FDP-Politiker Hermann-Josef Bongard legt Ratsmandat nieder

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Hermann-Josef Bongard am Rursee in Woffelsbach: Die „Neue Mitte Woffelsbach“ sei immer ein Ziel seiner politischen Karriere gewesen, sagt der Vertreter der FDP. Foto: A. Gabbert

Simmmerath/Woffelsbach. Für Hermann-Josef Bongard aus Woffelsbach war die zurückliegende Sitzung des Simmerather Gemeinderates die letzte als gewählter Ratsherr. „Für mich waren Sie jahrzehntelang das Gesicht der FDP“, sagte Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns bei der Verabschiedung.

Unser Redakteur Andreas Gabbert hat mit dem FDP-Politiker über die Gründe für seinen Rückzug, über positive und negative Erlebnisse, über Herausforderungen und den Tourismus in Woffelsbach gesprochen.

 

Herr Bongard, seit 1979 waren sie zunächst als Sachkundiger Bürger der FDP im Tiefbauausschuss der Gemeinde Simmerath vertreten, ab 1999 waren sie dann Mitglied des Gemeinderates. Nun legen Sie Ihr Ratsmandat nieder. Was sind die Gründe dafür?

Bongard: Dafür gibt es zwei Gründe. Der erste ist das schlechte Wahlergebnis der FDP bei der Kommunalwahl. Mit einem besseren Ergebnis hätten wir zwei Vertreter im Rat und damit den Fraktionsstatus gehabt. Dann hätte ich das durchgezogen. Der zweite Grund ist, dass ich jetzt 67 Jahre alt werde. Da wird es Zeit, die Verantwortung an Jüngere abzugeben.

Haben Sie vorher schon einmal mit dem Gedanken gespielt?

Bongard: Nein, an und für sich nicht.

An was erinnern Sie sich besonders gerne, an was nicht?

Bongard: Das ist eine gute Frage. Gerne erinnere ich mich an das Projekt „Neue Mitte Woffelsbach“. Seit dem Anfang meiner politischen Karriere war es mein Ziel gewesen, diese Fläche zu öffnen. Das Ergebnis des Projektes sehe ich als ein Ergebnis meiner politischen Arbeit. Ohne meine Beharrlichkeit, mit der ich die anderen Ratsmitglieder oft genervt habe, hätte es das nicht gegeben. Das war ein Erfolg.

Und was war eher negativ?

Bongard: Ein negatives Erlebnis war zum Schluss, wie die Kooperation mit der CDU zu Ende ging. Das war stil- und würdelos. Das hat mich auch persönlich etwas getroffen.

Warum haben Sie sich seinerzeit für die FDP entscheiden und nicht für eine andere Partei?

Bongard: Das liegt an meiner grundsätzlichen Haltung. Die Freiheit des Einzelnen ist mir sehr wichtig. Das Konservative in der CDU lag mir nicht. Als ich in die FDP eintrat, gab es auf Bundesebene die sozial-liberale Koalition. Die Kombination gefiel mir gut. Der SPD fehlt aber die wirtschaftliche Komponente. Deshalb ist die FDP immer noch die richtige Partei für mich.

Ist es als Einzelkämpfer im Gemeinderat auf Dauer nicht auch anstrengend, wenn man seine Ziele verwirklichen will?

Bongard: Als Einzelkämpfer ist es sehr anstrengend. Als Fraktion ist man in jedem Ausschuss vertreten, so sind wir aber nur in zwei Ausschüssen vertreten und von vielen Dingen ausgeschlossen, etwa wenn Arbeitskreise gebildet werden.

Haben Sie deshalb von Zeit zu Zeit die Kooperationspartner gewechselt?

Bongard: Wir hatten nur einmal eine echte Kooperation: mit der CDU von 2009 bis 2014. Davor gab es immer nur Absprachen am Beginn der Legislaturperioden zur Besetzung der Fachausschüsse. Das beinhaltete aber keine Absprachen über politischen Ziele oder gegenseitige Rücksichtnahme. Mein Ziel war immer, die absolute Mehrheit zu brechen, deshalb habe ich die CDU auch immer stark attackiert. In der Opposition ergibt sich zwangsläufig eine Zusammenarbeit. Das bedeutet aber nicht, dass man eine Koalition eingeht. Eine Abstimmung erfolgte nur von Fall zu Fall.

Worauf führen Sie Ihr regelmäßiges für einen FDP-Vertreter überdurchschnittliches Abschneiden in Woffelsbach zurück?

Bongard: Die Leute haben gemerkt, dass ich mich für den Ort einsetze. Hinzu kommt das persönliche Netzwerk von Freunden und Bekannten.

Was war die größte politische Herausforderung für Sie?

Bongard: Wie bereits gesagt, das war die „Neue Mitte Woffelsbach“. Das war mein langfristiges Ziel, für das ich 30 Jahre lang gearbeitet habe. Aus der Opposition heraus war das natürlich eine Herausforderung. Es gab aber noch viele andere. In den ersten 20 Jahren stand der Kanalbau in der Gemeinde im Vordergrund. Da saßen wir immer in der Zwickmühle zwischen der Forderung der Bezirksregierung, möglichst schnell zu kanalisieren, und der Ablehnung der Wasserverbände, sich an den erhöhten Kosten in den Wasserschutzgebieten zu beteiligen.

Das war eine Aufgabe für alle Parteien und ein stetiger Kampf, um die Gebühren im Rahmen zu halten. Ab 1999 wurde dann der Tourismus nach vorne gebracht. Ihn zu professionalisieren war mir immer ein Anliegen. Das wurde von Bürgermeister Heinrich Karbig vernachlässigt. Das wurde erst unter Hubert Breuer möglich. Die Monschauer waren uns damals ein Stück voraus.

Erst nachdem Margareta Ritter die Rursee-Touristik nach vorne gebracht hatte, waren wir mit Monschau auf Augenhöhe. Das muss man ihr zugutehalten. Ab 2002 war ich Mitglied der Sonderkommission Nationalpark Eifel des Regionalrates der Bezirksregierung Köln. Dort bestand die Herausforderung darin, sowohl die Nationalpark-Verordnung, wie auch den Wegeplan so zu gestalten, dass neben den selbstverständlichen Belangen des Naturschutzes auch die Zugängigkeit und Erlebbarkeit des Nationalparks für die Menschen ermöglicht wurde.

Einer großen Kraftanstrengung bedurfte es auch, Trianel von seinen Plänen für das geplante Pumpspeicherkraftwerk am Rursee abzubringen. Letztendlich war es die FDP im Regionalrat, in deren Beratungen ich eng eingebunden war, die den Anstoß hierzu gab. Die Sekundarschule nach Simmerath zu holen, war ebenfalls eine große Herausforderung.

Ist das gemeinsame Rurseefest in Woffelsbach und Rurberg der Konkurrenz der Dörfer am Rursee zum Opfer gefallen?

Bongard: Ja und nein. Es gab sicherlich Bestrebungen aus einem Konkurrenzdenken heraus, hier in Woffelsbach etwas Eigenes zu schaffen. Das hatte etwas von einer Neiddiskussion. Als gebürtiger Rurberger wollte ich da vermitteln. Am Ende fehlte die nötige Beteiligung der Woffelsbacher Vereine. Oft war es ein Gegeneinander und kein Miteinander. Am Ende gab es nicht genug Manpower. Da war der Schritt konsequent.

Sie haben einige Bürgermeister und Gemeindedirektoren erlebt. Wer hat Ihrer Meinung nach die Gemeinde am stärksten geprägt?

Bongard: Da möchte ich keinen hervorheben. Die hatten alle ihre Qualitäten.

Die anderen Orte am Rursee konnten von der Einrichtung des Nationalparks vor zehn Jahren deutlich mehr profitieren. Warum wurde Woffelsbach touristisch etwas abgehängt?

Bongard: Das Problem ist der Zugang zum Nationalpark. Wir müssen dafür über den See. Früher gab es einen Fährdienst, der wurde zwar von der Rurseeschifffahrt übernommen, aber er hat nicht die gewünschte Qualität. Die Rurseeschifffahrt setzt erst um 11.30 Uhr über. Für den Start einer Wanderung ist das etwas spät. Deshalb arbeiten wir an einer privaten Initiative. Dann könnten wir auch verstärkt Ranger-Touren anbieten. Zurzeit gibt es eine Tour im Monat. Das ist ein Beginn.

Werden Sie sich in irgendeiner Form weiterhin politisch engagieren?

Bongard: Wir haben in der FDP Simmerath ein junges engagiertes Team mit mir als Senior, und wir treffen uns regelmäßig, um die Rats- und Ausschusssitzungen vorzubereiten. Dort werde ich in der gleichen Intensität weiter mitarbeiten wie auch als Sachkundiger Bürger im Struktur- und Hochbauausschuss der Gemeinde Simmerath.

Benjamin Steinborn wird ihr Nachfolger. Was wünschen Sie ihm?

Bongard: Ich wünsche ihm die nötige Coolness, um die Debatten im Rat zu überstehen, und dass er sich von Rückschlägen nicht entmutigen lässt. Man braucht Beharrlichkeit und ein dickes Fell, um als kleine Partei in der Opposition etwas zu erreichen. Steinborn ist ein kommunikativer Mensch. Ich bin überzeugt, dass er die Aufgabe hervorragend meistern wird.

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