Nordeifel - Fehlende Schilder: Vennbahn für Gäste eine Durststrecke?

Fehlende Schilder: Vennbahn für Gäste eine Durststrecke?

Von: Andreas Gabbert
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Viele Radler beklagen sich über eine mangelnde Beschilderung des Vennbahnradweges: Zwischen den Infotafeln am Bahnhof in Kalterherberg wäre doch auch noch Platz für eine weitere, die auf die Lokale im Ort hinweist, findet Walter Brandenburg (rechts, mit Partnerin Dagmar P.). Foto: A. Gabbert

Nordeifel. Der Vennbahnradweg löst bei Walter Brandenburg aus Kalterherberg wenig Begeisterung aus – im Gegenteil. Dutzende von Schildern weisen die Radfahrer auf dem Vennbahnradweg am ehemaligen Bahnhof in Kalterherberg auf alternative Strecken hin und informieren über historische Gegebenheiten.

Walter Brandenburg ist das zu wenig. „Kein einziges Schild weist auf die Lokale und Geschäfte im Ort hin“, klagt der Fahrradhändler, der für die Radfahrer auch einen Shuttle-Service anbietet. Nahezu alle Nutzer seines Services würden sich über eine mangelnde Beschilderung des Radweges ärgern, sagt Brandenburg. Während Einheimische wüssten, wo sie entlang der Strecke einkehren könnten, würden Touristen entsprechende Hinweise vermissen.

Auf der anderen Seite vermisst er aber auch Schilder, die in den Orten auf den Vennbahnradweg hinweisen. Schon oft habe er Touristen erklären müssen, wo sie den Radweg finden. „Die fahren erstmal bis zum Ortsende und kommen dann wieder zurück und fragen bei mir im Geschäft nach“, sagt Brandenburg, der seinen Laden an der Monschauer Straße betreibt.

„Auszeichnung nicht verdient“

Einige Kunden haben ihm ihre Eindrücke auch schriftlich per E-Mail geschildert. Ein Ehepaar schreibt ihm zum Beispiel folgendes: „Wir sind nun wieder zu Hause und wurden schon von vielen Leuten gefragt, wie uns denn der Vennbahnradweg gefallen hat. Nach meinen Schilderungen hat meine Freundin eine treffende Bezeichnung gefunden: ‚Durststrecke‘. Genau, das war es! Es kann doch nicht sein, dass entlang der 125 Kilometer langen Strecke kein einziges Hinweisschild mit Einkehrmöglichkeiten oder Sehenswürdigkeiten zu finden ist! Wir sind desöfteren mit Rädern unterwegs, aber das hatten wir noch nie erlebt! Es ist in unseren Augen eine langweilige Strecke, und wie dieser Weg zu seiner Auszeichnung als Radweg 2014 kam, ist uns rätselhaft. Das einzige Positive war das Wetter, denn wo hätte man sich bei Regen unterstellen sollen? Ach ja, vielleicht in den ‚futuristischen‘ Unterständen, die einem Designerstreich zum Opfer gefallen sind?“

Brandenburg hat sein Anliegen bereits bei verschiedenen Stellen vorgebracht. Bei der Städteregion Aachen, die den Ausbau des Radweges auf deutscher Seite koordiniert hat, ist das Thema bekannt. Die Beschilderung habe man aber in die Hand der Kommunen gelegt, teilt Sprecher Holger Benend auf Anfrage mit. Die zehn Hauptsehenswürdigkeiten seien bereits ausgeschildert.

Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter, die auch Geschäftsführerin der Monschauer Land-Touristik ist, äußert Verständnis für sein Anliegen, auch aus der Monschauer Altstadt habe sie entsprechende Hinweise erhalten. Sie arbeite engagiert daran, „dass touristische Potenzial Kalterherbergs insbesondere durch die Chance der fahrradtouristischen Profilierung auszubauen“. Unabhängig davon gelte es, die kurzfristigen Maßnahmen anzugehen. Schilder, die auf die Einstiegsmöglichkeiten in die Vennbahnroute hinweisen, seien bereits bestellt und würden in den nächsten zwei bis drei Wochen geliefert.

Sie sollen dann u.a. in Monschau am Kreisverkehr an der Flora, im Ortskern von Kalterherberg und in Imgenbroich aufgestellt werden. „Die touristische Beschilderung an der Route als Ausstiegsanreiz, die Orte zu besuchen, sind Teil eines Gesamtkonzeptes, für dessen Umsetzung in diesem Jahr Budget vorgesehen ist“, schreibt Ritter. Die touristische Ausschilderung in der Ortslage habe die Zukunftswerkstatt Kalterherberg e.V. als Förderprojekt bei der Städteregion Aachen beantragt, auch das solle in diesem Jahr umgesetzt werden, sagt die Bürgermeisterin.

In Roetgen seien im Zusammenhang mit einer örtlichen Satzung am Pferdeweiher und an der Querung des Vennbahnradweges mit der B 258 in der Nähe der Ampel Hinweise auf touristische Betriebe aufgestellt worden, sagt Bürgermeister Manfred Eis. Handlungsbedarf sieht er allerdings noch bei den Hinwiesen auf die Einstiegsmöglichkeiten.

Auch in Simmerath ist das Thema bekannt. „Wir arbeiten an einer gemeinschaftlichen Lösung und führen Gespräche mit den belgischen Kollegen“, sagt Astrid Joraschky von der Gemeinde Simmerath.

Zufrieden ist Brandenburg damit nicht wirklich. „Das hätte schon längst gemacht werden müssen. Wenn ich eine Autobahn eröffne, sind die Schilder ja auch vorher aufgestellt worden und nicht andersherum“, sagt Brandenburg.

Beim Fototermin am ehemaligen Bahnhof in Kalterherberg kommen viele, meist einheimische, Radfahrer vorbei. Christel und Hartmut Kreutz aus Lammersdorf sind nahezu jeden Morgen auf der Strecke unterwegs. Sie kennen sich zwar aus, fänden entsprechende Hinweise für Touristen aber durchaus hilfreich, „gerade auch für ältere Leute“. Auch Gisela Wrobel aus Konzen ist mit ihrem Mann viel auf dem Vennbahnradweg unterwegs. Ihrer Meinung nach gehören dann auch die Öffnungszeiten der Lokale auf die entsprechenden Hinweistafeln. „Wenn alles zu ist, hilft auch der beste Wegweiser nichts.“

Arthur und Helga Stoffels aus Hürtgenwald sind an diesem Morgen ebenfalls unterwegs. „Entlang der ganzen Vennbahn gibt es ja kaum Einkehrmöglichkeiten, von daher wäre ein Hinweis auf andere Lokalitäten schon sinnvoll. Wir wissen das, deshalb haben wir unseren Kaffee selbst dabei, für Fremde könnte das aber schon ein Problem sein“, sagt Helga Stoffels.

Positives Beispiel

Ein positives Beispiel für einen touristischen Radweg ist in Brandenburgs Augen der Rur-Ufer-Radweg, der die Gäste auch durch die Orte führt. „Davon sind die Leute begeistert, darüber habe ich noch nie etwas Negatives gehört“, sagt Brandenburg.

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