„Familienerbe“: Monschauer Senfmühle im TV

Von: mon
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Wie einst die Gründer des Familienbetriebs, so fuhren Guido Breuer, seine Lebensgefährtin Renate Hirschfeld, Tochter und Juniorchefin Ruth Breuer und Enkel Emil mit der Kutsche übers Land. Foto: V. Monterey

Monschau. „Mein großer Wunsch ist es, ein Familienbetrieb zu bleiben“, berichtete Guido Breuer, Senfmüller der vierten Generation, während der Dreharbeiten der Dokumentation „Familienerbe NRW“, die sich dieses mal um die Historische Senfmühle in Monschau dreht, von der Geschichte über die Produktion und Vermarktung bis zu den aktuellen Herausforderungen.

Unter der Regie von Martin Buchholz, Autor und freier Mitarbeiter der Firma Wellenreiter TV in Köln, wurde am vergangenen Samstag eine weitere Szene zu der Serie für den WDR gedreht, die im kommenden Herbst im Fernsehen zu sehen sein wird.

„Die Historische Senfmühle der Familie Breuer gehört zu den ältesten Familienunternehmen in Deutschland“, berichtete der Regisseur. Nur noch drei oder vier Senfmühlen gebe es in ganz Deutschland, die „noch nicht geschlossen oder von großen Firmen geschluckt“ worden seien. Dazu gehöre auch Monschau, nicht zuletzt durch das Engagement Guido Breuers, der den „richtigen Riecher“ gehabt habe, so Buchholz zur Übernahme der Firma im Jahre 1981, die das Geschäft der Senfproduktion wieder belebte.

Besonders interessant sei aber auch „die 130 Jahre alte Mühle der Breuers“, zwischen dessen alten Mühlsteinen, wie einst, die Moustarde de Montjoie handwerklich hergestellt wird.

Heute führt Tochter Ruth Breuer „erfolgreich und mit viel Kreativität“, so der Vater, die Firma. Und geht es nach dem Wunsch der Familie, wird ihr Sohn Emil die Mühle in der sechsten Generation fortführen.

Am elften Drehtag erfüllte sich die Familie einen langersehnten Traum und wanderte auf den Spuren der Geschichte. Mit einer Kutsche fuhr der Senfmüller mit seinem Enkel Emil über Land wie einst der Ururgroßvater und bot seinen Senf feil. So nostalgisch es auch war, nun habe er „kennengelernt, was so eine Kutschfahrt bedeutet“. Von Eicherscheid über die Dörfer ging die holprige Fahrt in der alten Kutsche mit Eisenrädern bei tristem Nieselregen. „Nicht gerade bequem“, beteuerte der Senfmüller.

Da verwundert es wenig, dass der Urgroßvater sich einst einen Lieferwagen anschaffte, obwohl er gar nicht fahren konnte und einen Fahrer benötigte. Um so größer waren die Augen der Touristen und Passanten am Samstag, als am frühen Nachmittag die schöne alte Kutsche mit Hans-Willi Schophoven aus Eicherscheid an den Zügeln eintraf. Hier gab es dann die Möglichkeit, von den vielen erlesenen Sorten zu kosten und ein Töpfchen Senf zu erwerben. „Als wir von der schönen Idee erfuhren, haben wir gleich beschlossen, hinzugehen, egal wie das Wetter ist“, erzählte Ralph Geuer aus Höfen, der mit seinen Töchtern Bianca und Stephanie die angebotenen Sorten vom Urrezept über HonigMohn und Feige bis zur neuesten Kreation, dem würzigen Kräutersenf mit Biozutaten probierte, 20 Sorten an der Zahl. Und natürlich wollten die beiden schönen Kutschpferde bestaunt werden.

Ganz zu Beginn aber sei der Ururgroßvater Clemens August Breuer, der im Jahre 1882 mit seinem Bruder Heinrich die Firma gegründet hatte, „mit einem Hundeschlitten gefahren“, erzählte Ruth Breuer, und erst später sei ein Pferd angeschafft worden. Während Heinrich für den Verkauf zuständig war, betrieb Clemens August das Senfgeschäft, allerdings nur als Nebenerwerb, denn eigentlich war er als Bau- und Kunstschlosser tätig und statt seiner produzierte seine Frau den Senf.

Im Jahre 1905 übernahm Clemens August zusätzlich eine Selterswasser- und Limonadenproduktion und betrieb außerdem eine Reparaturwerkstatt. Später stieg sein Sohn Emil Bruno in das Geschäft ein, war Firmeninhaber von 1909 bis 1974.

Höhepunkt in der 20er-Jahren

In den 20er-Jahren erlebte der Senfverkauf seinen Höhepunkt und wurde sogar ins Ausland exportiert. Nach dem zweiten Weltkrieg weitete sich der Getränkevertrieb extrem aus, während sich der Senfabsatz verringerte. Erst mit dem Umzug ins Laufental und der Übernahme des Geschäftes von Guido Emil Breuer im Jahre 1981 erhielt die Senffabrikation einen neuen Aufschwung.

Heute gehört zu dem Betrieb ein Museum, ein Weinkeller, das Senflädchen und das Restaurant „Schnabuleum“. Seit 2004 führt Tochter Ruth Breuer als Juniorchefin in der fünften Generation die Senfmühle, die heute nicht nur Senf anbietet, sondern auch Senfpralinen, eine Spirituosenserie mit Senf, Senfchutneys und vieles mehr. Mit der Erfindung des neuen Firmenmaskottchens „Senfmaus Emil“ wird selbst den kleinsten Kindern die Senfproduktion nahegebracht.

Der größte Wunsch der Familie ist es, dass Sohn Emil einmal die Tradition mit der gleichen Kreativität weiterführe. „Natürlich“, meinte der Elfjährige am Set selbstbewusst, „vielleicht erfinde ich auch eine neue Sorte Senf“.

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