Faszinierende Steinreihen: Hobbyforscher suchen Antworten

Von: Peter Stollenwerk
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Diese Steinbrücke über die Kall am Kopperweg ist für Hans-Georg Stump und Resi Röder ein Bauwerk, das Rätsel aufwirft. Warum wurde der Weg über das Flüsschen so aufwendig gestaltet? Foto: P. Stollenwerk
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Vielleicht eine Grabplatte: Was hat es mit diesem mächtigen flachen Stein am Spielplatz Kopperweg auf sich? Foto: P. Stollenwerk
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Nur ein Loch in einem Felsen im Kalltal? Für die Steinkundler steckt mehr dahinter. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Sie stehen seit Jahrhunderten, vielleicht sogar seit Jahrtausenden aufrecht in der Eifeler Erde: Die Rede ist von zum Teil tonnenschweren Steinen, die mit der Spitze aus dem Boden ragen und zum Teil von der Natur längst überwuchert sind.

Besonders im Kalltal bei Simmerath zwischen Bickerath und Lammersdorf und entlang der Paustenbacher Höhe entdeckt man solche Steinreihen. Den meisten Einheimischen fallen diese bestimmt nicht zufällig entstandenen Steinsetzungen überhaupt nicht mehr auf – längst gehören sie zum vertrauten Landschaftsbild. Es existieren noch mehrere gut erhaltene Steinreihen von bis 80 Meter Länge.

Was aber hat es mit den Steinen auf sich? Wer hat sie gesetzt? Welche Bedeutung haben die? Weshalb wurden sie im Raum Simmerath vornehmlich entlang der Kall aufgestellt? Handelt es um Menhire, alte Grabstätten oder magische Kraftorte?

3000 Steinsetzungen erfasst

Diese Fragen beschäftigen seit mehr als einem Jahr auch Resi Röder. Voriges Jahr bei einem Spaziergang stieß sie im Kalltal nahe des Lammersdorfer Berges zufällig auf eine Steinsetzung, die ihre Aufmerksamkeit hervorrief. Seit diesem Zeitpunkt ist die Simmerather Malerin fasziniert vom bisher ungelösten Rätsel dieser besonderen Steine im Kalltal.

Mit naheliegenden Erklärungen, dass Landwirte ihre Felder von schweren Steinen geräumt haben und diese am Rand der Wiesen aufschichteten, will sich Resi Röder längst nicht mehr zufrieden geben, erst recht nicht, seitdem sie immer tiefer in die Materie eingestiegen ist und festgestellt hat, dass die Faszination uralter Steine ein Hobby ist, dass sie mit anderen teilt.

So lernte sie auch Hans-Georg Stump aus Stolberg kennen. Der Betriebswirt (62) war 32 Jahre bei einem Immobilien-Unternehmen beschäftigt, und ist inzwischen auf Altersteilzeit umgestiegen. Bereits seit Jahrzehnten dokumentiert Stump geheimnisvolle Orte, die er als „heilige Ort unserer Vorfahren“ betrachtet. Fast 3000 Steinsetzungen in England und Irland hat er fotografiert und beschrieben.

Nach einem Besuch der weltbekannte Steinkreis-Anlage Stonehenge in Südengland vor 30 Jahren ließ ihn das Thema nicht mehr los.

Auf seiner Internetseite (www.hgstump.de) befasst er sich detailliert mit Steinkreisen, Dolmen (Grabanlagen) und Menhiren (Ornamentsteinen). Über diese Webseite stellte Resi Röder den Kontakt her, und kurze Zeit später erkundete man gemeinsam die Steinsetzungen rund um Simmerath.

„Mir war sofort klar, dass diese Steine nicht von Bauern aufgestellt wurden.“ Aber viel mehr weiß man bisher nicht. Hingezogene Archäologen des Landschaftsverbandes Rheinland konnten auch keine definitiven Aussagen über Herkunft und Bedeutung der Steine im Kalltal treffen. „Eine genaue Antwort wird es vermutlich nie geben. Was wir herausgefunden haben, sind alles nur Vermutungen“, räumt auch Hans-Georg Stump ein.

Viele Fragen aber stehen dennoch im Raum. Dienten die Steine als Opferstätten, um die Götter zu besänftigen? Handelt es sich um Grabstätten oder wurden hier Zeremonien abgehalten? Weshalb wurden die Steine in langen Reihen mit der Spitze nach oben aufgerichtet und mit einer Steinpackung als festigendes Fundament ausgestattet?

„Warum sollte sich jemand diese Mühe machen?“, fragt Stump, der schätzt, dass die Steinsetzungen im Kalltal 3000 bis 5000 Jahre alt sind. „Sie dürften zu einer Zeit erfolgt sein, als die Menschen sesshaft wurden.“ Resi Röder hat herausgefunden, dass zu jener Zeit die Eburonen, ein keltischer Volksstamm, auch in der Eifel sesshaft waren, ehe sie von Cäsar vernichtet wurden. Ob diese historische Spur zielführend ist, wird wohl auch ein Rätsel bleiben.

Von der Steinbrücke über die Kall am Spielplatz Kopperweg fühlte sich Hans-Georg Stump regelrecht „elektrisiert“, als er sie zum ersten Mal sah. Solche Bauwerke (Clapperbridges) habe er bisher nur im englischen Dartmoor gesehen. Er ist sich sicher, dass diese Brücke eine tiefere Bedeutung hat. „Warum sollte sich jemand diese Arbeit machen, wo man doch das Flüsschen leicht barfuß durchqueren könnte?“

Auch eine nicht weit von der Brücke entfernt liegende tonnenschwere 3,30x4,50 Meter große Steinplatte deutet für Stump auf eine Kultstätte hin. Es könnte sich auch um eine alte Grabplatte handeln. Dass es sich in beiden Fällen um Reste aus dem naheliegenden Steinbruch handeln könnte, hält er für höchst unwahrscheinlich.

Auch ein breiter Feldweg fällt auf

Eine Kultstätte vermutet Stump auch am Wolberstein zwischen Lammersdorf und der Kalltalsperre. Im Umfeld des Felsplateaus entdeckte er drei auffallend große Steinreihen, die zusammen die Form eines „Z“ ergaben. Es könnte sich hier aber auch um Abwehrsteine handeln, um möglichen Angreifern Kampfbereitschaft zu signalisieren.

Auch dass beispielsweise die Kalferscheider Gasse, die von Simmerath hinunter ins Kalltal führt, die stattliche Breite von teilweise neun Meter aufweist, ist für Hans-Georg Stump eine „unerklärliche Auffälligkeit“. Warum hätte man einen Feldweg in solchen Dimensionen bauen sollen, wo doch früher „um jeden Meter Wiese gekämpft wurde?“ An beiden Seiten des Weges stehen zudem vereinzelte große Steinbrocken.

Viele Steinsetzungen wurden in der Vergangenheit bereits für den Straßen- und Häuserbau zerstört. Weiterer Zerstörung Einhalt zu gebieten, sehen Hans-Georg Stump und seine Mitstreiter als zentrale Aufgabe an.

Kürzlich trug man die Erkenntnisse auch dem Simmerather Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns vor, der mit großem Interessen die Ausführungen vernahm und anregte, die Steinsetzungen in Karten einzutragen, damit diese Landschaftsmerkmale nicht verloren gehen. Insgesamt zwölf Punkte wurden bisher erfasst.

„Letztendlich aber bleibt alles ein großes Rätsel, und darin liegt auch die Faszination der Orte, die eine geradezu magische Atmosphäre hervorrufen“, sagen Hans-Georg Stump und Resi Röder, die die Suche nach Steinsetzungen in der Eifel fortsetzen wollen.

Als nächstes soll eine Geologin eine Gesteinsbestimmung im Kalltal vornehmen, um feststellen zu können, ob die hier verwendeten Steine herbeigeschafft wurden oder ob sie direkt aus dem Umfeld stammen.

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