Fahren per Anhalter: Mitfahrerbänke werden getestet

Von: P. St.
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In ländlichen Kommunen haben sich Mitfahrerbänke (wie hier in der Stadt Baesweiler) bereits bewährt. Nun soll das Angebot auch in der Gemeinde Simmerath getestet werden. Foto: Stefan Schaum

Simmerath. Wer stellt sich in der heutigen Zeit schon gerne an den Straßenrand und hält seinen Daumen aufrecht in den Wind, in der Hoffnung, dass sich irgendwann ein Autofahrer erbarmt anzuhalten? Fahren per Anhalter, auch „Trampen“ genannt, war in den 1970er Jahren groß in Mode, als die Anhalter dutzendweise an den Ausfallstraßen anzutreffen waren.

Dafür könnte sich in Zukunft ein anderes „Autostopp-Modell“ durchsetzen. Es handelt sich um sogenannte Mitfahrerbänke, ein alternatives Angebot für mehr individuelle Mobilität, das auf ländliche Gebiete wie zugeschnitten erscheint und sich auch dort bereits bewährt hat.

Auch in der Gemeinde Simmerath soll jetzt ein Versuch gestartet werden, die Akzeptanz von Mitfahrerbänken zu testen. In Rollesbroich und Erkensruhr soll der Anfang gemacht werden.

Die Idee, die dem Konzept zugrunde liegt, ist einfach und altbekannt: Man lässt sich mitnehmen oder bietet spontan eine Mitfahrgelegenheit an. Dadurch muss niemand mehr am Straßenrand stehen und den Daumen rausstrecken. Vielmehr wird der Mitfahrgelegenheit ein offizieller Charakter verliehen. Dadurch sollen Hemmschwellen, sowohl jemanden mitzunehmen als auch mitgenommen zu werden, abgebaut werden.

Wie es funktioniert: Die Person, die mitgenommen werden möchte, setzt sich auf eine der Bänke. Anhand umklappbarer Schilder, die an einem kleinen Mast neben der Bank befestigt sind, kann man das gewünschte Ziel anzeigen. So weiß der Fahrer des vorbeifahrenden Pkw sogleich, wo die Reise hingehen soll.

Das Konzept beruht auf der Idee der Nachbarschaftshilfe und der Freiwilligkeit. Gerade in den kleineren und etwas abseits gelegenen Ortsteilen kennt man sich meist untereinander und hilft sich gern.

Die Mitfahrgelegenheiten sollen aber weder ein Massentransportmittel sein, noch sollen sie den Busverkehr ersetzen. Die Mitfahrerbänke sollen ein alternatives Konzept sein, dass vor allem für die jüngeren und älteren Bürger eine kostenlose Möglichkeit der Fortbewegung darstellt.

Im Simmerather Strukturausschuss fand die Idee allgemeine Zustimmung. Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns hatte sie, angeregt durch positive Erfahrungen in anderen Kommunen, aufgegriffen. In der Stadt Baesweiler wurden im vorigen Jahr sieben Mitfahrerbänke errichtet.

Für das Gemeindegebiet Simmerath hatte die Verwaltung zwei Standorte ausgesucht, in Rollesbroich die Ecke Dürener Straße/Fuhrtstraße und in Erkensruhr gegenüber dem Dorfgemeinschaftshaus. Für die Aufstellung der beiden Bänke stehen im Haushalt 2500 Euro bereit.

Samstags und sonntags gibt es in beiden Orten keinerlei Busverbindung, an Wochentagen fährt der Bus ein- bis dreimal.

Neben den beiden Mitfahrerbänken soll ein Mast aufgestellt werden, der aber lediglich das Richtungsschild „Simmerath“ anzeigt. Zunächst einmal, so die Verwaltung, solle die Akzeptanz festgestellt werden. Daher werde auch auf sogenannte Rückfahrerbänke verzichtet. Das Angebot gilt also nur für eine Richtung.

Dieser Punkt löste bei der Beratung im Ausschuss Unverständnis bei Reinhold Köller (UWG) aus: „Das ist Schilda. Wir bleiben bei dem Projekt auf halber Strecke stehen“, kritisierte er und stimmte daher auch gegen eine Testphase unter diesen Voraussetzungen.

Das letzte Wort über diese Initiative sei aber noch nicht gesprochen, betonte der Bürgermeister. Zunächst einmal solle aber nur der Zentralort angesteuert werden. Bei entsprechender Akzeptanz werde man sicherlich über eine Ausdehnung des Angebotes sprechen.

Von den anderen Fraktionen wurde der Test uneingeschränkt begrüßt. „Das ist eine sinnvolle Ergänzung; der ÖPNV kann nicht alles leisten, was wir uns wünschen“, meinte Gregor Harzheim (SPD).

Der Aachener Verkehrsverbund als Anbieter des öffentlichen Personennahverkehrs in der Gemeinde Simmerath hatte in einer Stellungnahme die Mitfahrerbänke als „ergänzendes Mobilitätsangebot“ begrüßt, aber auch Sicherheitsaspekte angesprochen. Unbedingt vermieden werden müsse, dass durch Mitfahrerbänke das bestehende ÖPNV-Angebot geschwächt werde, hieß es.

Die Gemeinde Simmerath stellt jährlich 600.000 Euro Kosten für den ÖPNV in ihren Haushalt ein. Zu den Bedenken des AVV meinte Bürgermeister Hermanns: „Bei den Mitfahrerbänken soll es sich lediglich um eine Ergänzung zum ÖPNV handeln.“

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