Nordeifel - Falschmeldung verbreitet: Keine Wölfe im Nationalpark Eifel

Falschmeldung verbreitet: Keine Wölfe im Nationalpark Eifel

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
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„Fake News“: Von der Rückkehr des Wolfes in die Eifel kann keine Rede sein, auch wenn einige jetzt aufgetauchte Plakate dies verkündeten. Foto: Nationalpark/Möller
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Zum Greifen nahe: In einer Ausstellung im Nationalparktor in Nideggen wird die mögliche Rückkehr von Wolf, Luchs und Bär in die Eifel sachlich thematisiert. Foto: Nationalparkverwaltung Eifel

Nordeifel. Die Rückkehr des Wolfes in die Eifel ist seit vielen Jahren ein Thema, das je nach Nachrichtenlage mehr oder weniger Fahrt aufnimmt. In den zurückliegenden Tagen war die Thematik plötzlich wieder einmal sehr präsent, nachdem in der Nationalparkregion etwa eine Handvoll laminierter DIN-A-4-Plakate auftauchte, die unter dem Schlagwort „Wolfsbeobachtungsbereich“ von der Rückkehr des Wolfs in den Nationalpark Eifel berichteten.

Da diese Aushänge überdies mit dem bekannten Logo des Nationalparks Eifel ausgestattet waren, erweckten sie einen offiziellen und wahrheitsgetreuen Anschein, zumal auch noch der Naturschutzbund Deutschland und die biologische Station Düren in Zusammenhang mit der Wolfsbeobachtung genannt werden.

Auch wird auf den Plakaten die Nachricht verbreitet, dass Wölfe im Nationalpark Eifel ausgewildert worden sein. Es steckt aber inhaltlich keinerlei Substanz hinter dieser Mitteilung, sieht man einmal vom Tatbestand des groben Unfugs ab, was für die Verursacher strafrechtliche Konsequenzen zur Folge haben könnte.

Bei der Nationalparkverwaltung ist die Verärgerung entsprechend groß. Nach wie vor gebe es keine Wölfe im Nationalpark Eifel. Überhaupt seien im gesamten linksrheinischen Gebiet keine Vorkommen bekannt, betont Michael Lammertz, Fachgebietsleiter Kommunikation und Naturerleben beim Nationalpark Eifel.

Die Herkunft der Plakate könne man sich nicht erklären, aber offensichtlich nutze jemand die Gelegenheit, um bei diesem sehr emotional diskutierten Thema gezielt Falschmeldungen in die Welt zu setzen. Bei der Herstellung der Plakate „hat sich jemand richtig Mühe gemacht“, sagt Lammertz. Wegen der unzulässigen Verwendung des Nationalpark-Logos habe man Anzeige wegen Amtsmissbrauchs und Urkundenfälschung gestellt.

Falsches Image kursiert

Offenbar, bedauert Michael Lammertz, gebe es beim Thema Wolf ein Kommunikationsproblem. Immer noch kursiere in weiten Teilen der Bevölkerung trotz aller Aufklärungsversuche das Image vom „bösen Wolf“, der es auf den Menschen als Beute abgesehen habe. Dabei gehe vom Wolf für den Menschen nicht mehr Gefahr als von jedem anderen Wildtier auch aus. Bei seiner Größe von nur 11.000 Hektar komme der Nationalpark Eifel ohnehin nur bedingt als Verbreitungsgebiet für den Wolf in Betracht.

„Objektiv geht vom Wolf keine Gefahr für den Menschen aus. Wer sich für die Thematik interessiere, dem empfiehlt Michael Lammertz den Besuch der Ausstellung „Schatzkammer der Natur“ im Nationalparktor In Nideggen. Hier werde fachgerecht die mögliche Rückkehr von Wolf, Bär und Luchs in die Region thematisiert.

Außerdem verweist Lammertz auf eine von NRW-Umweltminister Johannes Remmel im April 2016 herausgegebene Veröffentlichung zum Thema Wolfsmanagement. Darin geht es um das Zusammenleben von Wolf und Mensch. Auch Fragen der Entschädigung für Nutztierhalter würden dabei angesprochen. Außerdem stünden in allen Regionen Wolfsberater als Ansprechpartner zur Verfügung.

Lammertz weist darauf hin, dass Wölfe im Nationalpark Eifel durchaus Einfluss auf die Wildpopulation nehmen könnten, „aber das könnte für den Nationalpark ja durchaus förderlich sein“.

In der jetzigen Situation aber müsse es vor allen Dingen das Ziel sein, nicht weiter unbegründete Ängste vor dem Wolf zu schüren. Bei Führungen auf dem Wilden Weg im Kermeter zeige er den Besuchern immer wieder gerne einen Sticker mit der Aufschrift „Rotkäppchen lügt!“.

Der Wolf geht dem Menschen aus dem Weg

Der Wolf ist in Deutschland angekommen: Mittlerweile gibt es 36 Wolfsrudel und zahlreiche Einzelgänger in Deutschland. Experten schätzen die freilebende Wolfspopulation für das gesamte Bundesgebiet auf rund 250 Tiere. Die Tendenz ist steigend. Vor allem aus Richtung Tschechien kommt der Wolf nach Deutschland. Stark ausgebreitet hat er sich bereits seit den 1990er Jahren in der Niederlausitz.

Auch in Ostwestfalen-Lippe sind Wölfe gesichtet worden. Der Wolf ist von seinem Wesen her kein Fluchttier. Prinzipiell geht der Wolf dem Menschen aus dem Weg. Eine Begegnung mit ihm ist äußerst selten, eher ein absoluter Glücksfall. 170 Jahre lang gab es in Deutschland keine Wölfe. Die Menschen konnten somit auch keine Erfahrungen mit den Tieren sammeln. Weil nur das Märchen überlebt hat, hat der Wolf nach Einschätzung von Experten auch in der Öffentlichkeit ein so ausgeprägtes Negativ-Image als Menschenfresser.

Als Beute ist der Wolf am Menschen aber eindeutig nicht interessiert. Der Wolf kann selbstverständlich nicht unterscheiden zwischen erlaubter Beute und verbotener Beute, beispielsweise zwischen Rehen und Schafen. Deshalb ist es auch Teil des Wolfsmanagements der Landesregierung, dass Schäfer über die Möglichkeit des Herdenschutzes, beispielsweise durch Hunde oder Zäune, aufgeklärt und bei Ausgaben für Schutzmaßnahmen von staatlicher Seite finanziell unterstützt werden.

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