Farben und Formen für eine „freundliche B258“

Von: Andreas Gabbert
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Glaubt an die Kraft der Farben: Diplom-Designerin Carmen Berck aus Aachen hat umfangreiche Pläne zur Gestaltung der B 258 erarbeitet, die die Straße sicherer machen und ihr eine Identität verleihen sollen. Foto: Andreas Gabbert

Nordeifel. Pläne zur Gestaltung der Bundesstraße 258 hat es schon viele gegeben. Ein neuer Vorschlag kommt jetzt von der Diplom-Designerin Carmen Berck aus Aachen, die auch an der Gestaltung der Autobahn 4n beteiligt war. Als Planerin für „Humane Umweltgestaltung durch Farbe“ will sie die Optik in den Vordergrund stellen.

„Die freundliche Monschauer (Bundes-)Straße: B 258“ nennt sie ihr Projekt. Die Monschauer Straße habe Problemstellen, wodurch Gefahren für die Nutzer entstünden. Diese Gefahrenstellen gelte es sofort zum Besseren hin zu verändern. Eine Möglichkeit sei die optische Veränderung einer Situation, damit sie anders wahrgenommen wird.

„Wird etwas als angenehm wahrgenommen, reagiert der Mensch angenehm. Wird etwas als freundlich wahrgenommen, reagiert der Mensch freundlich, als Freund. Wollen wir freundliches Verhalten auf dieser Straße, braucht sie eine freundliche Gestalt, denn ein freundliches Verhalten ist vorsichtig, rücksichtsvoll, respektvoll, mitfühlend. Freundliche Gestalt erreichen wir in dieser Planung durch Farbe, Form, Licht und Bewegung“, sagt Berck.

Straßenbild gehört zum Leben

Seit Juni 2015 hat sich die Designerin mit dem Thema auseinandergesetzt. Sie hat Zeitungsberichte gelesen, Eindrücke gesammelt, die Straße untersucht und wichtige Punkte und Gebäude in eine Karte eingezeichnet und nummeriert. „Ich versuche, die Bürger zu verstehen“, sagt Berck. Das Straßenbild vor der Haustür gehöre zum Leben, deshalb sei es wichtig, „dass die Straße so gestaltet wird, dass man sich damit identifizieren kann“.

Dabei habe jeder seine Vorstellungen und einen individuellen Bezug. Die Designerin sieht deshalb eine Aufgabe darin, ein harmonisches und freundliches Bild zu schaffen. An die Anwohner der Monschauer Straße in Oberforstbach habe sie einen Rundbrief geschickt, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Eine Gruppe habe dann geantwortet und ihre Vorstellungen und Wünsche genannt. Anschließend habe sie Lösungsvorschläge für die einzelnen Punkte erarbeitet, erläutert Berck ihre Vorgehensweise.

An Gefahrenstellen würde Berck gerne circa 60 Zentimeter hohe farbige Kugeln sehen, die auch bei der Schulweggestaltung eingesetzt werden könnten. „Durch drehen an den Kugeln, könnten die Kinder die Autofahrer auf sich aufmerksam machen und sie hätten auch noch Spaß dabei“, sagt Berck.

Einer der strittigen Punkte bei der Gestaltung der B 258 ist eine mögliche Lärmschutzwand an der Ortsdurchfahrt in Oberforstbach. Diese würde Berck gerne aus Glas sehen. Zusätzlich sollen Hecken die Wand verstecken. Außerdem schlägt Berck vor, Teile dieser Wand als Präsentationsfläche zu nutzen, um unter dem Motto „Dinge, die es nur bei uns gibt“ auf örtliche Betriebe und Vereine hinzuweisen. „Die Bürger sollen stolz und nicht verärgert sein“, sagt Berck.

Lichtsteine am Straßenrand sollen „mit Poesie für Sicherheit“ sorgen. Auch die Verkehrsinseln möchte Berck gestalten. Hier lautet das Stichwort „Straßenmöblierung“. „Das könnten an der Straße ansässige Handwerksbetriebe übernehmen. Auch die Gewerbebetriebe sollen etwas von sich an der Straße wiederfinden, damit sie sich identifizieren können“, sagt Berck. Als zusätzliche Attraktion könnte laut Berck eine kinderfreundlich gestaltete Fußgängerbrücke dienen.

Auch für die Ortsdurchfahrt in Roetgen hat Berck Pläne entwickelt. Die Lichtkugeln sind hier ebenso ein Bestandteil des Konzeptes wie in Oberforstbach. Straßenlaternen und Bushaltestellen würde sie mit Folie und Lack mehr Farbe geben. Zusätzlich würde sie die Laternen gerne in Blumenform gestalten. Auch auf der Straße selbst sollen farbliche Markierungen das Bild auflockern und für mehr Sicherheit im Verkehr sorgen. Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern würde dann jeweils eine Farbe zugewiesen. Vor einem Zebrastreifen zum Beispiel würde dann die grüne Farbe immer mehr ins Rote übergehen.

Am Ortseingang würde sie gerne ein echtes Tor zur Eifel sehen. Das könnten zwei gartenhausähnliche Gebäude links und rechts der Straße sein. Ebenfalls am Ortseingang wünscht sie sich große Eisblumen, die mit „Eisfarbe“ auf die Straße gemalt werden und nur bei Frost zu sehen sind. „Da will jeder rüberfahren, gleichzeitig dienen sie als Hinweis auf Glatteis“, sagt Berck, die noch viele weitere Vorschläge zur Gestaltung der B 258 entwickelt hat. Dem Bürgermeister der Gemeinde Roetgen und dem Landesbetrieb Straßen.NRW hat sie ihre Entwürfe bereits kurz vorstellen können.

Auch für die Kreuzung am sogenannten „Bermuda-Dreieick“ bei Raffelsbrand, wo es in der Vergangenheit öfter zu schweren Unfällen gekommen ist, hat Berck sich eine Übergangslösung zur Entschärfung der Situation überlegt. Sie schlägt vor, bunte Farbtupfer wie Konfetti auf der Straße anzubringen, um auf die Gefahrenstelle hinzuweisen.

Ob die Vorschläge realisiert werden, ist fraglich. Entschieden ist noch nichts. Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss spricht von einem „sehr interessanten Vorschlag“, dem er durchaus aufgeschlossen gegenüberstehe. Das Thema B 258 werde von vielen Menschen emotional diskutiert. Sie sei eine „Durchgangstraße ohne Identität“, aber für alle Eifeler von Bedeutung.

Über eine solche Maßnahme könne die Straße an Identität gewinnen. Daher sei es interessant, das Thema mal aus einer ganz anderen Perspektive zu beleuchten, zumal die B 258 auch „das Einfallstor für die Touristen“ sei. „Die Frage ist aber auch, wer das am Ende bezahlen würde“, sagt Klauss, der die Vorschläge der Designerin zunächst als Denkanstoß betrachtet.

Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter würde den Vorschlag der Designerin gerne in einem größeren Zusammenhang mit Blick auf einen möglichen Ausbau der B 258 in Gesprächen mit dem Landesbetrieb Straßen.NRW thematisieren. Dabei dürfe dieser Entwurf aber nicht die einzige Alternative sein, sagt Ritter.

Der Vorschlag der Designerin werde zurzeit geprüft, antwortet der Landesbetrieb auf Anfrage. Es sei noch zu früh, um dazu eine Aussage zu treffen.

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