Evangelische Stadtkirche: Lob für beispielhafte Sanierung

Von: P. St.
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Ein herausragendes Beispiel für eine gelungene Instandsetzung nach den Gesichtspunkten der Denkmalpflege ist die evangelische Stadtkirche Monschau. Foto: P. Stollenwerk
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Von der gelungenen Innenraumgestaltung der ev. Stadtkirche Monschau begeistert: V.li.): Pfarrer Jens-Peter Bentzin, Bürgermeisterin Margareta Ritter, Landeskonservatorin Dr. Andrea Pufke, Architekt Frank Liedke, Prädikant Michael Flick und Autorin Dr. Monika Herzog. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Eingerüstet oder geschlossen: In diesem Zustand haben die Bürger die evangelische Stadtkirche Monschau in den zurückliegenden Jahren wahrgenommen. Das knapp 230 Jahre alte Gotteshaus im Zentrum der historischen Altstadt, in direkter Nachbarschaft zum Roten Haus, steht seit dem Jahr 2005 ganz im Zeichen der Denkmalpflege.

Die Sanierung des Bruchsteingebäudes ist zwar immer noch nicht abschlossen, aber der historische Zustand kommt seiner Vollendung langsam näher.

Im Vergleich zum altbekannten Zustand ist es vor allem die zurückhaltende Farbgebung des Innenraumes, die den Unterschied ausmacht. Der Abbau und die Sanierung der Turmhaube war sicherlich die spektakulärste Aktion, und höchst problematisch war die technisch aufwendige Beseitigung der Schadstoffbelastung im Dachstuhl und dessen Instandsetzung. Hier hatten es in den 1980er Jahren die Schädlingsbekämpfer zu gut gemeint und das inzwischen in dieser Zusammensetzung verbotene Holzschutzmittel Xylamon eingesetzt.

Bei der ersten größeren Instandsetzungsmaßnahme zwischen 1977 und 1981 wurde im großen Stil der von Hausschwamm befallene Dachstuhl saniert. Entsprechend dem Kenntnisstand der damaligen Zeit wurde die chemische Keule ausgepackt und eine statische Hilfskonstruktionen eingebaut, die aber nur drei Jahrzehnte Bestand hatte.

Rissbildungen in der Stuckdecke des Innenraumes führten dazu, dass die Kirche ab dem Jahr 2010 für drei Jahre komplett geschlossen wurde.

Alle Widrigkeiten aber wurden am Ende überwunden, so dass Kirchengemeinde und Denkmalpfleger am Ende auf ein gelungenes Gesamtwerk blicken können. Von der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland wurde das evangelische Gotteshaus in Monschau im Jahr 2013 als „Stadtkirche des Jahres“ ausgezeichnet.

Die langwierige Sanierung des Gebäudes findet nun auch einen Platz im Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege, dass jetzt zum 45. Mal erschienen ist, und die bedeutendsten Maßnahmen, die das Fachamt des Landschaftsverbandes Rheinland für Denkmalpflege in den zurückliegenden beiden Jahren begleitete, in Fachbeiträgen würdigt.

Vorgestellt wurde das Buch jetzt im evangelischen Gemeindehaus der Stadtkirche Monschau. Die Sanierung des Kirchengebäudes wird in dem Beitrag von der zuständigen LVR-Denkmalpflegerin Dr. Monika Herzog als überaus gelungenes Beispiel des Zusammenwirkens aller Projektbeteiligten bezeichnet.

Die Herausgeberin des Buches, Landeskonservatorin Dr. Andrea Pufke, sieht in der Stadtkirche ebenfalls ein gelungenes Beispiel für die Wiederherstellung eines historischen Gebäudes. „Man muss keine Angst vor der Denkmalpflege haben“, meinte sie zu der gerade in der Monschauer Altstadt oft kontrovers diskutierten Thematik.

Dies konnte auch Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter bestätigen. Das Fachamt für Denkmalpflege des LVR tue „unheimlich viel Gutes“ in Monschau, und auch die Stadt lasse sich in die Pflicht nehmen, ihr historisches Erbe zu erhalten. Die sanierte Stadtkirche biete ein „lebendiges Beispiel“ für eine gelungene Kooperation von Landschaftsverband, Stadt und Kirchengemeinde. Auch für Andrea Pufke blieb am Ende die wesentliche Erkenntnis, „dass wir trotz aller Schwierigkeiten ein Ergebnis erzielt haben“.

Rund zwei Millionen Euro kostete die Instandsetzung der Stadtkirche bei einer Fördersumme von rund 600.000 Euro. Die Förderung wurde auf vielen Schultern getragen. Zahlreiche Stiftungen engagierten sich, ebenso die Stadt Monschau, aber auch die Vereine. Dass die Sanierung als „Paradebeispiel für Gemeinnützigkeit“ gelten dürfe, machte Jens-Peter Bentzin, der Pfarrer der evangelischen Stadtkirche Monschau, deutlich. Viele Tausende Menschen hätten sich bei der Förderung eingebracht, angefangen von Spenden nach runden Geburtstagen bis hin zum Verkauf von selbst gemachter Marmelade.

Monika Herzog, die als Denkmalpflegerin des Landschaftsverbandes Rheinland bereits seit 20 Jahren denkmalwerte Objekte in Monschau betreut, blickte auf die lange Sanierungsphase zurück, und hob hervor, dass die Maßnahme sich an der Befindlichkeit des Gebäudes orientiert, entwickelt habe. „Wie ein Puzzle“ habe sich die Instandsetzung des im Jahre 1789 erbauten Objektes vollzogen und am Ende das abgerundete Bild einer Zeitreise ergeben. „Der Erkenntnisgewinn im Zuge der Baumaßnahme hat wunderbar funktioniert.“ Mit der „Rückgewinnung des authentischen Raumeindruckes von 1789 finden die Sanierungsarbeiten der letzten Jahre einen würdigen und herausragenden Abschluss“.

Mit Blick auf das historische Stadtensemble in Monschau meinte sie, dass es aus Sicht der Denkmalpflege noch zahlreiche Objekte gebe, die entwickelt werden könnten. Unter anderem verwies sie auf aktuelle Untersuchungen in Monschaus Wahrzeichen Nummer eins, dem Roten Haus. Monika Herzog: „Das könnte spannend werden.“

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