen in wassergebundener Decke ausgeführt werden musste.“

Insbesondere bei starkem Regen und in den Herbst- und Wintermonaten sei ein Aufweichen des Weges nicht zu vermeiden, glaubt man bei der Städteregion und sieht hier die Stadt Monschau in der Pflicht: „Die entstehenden Spurrillenkönnen jedoch leicht durch ein Abziehen des Weges mit einer Schleppe beseitigt werden. Hierauf wurde die Stadt Monschau von der Städregion bereits hingewiesen“, gab Detlef Funken, Sprecher der Städteregion die Auffassung des Bauamtes wider.

„Mit Walzen oder Schleppen ist es da nicht getan“, sieht die Monschauer Bürgermeisterin hier durchaus größeren Aufwand und stellt fest: „Der Ravel-Radweg ist eine Trasse im Königreich Belgien, die uns allen viel Freude macht. Es gibt aber immer noch einige offene Zuständigkeitsfragen.“

Wie geht es weiter? Zunächst soll nun die Bestandsaufnahme durch das Bauamt der Stadt Monschau abgewartet werden. „Im Herbst“, kündigt die Städteregion an, werde es dann einen Termin mit der Deutschsprachigen Gemeinschaft und den Kommunen geben. Detlef Funken: „Dabei wird das Thema dann angesprochen.“ Für alle Radfahrer auf der „Réseau Autonome de Voies Lentes“ gilt bis dahin: Immer schön auf die Fahrbahn achten.

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