Roetgen - Etwas anderes als Landarzt kam für Dr. Kaiser nie in Frage

Etwas anderes als Landarzt kam für Dr. Kaiser nie in Frage

Von: Andreas Gabbert
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Dr. Frank Moeris (links) und Dr. Jürgen Kaiser haben sich über einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt: Am 1. April übergibt Kaiser seine Praxis an seinen Nachfolger. Foto: A. Gabbert

Roetgen. Als Dr. Jürgen Kaiser in den 1970er-Jahren zum ersten Mal durch Roetgen fuhr, war er überzeugt davon, dass der Ort lediglich aus etwa 100 Häusern entlang der Bundestraße bestehen würde. Das weiß er inzwischen besser, schließlich wohnt er seit 1989 in Roetgen und betreibt seitdem dort auch seine Praxis. Die wird der 62-Jährige nach 27 Jahren am 1. April an seinen Nachfolger Dr. Frank Moeris übergeben.

„Ich wollte schon in meiner Jugend Landarzt werden“, sagt Dr. Kaiser, der in Ludwigsburg in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen ist. Seine Chancen, nach dem Abitur einen Platz für ein Medizinstudium zu erhalten, waren nicht gut. Deshalb entschied er sich zunächst dafür, Biologie und Physik in Freiburg zu studieren. Die dort erbrachten Leistungen konnte er sich anrechnen lassen, als er dann 1976 einen Studienplatz für Medizin in Aachen erhielt.

„Vorher war ich noch nie im Rheinland. Das war mir alles fremd, aber ich bin sehr angenehm aufgenommen worden“, erzählt Dr. Kaiser. Während des Studiums lernte er einen Kommilitonen aus Schleiden kennen, der genau wie er ein begeisterter Reiter ist. Der Studienfreund riet ihm, mit nach Kesternich zu kommen, dort gebe es einen guten Reitstall. So fand er erstmals den Weg in die Eifel.

Heimweh nach der Eifel

Nach dem Studium trat er 1980 eine Assistenzstelle in der Chirurgie des Schleidener Krankenhauses an. „Dort habe ich auch meine Frau Gabriele kennengelernt, die war Patientin bei mir“, erinnert sich Dr. Kaiser lächelnd. „Wenn mir meine Frau nicht immer den Rücken freigehalten hätte, hätte ich meine Aufgabe nicht so wahrnehmen können“, sagt er.

Zwei Jahre später wurde er in Weilerswist für 18 Monate Medizinalrat beim Bundesgrenzschutz. „Das war auch eine tolle Zeit.“ Anschließend war er im Rahmen der Facharztweiterbildung im Petrus-Krankenhaus in Bonn tätig.

Im Jahr 1986 heiratete er und wollte sich seinem Traum, als Landarzt zu arbeiten, verwirklichen. „Damals hatte ich die fixe Idee, als Landarzt da tätig zu sein, wo man den Dialekt versteht und ihn auch sprechen kann“, berichtet Dr. Kaiser. Also gründete er seine erste Praxis bei Tuttlingen am Bodensee. Drei Jahre blieb er dort. In dieser Zeit wurde auch seine Tochter geboren.

„Dann bekam ich Heimweh nach der Eifel und dem Rheinland“, sagt Dr. Kaiser. Im Ärzteblatt hatte er gelesen, dass die Praxis, die Dr. Thonemann seit den 1950er-Jahren an der Lammerskreuzstraße in Roetgen führte, angeboten wurde. „Dienstags habe ich das gelesen. Wir haben einen Termin vereinbart und am Donnerstag stand die Zusage“, sagt der 62-Jährige.

Art der Eifeler schätzen gelernt

Etwas anderes als Landarzt zu werden, kam für Dr. Kaiser nie in Frage. Er schätzt vor allem die Vielseitigkeit dieser Tätigkeit, den Kontakt zu den Patienten über mehrere Generationen hinweg, die Treue zu einer Praxis, den engen Kontakt und das Vertrauen auf Gegenseitigkeit.

Schätzen gelernt hat der Mediziner auch das Wesen und die Art der Eifeler, die ihm nicht zuletzt auch durch die Familie seiner Frau näher gebracht wurden. „So habe ich die Eifeler Mentalität kennen und schätzen gelernt.“ Zuverlässig, treu, fürsorglich, bodenständig, verschmitzt und fröhlich sind die Attribute, mit denen er die Eifeler umschreibt. „Die Leute haben hier das Herz am rechten Fleck“, sagt Dr. Kaiser.

Sein Nachfolger, Dr. Frank Moeris, ist ein waschechter Eifeler. Der 37-Jährige ist in Imgenbroich aufgewachsen und hat sein Abitur am St.-Michael-Gymnasium in Monschau gemacht. Den Zivildienst absolvierte er im Krankenhaus in Simmerath. Von 2001 bis 2008 studierte er in Aachen Medizin.

Anschließend war er in der Medizinischen Klinik im Marienhospital in Aachen und in der Klinik für Anästhesie im Medizinischen Zentrum in Würselen tätig. Von 2011 bis 2013 war er im Rahmen der Facharztweiterbildung in der Praxis von Dr. Paul Jouck in Monschau angestellt. Seit Dezember 2013 arbeitet er in der Praxis von Dr. Kaiser in Roetgen. Seit 2001 wohnt Dr. Moeris in der Gemeinde Roetgen.

Kurz vor dem Abschluss seiner Facharztprüfung erreichte ihn ein Anruf von Dr. Kaiser, der aktiv nach einem Nachfolger für seine Praxis suchte. Der Kontakt war damals über einen gemeinsamen Bekannten zustande gekommen. Die beiden Mediziner vereinbarten eine zeitlich begrenzte Zusammenarbeit mit der Möglichkeit, die Praxis zu übernehmen.

„Wichtig war mir, dass ein möglicher Nachfolger Freude an der Landarzttätigkeit hat, dass er positiv auf Menschen zugeht, und dass er eine qualifizierte Ausbildung hat. Wir haben dann festgestellt, dass wir gut miteinander können“, sagt Dr. Kaiser. „Der Plan war ziemlich schnell geschmiedet. Nach einer Woche stand alles fest“, sagt Dr. Moeris.

Die Perspektiven seines Nachfolgers als Landarzt in der Eifel schätzt Dr. Kaiser als „sehr gut“ ein. „Ein Landarzt wird hier auf nicht absehbare Zeit immer benötigt“, sagt er. Roetgen sei ein großer Ort und habe von daher auch eine große Klientel. In der Allgemeinmedizin habe ein Arzt den Vorteil, „dass man die Bereiche, die einem besonders liegen, in der täglichen Arbeit betonen kann“.

Die Tätigkeit als Landarzt biete ein breites Spektrum. Im Vergleich zur Stadt sei auf dem Land der Bezug zu den Familien viel größer. „Man weiß, aus welchen Häusern die Menschen kommen, wie sie leben. Man kennt die Probleme und die Freuden der Menschen“, sagt Dr. Kaiser. Außerdem gebe es hier ein kompetentes Netz aus niedergelassenen Ärzten und Krankenhausärzten, so dass die bestmögliche Versorgung für die Patienten gewährleistet sei.

Für Dr. Moeris ist es „die Kombination aus der Zuwendung zu den immer wiederkehrenden Patienten und der Vielseitigkeit der Allgemeinmedizin“, die einen Teil des Reizes einer Landarzttätigkeit ausmache. „Die Dankbarkeit der Patienten bei langjähriger Behandlung, ist die größte Belohnung für diese Arbeit“, sagt er.

„Ich gehe abends zufrieden nach Hause, wenn ich das Gefühl habe, menschlich und fachlich gute Arbeit gemacht zu haben.“ Es gebe hier wenig Fluktuation, die Patienten seien hier sehr treu. Als Assistenzarzt habe er parallel zum Krankenhaus bei Dr. Jouck oft in der Abendsprechstunde ausgeholfen und sich so ein Bild machen können. So habe er die Arbeit auf dem Land und die Arbeit in einer Klinik vergleichen und sich ein Urteil bilden können. „Die Entscheidung war schnell gefällt“, sagt Dr. Moeris.

Die Praxis an der Lammerskreuzstraße will er grundsätzlich so weiterführen. „Großartige Änderungen wird es nicht geben“, sagt Dr. Moeris. Eine große Rolle in allen Bereichen soll die Vorsorge spielen. „ Es geht darum, Risiken zu erkennen und vorzubeugen.

Etwa 30 Prozent der Deutschen haben hohen Blutdruck. Hier setzt unsere Arbeit an.“ So seien beispielsweise rund 50 Prozent der Herzinfarkte und Schlaganfälle zu vermeiden, wenn der hohe Blutdruck erkannt und behandelt werde. Eine weitere große Säule der Allgemeinmedizin stelle die medizinische Betreuung der älteren Menschen zu Hause dar.

Dr. Wolfgang Pütz, der seit dem Jahr 2000 in der Praxis angestellt ist, wird wie bisher weiter arbeiten. Daran ändert sich nichts.

Dr. Jürgen Kaiser freut sich darauf, bei Aktivitäten mit der Familie bald keine zeitlichen Einschränkungen mehr zu haben. Er bleibe in Roetgen wohnen, auch wenn viele von einem Wegzug ausgegangen seien. „Das hat mich sehr gewundert, da Roetgen doch unsere Heimat geworden ist“, sagt er.

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